Liebe Lesenden von booknerds,
wenn ich in die Vergangenheit blicke und dabei etwas weiter aushole, als nur 2025, fällt mir auf, dass die Jahresrückblicke meinerseits schon immer eine gewisse Vorahnung oder Vorwarnung waren, für Dinge, die dann eingetreten sind. Mein letzter Rückblick in die Vergangenheit auf dieser Seite war im Februar 2024 auf das Jahr 2023, somit habe ich den Rückblick auf 2024 im vergangenen Jahr gar nicht geschafft.
Schon damals formulierte ich wohl unbewusst Hilfeschreie ob der ständigen Belastung und Anspannung. Arbeit, Politik, Familie, Vereine, Freunde, Nachbarschaft, Weiterbildung – all das in 24 Stunden pro Tag nicht schaffbar – und dennoch: immer weitermachen, nicht aufgeben, ich schaffe das – vor allem: ich schaffe das alleine, ich brauche keine Hilfe, andere können das nicht oder nicht so gut. Da hat sich ein gewisser Überlebensmodus gepaart mit Egoismus oder gar Narzissmus eingepflanzt, der nur schwer veränderlich schien. Wie radikal dann Änderungen stattfinden können, wurde mir in der zweiten Jahreshälfte 2025 bewusst.
Als ich gegen Jahresende 2024 bemerkte, dass meine Belastungsgrenzen endgültig erreicht waren, brachte ich endlich den Mut auf, mir professionelle Hilfe zu suchen und auf die Bremse zu treten. Es sollte noch bis Juni 2025 dauern, bis mir eine sechswöchige Auszeit möglich war. Diagnose: Burnout – nein, keine Modeerscheinung, sondern mittels standardisiertem Diagnosekatalog eben diagnostizierbar. Nennen wir es im konkreten Fall gerne auch: funktionale Depression. Du funktionierst, kommst deinen Verpflichtungen nach, bist nach außen hin (meist noch) freundlich respektive angepasst, aber innerlich bist du leer – einfach nur leer. Kein Antrieb, keine Freude, keine Motivation, ständiges Gedankenkreisen, jede Kleinigkeit kann das Fass zum Überlaufen bringen. Genau in diesen Zeitraum fällt eine wichtige Kommunalwahl. Die Stadt liegt dir am Herzen, du willst etwas bewegen, niemand sein, der sich nur beschwert, aber sich nicht engagiert. Die Vorzeichen sind angespannt, es wird keine leichte Sache – viel persönlicher Einsatz unseres Teams, Belastungsgrenzen werden nochmals weiter verschoben. Erleichterung: Es ging gut aus. Müdigkeitslevel: mittlerweile unendlich.

Fast Forward in den Juni: Ich trete die Reha im idyllischen, stillen Waldviertel an. Der Name ist Programm: Hier ist nicht viel los. Am zweiten Tag feiere ich meinen Geburtstag, meine Freundin besucht mich mit unserem Sohn – aber dann geht der strukturierte Alltag los: Ergotherapie, Sport, Gesprächstherapie im Einzel- und Gruppensetting, diverse Vorträge zu diversen Themen – alles eingeteilt, dazu die Mahlzeiten, man wird Tischen und Gruppen zugeteilt, “lernt euch kennen, erzählt voneinander” – und tatsächlich passieren die wertvollsten Erlebnisse abseits der Therapien. Ähnliche oder ganz und gar andere Biografien, Erfahrungen, Eindrücke der Mitpatient*innen, querbeet, ob Geschlecht, Alter, Beruf oder Herkunft. Dazwischen immer wieder: Stille, Natur genießen, lesen, Klemmbausteine bauen, malen, Musik, Podcasts, Sport – Dinge, für die ich nie Zeit hatte – für die ich mir keine Zeit nahm. Viele Inputs auch aus der Einzeltherapie, die ich nach wie vor weiterführe. Nach den ersten vier Wochen spürte ich wieder Motivation, Lebensenergie und -freude kam zurück – und dann sollte es doch wieder anders kommen.
