Ela Meyer über das Ablegen konservativer Erwartungen und den Mut zum freigewählten Miteinander

Der Literaturpodcast „Autorinnen im Porträt“ rückt in jeder Episode eine Schriftstellerin in den FokusDabei schauen wir auf das Leben der Autorin und auf ihr Werk. Wer wir sind? Mariann Gáborfi und Sarah Teicher aus Leipzig. Wir sind auch Redakteurinnen bei Booknerds.de und haben deshalb beschlossen, zu dem im März 2022 gegründeten Podcast eine begleitende Kolumne zu schreiben. (Alle Folgen der Kolumne im Überblick.)

Was, wenn gemeinschaftliches Leben nicht nur über die Familie und Gene definiert ist, sondern über Nähe, Verantwortung, Fürsorge? Was, wenn wir uns eingestehen, dass Lebensentscheidungen abseits des klassischen Familienideals genauso gültig, genauso liebevoll, genauso vollständig sind?

Autorin Ela Meyer ©privat

In der März-Ausgabe von „Autorinnen im Porträt“ sprechen wir mit der Autorin Ela Meyer über genau diese Fragen – über Mut, über das Altern, über das Recht, andere Wege zu gehen. Ihr Roman Furchen und Dellen ist dabei nicht nur literarisch ein Highlight, sondern auch ein gesellschaftlicher Weckruf.

Mit ihrer Protagonistin Chris macht Ela Meyer in ihrem Roman erfahrbar, wie sehr uns Herkunft, Erwartungen und unausgesprochene Regeln prägen – und wie schwer es ist, sich daraus zu befreien. Chris kehrt zurück in ihre Heimat, nicht nur geografisch, sondern auch emotional. Ihre Rückkehr ist eine Konfrontation mit der Familie, mit alten Freundschaften und auch ihrem eigenen Selbstbild – sowie mit einem patriarchalen Erbe, das in Form des cholerischen Großvaters, sie wie ein Mantel umschließt und nicht selten einengt.

Und doch geht es in Furchen und Dellen nicht um Resignation. Im Gegenteil: Die Geschichte ist geprägt vom Aufbruch in ein selbstgewähltes Leben. Eines, in dem Freundschaften zu festen Ankern werden, in dem Verantwortung neu verhandelt wird. Besonders eindrücklich zeigt Meyer dies in der Darstellung eines alternativen Familienmodells: Chris’ Freundeskreis entscheidet sich, ein Kind in einer Drei-Eltern-Konstellation großzuziehen. Es ist eine kraftvolle Antwort auf die Frage, was Zusammenleben heute bedeuten kann und welche Herausforderungen damit einhergehen.

Cover „Furchen und Dellen“ ©Goya Verlag

Wir merken in unserem Gespräch mit Ela, wie sehr dieser Roman auch uns anfasst und mussten aufpassen, dass wir unseren Zeitrahmen nicht komplett sprengen. Sie spricht offen über Tabus (die keine mehr sein sollten), wie Kinderlosigkeit, die Menopause, das Sichtbarwerden jenseits gesellschaftlicher Erwartungen. Und das alles mit einer Sprache, die weder belehrt noch beschönigt. Meyers Prosa hat Kanten; sie ist direkt, bildhaft und tief verwoben mit feministischen und sozialen Themen.

Schnell spüren wir in unserem Austausch, dass wenn wir über alternative Familienmodelle sprechen, mehr gemeint ist, als Patchwork und Co-Parenting – wir sprechen über Fürsorgegemeinschaften, über Menschen, die füreinander einstehen, weil sie es wollen, nicht weil sie es müssen. Auch hinterfragt Ela den Begriff und Stellenwert der Familie als solche und wir denken darüber nach, warum der Wert der Familie so oft über den der Freundschaft gestellt wird. In ihrem Roman Furchen und Dellen zeigt Meyer, dass die Modelle der alternativen Möglichkeiten des Zusammenlebens längst Realität sind – nur die gesellschaftliche Anerkennung und Sichtbarkeit hinkt hinterher.

Was wir aus dieser Folge und unserem Gespräch mitnehmen: Es braucht Geschichten, wie die von der Protagonistin Chris, um andere Lebensentwürfe sichtbar zu machen. Es braucht Stimmen, wie die von Ela Meyer, um zu zeigen, dass Freundschaft mindestens den gleichen Stellenwert, wie den der Familie einnehmen kann.

Hört hier unsere März-Ausgabe von „Autorinnen im Porträt“ mit der Autorin Ela Meyer

Wir laden euch ein, zuzuhören – und mitzudenken. Denn das Bild von Familie, das wir weitergeben, ist nicht starr. Es ist gestaltbar. Vielleicht mit Furchen, vielleicht mit Dellen, aber unbedingt mit freiem Willen.

Eure Mariann

PS. Wir freuen uns immer über euer Feedback auf Instagram oder Facebook. Dort findet ihr auch Rätsel zu den Autorinnen, Reels und Einblicke in das Leben eurer Lieblingspodcasterinnen.

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