Würdiger Abschluss der mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichneten Romantrilogie aus Norwegen.

© Alfred Kröner Verlag

Mit „Das Kreuz“ findet die 1500 Seiten starke Romantrilogie um das Leben von Kristin Lavranstochter im norwegischen Landadel des 14. Jahrhunderts ihren Abschluss. Geschrieben wurde das Buch 1922 von der Norwegerin Sigrid Undset, die 1928 den Nobelpreis für Literatur für die Trilogie erhielt. Nach „Der Kranz“ und die „Die Frau“ erschien der letzte Band im Juni dieses Jahres in der Neuübersetzung von Gabriele Haefs im Alfred Kröner Verlag.

Nach Kristins Kindheit und Erwachsenwerden in Band 1, ihrer Verantwortung als frischgebackene Ehefrau von Erlend und Hofherrin in Band 2, beschäftigt sich der Abschluss der Trilogie mit einer Phase im Leben Kristins, in der sie sich immer mehr auf sich selbst besinnt und zurückblickt. Nachdem sie mit Erlend einen Neuanfang wagen kann, ziehen in der Ehe schon bald neue Stürme auf … Ihre Kinder werden langsam erwachsen und so besteht die große Sorge darin, alle ihrem Stande gemäß zu versorgen. Und aufzupassen, dass ihnen kein Fehltritt unterläuft. Schließlich erinnert sich Kristin noch sehr gut an ihre Jugend zurück, in der es Vater und Familienoberhaupt Lavrans nicht immer leicht mit ihr hatte. Der Gedanke, dass die Söhne nun ihr eigenes Leben in die Hand nehmen müssen, beschäftigt Kristin sehr – besonders nachdem Elend Nikulaussohn so gar nicht handeln möchte und den Dingen aus sicherer Entfernung ihren Lauf lässt, wie es scheint.

Politisch ist im Norwegischen Königshaus des 14. Jahrhunderts wieder einiges in Bewegung und manches, was im vorherigen Teil angedeutet wurde, erklärt sich im Fortgang der Handlung in diesem Buch: 1336 wird Magnus VII. Eirikssohn zum König von Norwegen und Schweden gekrönt. Ein Ereignis, das Kristin kalt lässt, die Gemüter ihrer Söhne jedoch erhitzt – hatte ihr Vater diese Entwicklung doch heraufbeschwören wollen und musste hart dafür mit dem Verlust von Ansehen und Besitz büßen. Eine Enteignung, die natürlich auch auf ihrer aller Erbe und Lebensstandard Auswirkungen hatte.

Verschiedene Handlungsstränge kommen zusammen und von geliebten Figuren muss Abschied genommen werden. Aber auch Neuanfänge gibt es und Wiedersehen mit alten Bekannten. Und die große Frage, die sich am Ende stellt, ist: Wird Kristin Lavranstochter Frieden mit sich und ihrem Leben schließen können? Wie viel Schmerz und Leid wird sie noch ertragen müssen und welche Freuden sind ihr im Alter von 40 Jahren als (damals) alte Frau geblieben? Fakt ist: Sie bleibt standhaft und wird respektiert wie nie zuvor. Aber ob ihre Söhne bereit sind, von der Lebenserfahrung der Mutter zu profitieren, muss sich noch zeigen.

Ihre Angst, ihre unbeschreibliche Schwäche hatte sie vor allen Menschen verbergen wollen, sie war hocherhobenen Hauptes und mit ruhiger Miene ihren Weg gegangen, hatte geschwiegen und gekämpft, um so gut sie nur konnte das Wohlergehen ihrer Kinder zu sichern.S. 280

Während politische Unruhen im zweiten Teil der Trilogie in den Vordergrund rückten und auch aus der Perspektive von anderen Figuren erzählt wurde, rückt Kristins Lebensweg, ihre Selbstzweifel und Gedankenwelt im Abschlussbuch der Romantrilogie erneut in den Fokus. Der dritte Band ist aus diesem Grund wieder weitaus spannender zu lesen. Der Titel „Das Kreuz“ deutet bereits an, dass das Thema Religion an Bedeutung gewinnt – nicht nur für Kristin, auch im Lebenswandel zweier ihrer Söhne. Dazu kommt, dass eine bisher unbekannte Krankheit – die Pest – Einzug in Norwegen hält …

Das letzte Buch der Nopelpreis-prämierten Trilogie kommt wieder mit viel Erzählkraft und spannendem Plot daher. Es bildet den würdigen Abschluss des rund 1500 Seiten umfassenden Epos. Eine Romanreihe, die Geschichte geschrieben hat. Einen Wertungspunkt Abzug gibt es lediglich dafür, dass sich wieder einige Tippfehler und Wortauslassungen in den Text geschlichen haben. Sigrid Undset hat hier einen Erzählkosmos geschaffen, der ein breites Lesepublikum verdient und mit Kristin Lavranstochter eine Frauenfigur geboren, die für immer in den Herzen derer weiterleben wird, die das letzte Buch der Reihe wehmütig schließen. Höchste Erzählkunst, die ihresgleichen sucht, ein zeitloses Epos, das lange nachhallt.

Wer mehr über die Schriftstellerin erfahren will, dem sei der Podcast „Autorinnen im Porträt“ ans Herz gelegt: Gemeinsam mit Booknerds-Redakteurin Mariann Gaborfi habe ich Sigrid Undset eine Folge gewidmet, in der wir mehr über ihr Leben und Wirken erzählen.

  • Autor: Sigrid Undset
  • Titel: Kristin Lavranstochter – Das Kreuz
  • Band der Reihe: 3 von 3
  • Originaltitel: Kristin Lavransdatter. Korset (1922)
  • Übersetzer: Gabriele Haefs
  • Verlag: Alfred Kröner Verlag
  • Erschienen: Juni 2022
  • Einband: Halbleinen mit Lesebändchen
  • Seiten: 500
  • ISBN: 978-3-520-62301-0
  • Sonstige Informationen:
  • Produktseite
  • Meine Rezensionen zu Band 1 und Band 2



    Wertung: 14/15 dpt


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