Mein Chaos aus der Vergangenheit holte mich ein. Chaos beschreibt zu einem gewissen Ausmaß auch meine Herangehensweise an Arbeiten. Da werden Deadlines bis zuletzt ausgenutzt, bis das Adrenalin einschießt, um die Aufgabe dann ratzfatz zu erledigen, mit vollem Fokus und Motivation. Bis dahin ließ ich Dinge oftmals schleifen oder liegen. Wie auch Projektabrechnungen eines Hilfsprojekts, wo ich mich 10 Jahre lang intensiv damit beschäftigte. Gelder wurden hier meinerseits unachtsam und nicht zweckmäßig verwendet – ein Umstand, welchen ich zutiefst bereue. Der Schaden wurde wieder gut gemacht, alles zurückgezahlt – Rücktritt aus allen Funktionen in der Partei, der Personalvertretung, in Vereinen. Jobverlust. Zum ersten Mal arbeitslos, mit knapp 40. Unzählige Medienberichte. Die Stimmen im Kopf wurden immer lauter – ich kann und will das nicht mehr. Der Wunsch und der Gedanke, einfach gehen zu wollen, war da. Mehr als einmal, mehr als leise.
Irgendwie geht es dann doch weiter, dank Familie und Freunden, guten Momenten, Gespräche und einen Plan für die Zukunft, der 2026 umgesetzt werden will. Doch genug von Melancholie und Negativität. Es gab auch einige Highlights im Nerd-Sektor, welche ich euch hiermit präsentieren will:
Die Bornholm-Krimis von Michael Kobr rund um Kommissar Lennart Ipsen sind wunderbare Unterhaltung mit dänischem Flair. “Nebel über Ronne” und “Schatten über Somarken” wurden von mir besprochen.
Eine ehemalige Schulkollegin von mir ist unter die Autorinnen gegangen und hat mit “Altweiberfrühling” eine wirklich witzige Idee umgesetzt.
Dan Brown veröffentlichte mit “The Secret of Secrets” einen neuen Roman rund um den Symboliker Robert Langdon und dieses Mal brauchte ich tatsächlich bis weit über die Hälfte, um richtig in die Geschichte reinkippen zu können.
Aus Seriensicht konnte ich endlich “Stranger Things” beginnen und beenden und bin nach wie vor von der stimmigen Umsetzung begeistert. Egal ob Musik, der Cast oder die Effekte – die Duffer Brothers haben hier wirklich Großes geschaffen. Von der letzten Staffel und deren Erklärungen bin ich hingegen leider nicht so begeistert.
Die zweite Staffel von “Wednesday” war ebenso unterhaltsam und gerade Steve Buscemi als Schuldirektor funktionierte wunderbar. “Nobody Wants This” ging auch in die Verlängerung. Die Story über einen jüdischen Rabbi, der sich in eine Podcasterin verliebt, ist herzhaft umgesetzt und man merkt Adam Brody und Kristen Bell die Freude am Spielen an.
“Andor” ist eine wirklich Wohltat im Bereich der “Star Wars”-Serien und zeigt eine komplett andere Sichtweise auf das beliebte Franchise. Stellen Skarsgard springt hier besonders heraus. Ebenso neue Folgen gab es von “Star Trek – Strange New Worlds”, die uns weiterhin auf den ersten Missionen der U.S.S. Enterprise mitnahm. Ende des Jahres ging es abermals zurück nach Pandora. James Cameron veröffentlichte den dritten Teil der “Avatar”-Reihe, namentlich “Fire & Ash”, der optisch bombastisch war, jedoch auf Seiten der Geschichte einiges schuldig blieb. Auch das Phänomen “K-Pop Demon Hunters” hielt im Haus Einzug. Die Songliste wird auch im Auto auf und ab gespielt.
“Clair Obscur: Expedition 33” ist ein wunderbares Videospiel mit realistischen Dialogen, unglaublicher Soundkulisse und einer fesselnden Geschichte. Die Anschaffung einer PlayStation 5 hat sich alleine deswegen gelohnt. Daneben standen “F1 25” und “Avatar – Frontiers of Pandora” ebenfalls sehr hoch im Kurs.
Ein riesiges Dankeschön ergeht an das gesamte Team, das euch beinahe täglich mit neuem Lesestoff versorgt. Ob nun Rezensionen, Kolumnen oder Gewinnspiele – ohne euch, wäre ein Projekt wie booknerds nicht möglich.
2025 war ein Jahr einzelner großer Umbrüche und blieb dennoch stets in Bewegung:
Redaktionelle Arbeit, kulturelle Beobachtung, Gaming-Sessions spät abends, Serienabende, Bücherstapel neben dem Bett und mittendrin Familie.
Wenn ich daraus etwas mitnehme, dann dies:
Nerdsein bedeutet für mich nicht Eskapismus — sondern Neugier.
Neugier auf Geschichten, Ideen, Technologien und Menschen.
Und genau diese Neugier nehme ich mit für 2026.
Lebt lange und in Frieden,
Dominic







