Kästner & Kästner – Tatort Hafen – Tod an den Landungsbrücken (Buch)


In einer fremden Welt

Tatort Hafen - Tod an den Landungsbrücken
© Knaur

Nachtschicht in Steinwerder am Travehafen. Hier arbeitet Dienstgruppenleiter Tom Bendixen im Wasserschutzpolizeikommissariat 2, kurz WSPK 2, mit seinem Kollegen Tilo Andersen, der wegen seines Händedrucks nur Quetsche genannt wird. Ein ruhiger Dienst bis ein ungewohnter Einsatz ruft. In direkter Nähe eines Pontons der Landungsbrücken wurde ein Skipper auf seiner Barkasse tot aufgefunden. Hans Kruger fand die Leiche seines befreundeten Kollegen Dominic Lutteroth; mit eingeschlagenem Schädel. Jonna Jacobi und Daan Van der Waal von der Mordkommission des LKA übernehmen die Ermittlungen, in die sich auch Tom weiter einmischen möchte, schließlich fühlt er sich für „seinen“ Hafen verantwortlich. Doch noch während die Befragung des Zeugen Kruger läuft, wartet bereits der nächste Einsatz auf Tom und Quetsche. Auf dem Parkplatz einer Werft brennen die Porsche zweier Manager.

Ich erkenne unseren Hafen nicht wieder.“
„Du bist ein alter Romantiker. Der Hafen verändert sich. Die Sitten werden rauer, und die Digitalisierung schreddert den Rest.

Gemeinsam mit Charlotte „Charly“ Severin vom polizeilichen Opferschutz überbringt Van der Waal der jungen Witwe Isabell die schreckliche Nachricht vom Tod ihres Mannes und dem Vater der gemeinsamen dreijährigen Tochter. Isabell äußert den Verdacht, dass womöglich Christian Graf, Chef der Barkassenzentrale, als Täter in Frage kommt, da dieser mit Dominic seit längerer Zeit im Streit liegt; vor zwei Jahren sah man sich sogar vor Gericht. Es ging um Liegeplätze, die wegen der Laufkundschaft wichtig sind, zumal die Pandemie alle Skipper in eine bedrohliche wirtschaftliche Lage gebracht hat.

Packender Serienstart mit sympathischen Protagonisten

Fünfundsiebzig Quadratkilometer oder mehr als zehntausend Fußballfelder ist der Hamburger Hafen groß. Eine eigene Welt in der Metropolstadt, in der sich nur wenige so gut auskennen wie Tom. So werden er, Quetsche, Jonna, Daan und Charly vorübergehend zu einem Team, dem man – es sei vorweg erwähnt – unbedingt weitere Fälle wünscht. „Tod im Schatten der Elbflut“, der zweite Band, wird immerhin schon mit einer Leseprobe beworben, wenngleich noch ohne Erscheinungstermin.

„Tatort Hafen“ ist deswegen ein besonderes Leseerlebnis, weil das Autorenduo sich in seiner Geschichte bestens auskennt. Angélique Kästner ist Spezialistin für Krisenintervention und ihr Ehemann Andreas Kästner arbeitete rund dreißig Jahre als Hauptkommissar der Wasserschutzpolizei im Hamburger Hafen, was man auf jeder Seite bemerkt. Polizeijargon und Arbeitsabläufe sowie Schiffstypen und vieles mehr bieten eine eindringliche Atmosphäre, umfangreiches Wissen über Hamburg und seinen weltberühmten Hafen gibt es selbstredend obendrauf. Ohnehin ist der Megahafen der heimliche Hauptdarsteller, aber das war ja irgendwie von Beginn an zu erwarten und so ist „Tatort Hafen“ weit mehr als nur eine zusätzliche Hamburg-Krimiserie, von denen es ja schon einige gibt. Man denke nur an die Inspektor-Takeda-Reihe von Henrik Siebold oder die Bette-Hansen-Romane von Nora Luttmer.

Neben dem fachlichen Knowhow des Autorenduos überzeugen aber auch die Figuren und – nicht gänzlich unwichtig für einen Krimi – der spannende Plot. Tom hat Probleme mit seiner Freundin, da diese sich sehnlichst ein Kind wünscht, was nicht so recht gelingen möchte, während Charly sich plötzlich von ihrem Ex bedroht fühlt, dem sie bereits eine ansehnliche Narbe im Gesicht zu verdanken hat. Jonna hat kein Privatleben, dafür aber großen Ärger mit ihrer Vorgesetzten, die mit aller Macht Karriere machen möchte und in der Truppe maximal unbeliebt ist. Bei Quetsche und dem Holländer Van der Waal weiß man indes nicht, ob sie ein Privatleben haben; vielleicht erfährt man es im zweiten Band.

Damit kämen wir zum Plot, dessen krimineller Handlungsstrang erfreulicherweise deutlich im Vordergrund steht (anders als bei vielen skandinavischen Krimis). Verdächtige im Mordfall Lutteroth gibt es schnell, denn sowohl Christian Graf wie auch Hans Kruger drängen sich auf. Was folgt ist ein wirrer Strauß an Lügen und daraus resultierende Ermittlungen in die mehr als einmal falsche Richtung. Neben dem Mordfall gibt es noch den besagten Brandanschlag, der letztlich zu einer Werft führt, auf der nicht nur legale Lieferungen eingehen. Es wirkt am Ende zwar ein wenig arg konstruiert, löst sich aber sauber und nachvollziehbar auf. So soll es sein und ein guter Cliffhanger auf der letzten Seite sorgt für Vorfreude auf die Fortsetzung.

„Tatort Hafen – Tod an den Landungsbrücken“ ist nicht nur für Landratten eine klare Empfehlung und ein guter Auftakt in das Krimijahr 2024.

  • Autor: Kästner & Kästner
  • Titel: Tatort Hafen – Tod an den Landungsbrücken
  • Verlag: Knaur
  • Umfang: 320 Seiten
  • Einband: Taschenbuch
  • Erschienen: Februar 2024
  • ISBN: 978-3-426-53066-5
  • Produktseite


Wertung: 12/15 dpt


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