13 Fanboy (Film)

“13 Fanboy” ist ein Meta-Slasher der rührigen Art, er rückt, sehr sympathisch, ehemalige Horrorfilm-Darsteller*innen aus der zweiten bis vorletzten Reihe in den Fokus. Im vorliegenden Fall speziell solche, die bei der “Freitag der 13.”-Reihe als Opfer und Täter (Kane Hodder, C.J. Graham) mitgewirkt haben. Regie führt Deborah Vorhees (augenscheinlich prädestiniert dafür), die selbst bei der fünften Inkarnation (“Freitag der 13. Teil V – Ein neuer Anfang” – “Friday the 13th: A New Beginning”) ihres Nachnamenvetters Jason ein paar Minuten mitspielte.

Die Story ist betont simpel, ein Stalker, der titelgebende Fanboy, nimmt ehemalige Mitwirkende des “Freitag der 13.”-Franchises ins Visier und metzelt diese einigermaßen blutig nieder. Motivation: Sein Vater sperrte ihn als Kind in den Keller, der prall gefüllt war mit Slashern, Videorecorder und Fernseher. Der übliche amerikanische Vorstadt-Keller eben. Jeder Beteiligte an “Freitag der 13.” mutierte zum Ersatzfamilienmitglied des gepeinigten Kindes und Jugendlichen. Später blieben Rückmeldungen auf Post und Nachfragen aus. Anstatt Emanzipation entwickelte sich so Wut und Hass auf die treulose Filmgemeinde und unser Fanboy entwarf seine mörderischen Pläne.

Ganz früh und autoreferentiell erwischt es Deborah Vorhees, die Regisseurin des Films. Augenzeuge des Messermordes im Wald wurde ihre Enkelin Kelsie, die dem Killer entkommen kann. Einige Jahre später ist Kelsie selbst Scream Queen und erfolgreiche Martial Arts-Kämpferin. Und das Morden geht weiter.

An der Seite von Kelsie kämpft die bekannteste Schauspielerin vor Ort, Dee Wallace, die Cassie nach dem Tod ihrer Großmutter quasi adoptiert hat. Nach etlichen blutgepflasterten Umwegen kommt der Killer den Beiden bedrohlich nahe. Das Bangen hält sich in Grenzen, eine kleine Schlusspointe gibt es obendrauf, verpufft aber weitgehend, da die Aufdeckung der Identität des meuchelnden Fans herzlich egal ist.

Filmschaffende, die sonst eher beiläufig wahrgenommen werden, einmal ins Zentrum eines Plots zu stellen ist durchaus sympathisch. “13 Fanboy” erledigt dies akribisch, indem er Akteure daheim und auf Fantreffen agieren lässt und dies fleißig bebildert. Damit auch Uneingeweihte den Überblick behalten, bekommt jeder sich selbst spielende Beteiligte Untertitel spendiert, die erklären, welche Rolle Er oder Sie im Jason Vorhees-Universum ein- oder mehrmals gespielt hat. Am bekanntesten dürften neben Hauptfigur Dee Wallace die Jason-Darsteller Kane Hodder und C.J. Graham sein. Und natürlich Corey Feldman, der als einziger fiktiver Charakter, neben Kelsie Darstellerin Hayley Reece Greenbauer, auftaucht. Er darf als windiger, sexistischer Möchtegern-Produzent Mike Merryman für so etwas wie den (misslungenen) Comic Relief eines ansonsten sich selbst viel zu ernst nehmenden Filmes sorgen.

Die Story passt auf den allseits bekannten Bierdeckel und wird gefüllt mit Dia- und Monologen über familiäre, filmische und Mordverhältnisse. Besonders Dee Wallace darf sich sorgen, grämen und paranoid haarsträubende Aktionen (inklusive völlig sinnentleertes Bedrohen des Lebensgefährten mit einer Waffe) durchführen. Nur damit sie kurzzeitig als Verdächtige taugt, was eh kein Zuschauer glaubt.

Immerhin legt sie eine solide schauspielerische Leistung hin, wohingegen die zweite Hauptfigur Kelsie Voorhees zwischen überkandidelt und blass agiert. Das Drehbuch lässt Hayley Greenbauer aber auch mehr als einmal im Stich. Schon ihre Anlage als widersprüchlicher Mix aus taffer Kampfsportlerin und ängstlichem Opfer ist unausgegoren. Dazu gesellt sich eine öde Liebesgeschichte, die einen McGuffin aufbauen soll, der nach plumper Installation umgehend wieder vergessen wird. Insgesamt ähnelt der Kelsie-Erzählstrang dem Herumstochern eines müffeligen Teenagers in missliebigem Essen.

Spannung kommt zudem bei der zerfahrenen Inszenierung kaum auf. Stimmungsvolle Totale wechseln sich mit verwaschenen Nahaufnahmen von trister TV-Ästhetik ab, der szenische Aufbau wirkt willkürlich und hat dramaturgisch keine Konsistenz. Dinge werden behauptet, passieren einfach, werden vergessen oder ausgeblendet, und sämtliche Charaktere (besonders solche in Uniform) agieren so stereotyp wie regelkonform uneinsichtig und nicht selten dämlich.

Die Morde sind immerhin halbwegs effektiv und blutig in Szene gesetzt, auf künstliches CGI-Gematsche wird dankenswerterweise verzichtet. Wäre beim überschaubaren Budget wahrscheinlich per se kein schöner Anblick gewesen.

So plätschert “13 Fanboy”, mit über 100 Minuten viel zu lang, gemütlich dahin, geht als Fantreff, aufgepeppt mit blutigem Schnitzelwerk, einigermaßen durch. Wer kein Faible für Jason, Freddy, Michael, Cujo und Konsorten hat, wird diese kleine, graue Maus von Film sowieso nicht bemerken.

Cover & Szenenfotos  © Pierrot Le Fou

  • Titel: 13 Fanboy
  • Originaltitel: Al morir la matinée
  • Produktionsland und -jahr: USA, 2021
  • Genre: Horror, Slasher, Homage
  • Erschienen: 22.06.2022 BluRay / 26.08.2022 DVD
  • Label: Pierrot Le Fou
  • Spielzeit:
    97 Minuten auf 1 DVD
    101 Minuten auf 1 Blu-Ray
  • Darsteller: Dee Wallace
    Haley Greenbauer
    Corey Feldman
    Kane Hodder
    Deborah Vorhess
    C.J. Graham
    Lar Park-Lincoln
    Tracy Savage
  • Regie: Deborah Vorhees
  • Drehbuch: Deborah Vorhees
    Joel Paul Reisig
  • Kamera: Ben Meredith
    Daniel Zollinger
  • Schnitt: Deborah Vorhees
    Daniel Zollinger
  • Musik: Tamer Ciray
  • Extras: Mediabook: 24-stg. Booklet inkl. Interview mit Deborah Voorhees,Videoeinführung durch die Regisseurin,Trailer, Exklusives Poster
  • Technische Details (DVD)
    Video: ‎
    2.1:1 (16:9)
    Sprachen/Ton:
    Deutsch, Englisch, DD 5.1
    Untertitel:
    D
  • Technische Details (Blu-Ray)
    Video:
    2.1:1 (1080p)
    Sprachen/Ton:
    Deutsch, Englisch, DD 5.1 + DTS HD-MA 5.1
    Untertitel:
    D
  • FSK: 18
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite
    Erwerbsmöglichkeiten


Wertung: 6/15 dpt

 


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