Der Literaturpodcast „Autorinnen im Porträt“ rückt in jeder Episode eine Schriftstellerin in den Fokus. Dabei schauen wir auf das Leben der Autorin und auf ihr Werk. Wer wir sind? Mariann Gáborfi und Sarah Teicher aus Leipzig. Wir sind auch Redakteurinnen bei Booknerds.de und haben deshalb beschlossen, zu dem im März 2022 gegründeten Podcast eine begleitende Kolumne zu schreiben. (Alle Folgen der Kolumne im Überblick.)
Sie ist bekannt für ihren feministischen Essay „A Room of One’s Own“ („Ein Zimmer für sich allein“) aus dem Jahr 1929, in dem es darum geht, was schreibenden Frauen für Grundbedingungen für ihre Arbeit benötigen – nämlich ein eigenes Zimmer zum Schreiben sowie ein finanzielles Grundeinkommen. Genau, es geht um Virginia Woolf.
Literaturgeschichtlich wird besonders ihr experimenteller Roman „Mrs Dalloway“ gefeiert, Stichwort stream of consciousness (innerer Bewusstseinsstrom): Die Figuren werden psychologisiert und der Fokus liegt auf innerer Handlung. Zugegeben: Nicht für alle ein Lesevergnügen! Da muss man sich schon darauf einlassen (wollen).
Aber wer lacht über Virginia Woolf? Niemand. Zumindest macht es den Eindruck. Ein Fehlurteil, wie ich finde: Ziemlich schnell war ihr skurriler Humor genau das, was mich am meisten begeistert hat, als ich mich für den Podcast mit der Autorin und ihrem Werk beschäftigt habe.
„Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ ist der Titel eines Theaterstücks (Edward Albees, 1962) und vor einigen Monaten hätte meine Antwort gelautet: Ich. Zu komplex, schwer zugänglich und wo fängt man überhaupt an? Heute möchte ich euch diese Angst nehmen, denn: Es gibt wirklich unglaublich witzige Dinge über und von Virginia Woolf zu entdecken.
Hier meine Top 3 Humor-Überraschungen bei Virginia Woolf für euch:
- Biografie aus der Sicht eines Hundes
Mit „Flush. A Biography.“ erzählt Virginia Woolf „die Liebesgeschichte der berühmten Dichter Elizabeth Barrett und Robert Browning aus der Perspektive eines Hundes. Flush, Elisabeths treuer tierischer Gefährte, erlebt viele Abenteuer.“, so der Klappentext. Klingt das nicht niedlich? Ein guter Einstieg in das Werk der berühmten Autorin für alle Tierliebhaber*innen. - „Orlando: A Biography“: Vielleicht die erste Gender-Switch-Comedy der Welt?
Der Roman von 1928 „erzählt die Lebensgeschichte des englischen Adligen Orlando, der über mehrere Jahrhunderte hinweg lebt (!) und im Verlauf der Handlung sein Geschlecht wechselt. Die fiktive Biografie verbindet historische, literarische und satirische Elemente und gilt als experimenteller Beitrag zur Auseinandersetzung mit Geschlecht, Identität und Zeit.“, so wird das Buch auf Wikipedia kurz zusammengefasst. Lässt man den Schultenor hier weg bleibt das Urteil: Fabelhaft – hier beschäftigt sich jemand bereits in den 20er Jahren mit Genderroles und tut dies auf eine Weise, der es nie an Witz fehlt. Gibt es übrigens auch als Hörbuch und ja, es lohnt sich! Insgesamt zeigt der Titel ja bereits, dass das Buch nicht ganz ernst gemeint ist: Es ist eben keine Biografie und Virginia Woolf spielt auch im Roman durchgehend mit Wahrheit und Fiktion. - Der Dreadnought-Streich
Die wohl aberwitzigste (überlieferte) Anekdote aus dem Leben von Virginia Woolf ist der sogenannte Dreadnought-Streich, hört euch das mal an: „Der Dreadnought-Streich war eine von Horace de Vere Cole initiierte, scherzhafte Aktion über den Besuch des angeblichen Prinzen Makalen von Abessinien und seines Gefolges auf der HMS Dreadnought, dem damaligen Flaggschiff der britischen Home Fleet, im Februar 1910.“1 Diesen Prinz und auch sein Gefolge gab es natürlich nicht. Dahinter steckte die Freundesgruppe um Virginia Woolf: Sie verkleideten sich und hielten damit die britische Elite und Politik zum Narren – ist das nicht wahnsinnig komisch? Und natürlich mutig! Sie kamen mit diesem Scherz sogar so weit, dass eine Fotografie für die Presse von der falschen Delegation gemacht wurde und bis heute überliefert ist:

Na, konnte ich euch ein wenig überzeugen, doch mal ein Buch von Virginia Woolf in die Hand zu nehmen? Und ja, sie ist eine Autorin von Weltliteratur, die komplexe Romane und Essays verfasst hat. Dennoch gibt es so viele Passagen zum Laut-Auflachen oder trockenem Humor und überspitzte Formulierungen mit Augenzwinkern, die es einem leichter machen, sich der Lektüre anzunehmen. Es lohnt sich auf jeden Fall! In der Hoffnung, dass die Antwort auf „Wer lacht über Virginia Woolf?“ künftig von mehr Leser*innen mit „Ich!“ beantwortet werden kann, verabschiede ich mich für diesmal und sage: Bis zur nächsten Kolumne von Autorinnen im Porträt!
Übrigens könnt ihr die gesamte Podcastfolge, in der wir auch über meine Top 3 Humor-Überraschungen bei Virginia Woolf sprechen, hier nachhören:
Hier findet ihr die Folge auf Spotify.
Viele liebe Grüße in das gemütliche Lesewetter schickt euch
eure Sarah
P.S.: Autorinnen im Porträt findet ihr auch auf Instagram und Facebook. Wir freuen uns auf euch!
- https://de.wikipedia.org/wiki/Dreadnought-Streich [↩]









