Matthias Wittekindt – Marmormänner (Buch)

Preisgekrönte Fortsetzung der Fleurville-Reihe

Marmormänner
© btb

Die an der deutsch-französischen Grenze gelegene Kleinstadt Fleurville floriert prächtig, was nicht allen Einwohnern gefällt. Selbst Bürgermeister Plutard, der den Bauboom erst ermöglichte, steht weiteren Plänen inzwischen skeptisch gegenüber. Dann werden bei Bauarbeiten Kleidungsstücke freigelegt; eine Trainingshose und Turnschuhe, die Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre hergestellt wurden. Marie Grenier, die bei der Polizei von Fleurville die Spurensicherung leitet, ist elektrisiert, denn Ende April 1970 wurde die Leiche von Xavier Lacroix mit durchgeschnittener Kehle gefunden. Binnen zweieinhalb Monaten verschwanden drei weitere Männer bis heute spurlos. Seitdem sind die vier Männer als Marmormänner in die Geschichte Fleurvilles eingegangen. Obwohl Kommissar Colbert den inzwischen über vierzig Jahre alten Fall lieber ruhen lassen will, gesteht er Grenier doch zu, sich auf Spurensuche zu machen. Zwar hat Grenier noch nie eine Ermittlung geleitet, doch scheint es ohnehin mehr um die Auswertung topografischer Eigenschaften zu gehen. Wer wurde wann und wo gesehen, lassen sich Bewegungswege der Männer noch rekonstruieren?

Gabrielle Mazet, die neu ins Team hinzugekommene Verwaltungsfrau, die ursprünglich Informatik studiert hat, soll Grenier helfen. Allerdings können die beiden Frauen zunächst herzlich wenig miteinander anfangen. Sergeant Ohayon ermittelt derweil in einem anderen Fall. Vor anderthalb Wochen entführte André Morel seine kleine Tochter Zoé von deren Tagesmutter. Dabei baute er einen schweren Unfall und ist seitdem untergetaucht. Nun fehlt auch von seiner Ex-Frau Martine jede Spur. Der Verdacht liegt nahe, dass André diese entführt hat. Apropos fehlende Spuren, zumindest dies haben die beiden Fälle miteinander gemein.

Ein vierzig Jahre alter Fall will gelöst werden

Matthias Wittekindt eröffnete mit seinem Debütroman „Schneeschwestern“ die sogenannte Fleurville-Reihe, benannt nach einer fiktiven Kleinstadt an der deutsch-französischen Grenze. Fünf Bände sind bereits erschienen, von denen “Marmormänner” (Band 2) und „Die Tankstelle von Courcelles“ (Band 5 und zugleich ein Prequel zur Serie) mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet wurden (3. Platz 2014 und 2. Platz 2019).

Seit den Ereignissen um die „Schneeschwestern“ sind drei Jahre vergangen, was mehrere Auswirkungen auf die Polizei in Fleurville hat. Nicht nur, dass mit Gabrielle Mazet eine weitere Person die Bühne betritt, auch das Privatleben der übrigen Figuren ging weiter. Stand im Debütroman fast ausschließlich das Privatleben von Kommissar Colbert im Vordergrund, so liest man darüber seltsamerweise nichts mehr. Kein Wort über die Freundin oder seine Tochter. Stattdessen rückt Grenier in den Vordergrund der Handlung und nimmt am meisten Platz ein. Sergeant Ohayon, vor drei Jahren noch ein auffallend ruhig, insbesondere privat betrachtet, ist überraschend verheiratet und hat sogar ein kleines Kind.

Der Plot ist spannend konstruiert, wobei die Ereignisse rund um die Familie Morel etwas im Hintergrund stehen, während die Untersuchungen von Grenier und Gabrielle zunächst kaum vorankommen. Aktenstudium ist angesagt, was gar nicht so einfach ist, denn Kommissar Clermont, der vor Colbert über zwanzig Jahre in dem Fall ermittelte, war – sagen wir – nicht der beste Ermittler. Nach und nach bilden sich leichte Lichtblicke, doch viele Zeugen sind natürlich schon verstorben, andere erzählen weiterhin aus unterschiedlichen Gründen nicht die ganze Wahrheit. Vier Jahrzehnte sind halt ein langer Zeitraum, umso erstaunlicher (Achtung Ironie), dass der Fall doch noch „aufgeklärt“ wird. Alles in allem eine interessante Geschichte, die etwas aus dem Rahmen fällt, nicht zuletzt aufgrund des ungewöhnlichen Schreibstils des Autors.

  • Autor: Matthias Wittekindt
  • Titel: Marmormänner
  • Verlag: btb (Originalverlag: Edition Nautilus)
  • Umfang: 352 Seiten
  • Einband: Taschenbuch
  • Erschienen: Februar 2015
  • ISBN: 978-3-442-74733-7
  • Produktseite


Wertung: 11/15 dpt

 


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