Der booknerds-Jahresrückblick 2022 von Frederike


Das Jahr 2022 war ein ungewöhnliches Jahr für mich. Es hat sich viel verändert: Ich habe mein Studium beendet, war ein paar Monate hilflos auf Jobsuche, bis ich dann endlich etwas Passendes gefunden habe und dafür von Kaiserslautern nach Hamburg gezogen bin. Also alles neu, alles spannend, alles irgendwie viel, aber auch richtig gut.

Abgesehen davon war 2022 für mich ein super Lesejahr. Ich habe noch nie so viele (gute) Bücher in einem Jahr gelesen und hatte damit einfach eine richtig gute Zeit. Hier eine kleine Auswahl der Highlights:

Zunächst einmal die beiden Sachbücher, die mich dieses Jahr am meisten abgeholt haben:

● “Girls Will Be Girls” von Emer O’Toole beschäftigt sich auf sehr humorvolle, interessante Art und Weise mit dem Thema Gender-Performance. Sie erprobt gefühlte Grenzen und versucht herauszufinden, wie sie sich wohl fühlt und wie sie am besten sie selbst sein kann.

● “Sprache und Sein” von Kübra Gümüşay behandelt die Fragen, inwiefern Sprache und Wirklichkeit sich gegenseitig beeinflussen, wieso wir manchmal das Gefühl haben, wir hätten mit der Sprache auch die Persönlichkeit gewechselt, wie wir andere durch unsere Sprache manchmal ausschließen und wie wir das in Zukunft vielleicht besser machen können.

Und weiter geht es mit den Romanen:

● “My Cat Yugoslavia” von Pajtim Statovci ist ein ganz ungewöhnliches Buch. Es ist aus zwei Perspektiven geschrieben: Einerseits die erschreckend ehrliche und realistische Geschichte von Emine in Jugoslawien und die Flucht ihrer Familie nach Finnland während des Krieges. Und andererseits die Geschichte von ihrem Sohn Bekim, der sich aus der finnischen Gesellschaft ausgeschlossen fühlt und dessen Leben von übernatürlichen und undurchsichtigen Erlebnissen geprägt ist. Am deutlichsten sticht hier wohl seine Beziehung zu einem Mann hervor, der gleichzeitig eine Katze ist.

● “Giovanni’s Room” von James Baldwin ist eine Liebesgeschichte, die einem das Herz aus der Brust reißt und darauf herumtrampelt – und das auf die beste Art und Weise.

● “Open Water” ist ein lyrisches Fest des Autors Caleb Azumah Nelson. Es geht um einen jungen Londoner, um Liebe, um Musik, aber auch um Traumata, Polizeigewalt und Rassismus. Ein unfassbar starker Debütroman.

● “Der Gesang der Amsel” Linda Olsson ist ein sanfter, ruhiger Roman über drei einsame Menschen in Schweden, die sich zeitweise finden und gegenseitig ein wenig Halt geben. Meine Rezension dazu findet ihr hier.

● “Heartstopper” von Alice Oseman hat dieses Jahr nicht nur mich total von sich überzeugt. Die Graphic Novel Reihe behandelt so viele unfassbar wichtige Themen, und dass auf eine so respektvolle und herzerwärmende Art, dass man einfach gar nicht anders kann, als sich Hals über Kopf zu verlieben.

Und schon sind wir bei meiner Top 3 angekommen:

Dieses Jahr habe ich den Autor Adrien Tchaikovsky entdeckt und es haben gleich zwei seiner Bücher in diese Liste geschafft: “Dogs of War” und “Children of Time”.

Beides Sci-Fi, beides tiefgehende Studien über (menschliches) Verhalten, verschiedene Formen von Intelligenz, sozialen Strukturen und Konflikten, aber trotzdem ganz unterschiedlich: “Dogs of War” spielt auf der Erde, die sehr von unseren menschlichen Strukturen geprägt ist, “Children of Time” auf einem terraformierten fernen Planeten, auf dem sich eine Gesellschaft von Spinnen gebildet hat. Und Dogs of War ist auf jeder Seite ein emotionaler Schlag ins Gesicht, Children of Time eine eher nüchterne, aber nicht weniger einnehmende Betrachtung.

Und zu guter Letzt: “Der Fluch des Hechts” von Juhani Karila. Was kann ich noch zu dem Buch sagen, was ich nicht schon in meiner Rezension, dem “Zehn Jahre Booknerds!” Beitrag oder dem Interview mit dem Autor gesagt habe? Lest das Buch, es lohnt sich!


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