Amélie Nothomb – Die unmögliche Rückkehr (Erzählung)

Ungewohnt zart und zurückhaltend kommt dieses neuste Buch der belgischen Bestsellerautorin Amélie Nothomb daher. Seit zwölf Jahren war sie nicht mehr in ihrem Sehnsuchtsland Japan, das für sie eine so große biografische Bedeutung besitzt. Hier hat sie, die Diplomatentochter, ihre ersten Lebensjahre verbracht, japanisch mit der geliebten Kinderfrau gesprochen und glückliche Erinnerungen gesammelt. Hier hat sie als junge Erwachsene gearbeitet und geliebt und ist an der japanischen Realität gescheitert.

Gemeinsam mit ihrer Freundin, der Fotografin Pep Beni, kehrt das literarische Ich Amélie für eine mehrtägige Reise an diese Erinnerungsorte zurück. So nimmt die vorliegende Erzählung die Rolle eines Reisetagebuchs ein, wobei wir vor allem Amélie dabei beobachten, wie sie ihre begeisterte Freundin Pep dabei beobachtet, Japan zu erleben.

Pep erweist sich als grandioser Resonanzkörper: Sie vibriert
wie eine traditionelle japanische Trommel und wirft die Klangwellen tausendfach
verstärkt zurück. Ich sehe den Tempel durch die Lupe ihrer Gefühle.

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Diese Distanz ist Programm. Die Rückkehr Nothombs bleibt oberflächig. Hervorgerufene Erinnerungen ersetzen nicht das Erleben von damals. Und als habe sie das geahnt, geht die Autorin in eine Art Selbstschonungszustand. Die Konfrontation mit dem Vergangenen ist Schmerz über das unwiderbringlich Verlorene und soll vermieden werden.

Die Nostalgie ist meine unheilbare Krankheit. Ich habe mich
schon viel zu oft darin gesuhlt. Diesmal sollte ich ihr widerstehen. Ist es
nicht endlich an der Zeit, meine Besessenheit abzulegen und Japan neu zu
entdecken?

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Dabei geht fast unter, wie sich trotz allem neue Erinnerungsmomente manifestieren. Denn immer und immer wieder muss alles dem Vergleich von damals standhalten, wobei das Alte dem Neuen im Weg steht.

Nothomb rührt mit ihrer Erzählung an grundsätzliche Themen. Im Gewand dieser japanischen Reise teilt sie mit uns den universellen Schmerz des Älterwerdens. Das Leben ist eine Reise, bei der wir nie an die Orte zurückkehren können, die unsere früheren Stationen waren. Jede neue Phase geht mit dem Verlust des Gewesenen einher. Jedes Scheitern wird uns als nicht mehr reparabel bewusst. Erinnerungen sind kein Ersatz, selten sind sie ein wahrer Trost.

Diese Erzählung hat es mir nicht leicht gemacht. Zunächst fand ich kaum Zugang in das Gezeigte. Die Begeisterung Peps einerseits und die nüchterne Beobachtung Nothombs andererseits erschienen mir aufgesetzt. Die beschriebenen Eindrücke blieben mir zu stark in alltäglicher Nebensächlichkeit verhaftet. Vieles klang für mich sogar redundant. Es brauchte eine Weile, um zu verstehen, dass Nothomb sich Japan bewusst auf Distanz hält. Weil dies der einzige Weg ist, um der Konfrontation standzuhalten.

Wer eine der klassischen Erzählungen sucht, für die die belgische Autorin berühmt geworden ist, mit schrillem Plot, straffem Handlungsbogen, präzise geschliffenen Diologen und komplexen Charakteren, könnte enttäuscht sein. „Die unmögliche Rückkehr“ ist ein Buch für ausgesprochene Fans und Kenner:innen von Nothombs biografischen Texten. Ohne die persönlichen Bezüge zu kennen, auf die sie selbst mit kleinen Andeutungen verweist, könnte die Erzählung anschlusslos wirken. Wer sich auskennt im Nothomb-Universum erlebt hier eine überraschend nachdenkliche und sehr demütige Autorin.

  • Autorin: Amélie Nothomb
  • Titel: Die unmögliche Rückkehr
  • Originaltitel: L’impossible retour
  • Übersetzer: Brigitte Große
  • Verlag: Diogenes
  • Erschienen: Mai 2026
  • Einband: Gebundene Ausgabe
  • Seiten: 144 Seiten
  • ISBN: 978-3257073805

Wertung: 12/15 dpt

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