Tom Sacher – Der Fotograf der Kaiserin – Funke einer neuen Zeit (Buch)

Tödliche Unfälle, Kampf um neue Energien und der König von Hawaii gastiert

Es ist der 8. Dezember des Jahres 1881. Der Schriftsteller Ludwig Ganghofer weilt in Wien, wo er an seinem neuen Heimatroman arbeitet. Plötzlich bemerkt er einen rauchigen Gestank und eilt zum Ringtheater, welches bereits in Flammen steht. Es kommt zu einer der größten Brandkatastrophen des Jahrhunderts, rund vierhundert Menschen sterben. Kathinka, die Geliebte Ganghofers, sollte bei einer Oper auftreten, doch er findet in dem brennenden Gebäude nur ihre Freundin Lolo, die Zweitbesetzung, die in Wirklichkeit eine böhmische Baronesse ist. Ganghofer kann Lolo retten, doch schwere Verbrennungen im Gesicht beenden deren Bühnenlaufbahn.

Februar 1883. Im Deutschen Theater zu Brünn probt eine hawaiianische Tanzgruppe einen Hula, wobei sich Liesel, die Kammerdienerin von Kaiserin Sisi, unter die Tanzenden begibt. Das Theater bietet ein Novum, denn es verfügt über elektrisches Licht, dessen Stromkreise eigene Sicherungsschalter haben. Ein Glück, denn bei einem Zwischenfall erhält Liesel einen Stromschlag. Noch am gleichen Abend findet Liesel im Turbinenraum des Theaters die Leiche der jungen Noelani, einer Tänzerin aus Hawaii, die zum Gefolge der Prinzessin Lili‘uokalani gehört. Hängen die Vorfälle miteinander zusammen und wenn ja, wer ist das eigentliche Ziel der Anschläge?

„Der Ganghofer kennt sich nur mit Jagdgewehren aus, aber nicht mit Zündnadelgewehren, wie sie im Krieg verwendet werden. Der Ganghofer ist ein Fantast und ein Trivialliterat.“

Sisi schickt Liesel und ihren Hoffotografen Viktor Angerer nach Prag, wo sie Lolo einen Brief übergeben sollen. Außerdem gilt es die Hintergründe der Anschläge zu ermitteln und den riesigen Zirkuselefanten Jumbo nach Wien zu überführen, wo in Kürze der Hofball stattfinden soll. In Prag lernen Liesel und Angerer nicht nur die neue Energiequelle kennen, sondern erfahren auch, dass es einen erbitterten Kampf zwischen den Anhängern der neuen Elektrizität und der alten Gasbeleuchtung gibt. Es geht, nicht nur, ums Geld.

Zweiter Fall für Liesel und Meister Angerer

Tom Sacher alias Michael Seitz glänzt erneut mit seinem Wissen über die Kaiserzeit der 1880er Jahre im Allgemeinen und Kaiserin Sisi im Besonderen. Wie schon beim Start der Serie „Der Fotograf der Kaiserin“ zeigt sich, dass Sisi ihre bösen Seiten hat. Ohrfeigen für die Dienerschaft, wie beispielsweise für die oftmals vorlaute Liesel, inbegriffen. Liesel, eine ehemalige Kuhhirtin und seit kurzer Zeit im Dienst der allerhöchsten Kaiserin, ist nicht nur frech, sondern mitunter auch schlau und erkennt oftmals Hintergründe schneller als so mancher Mann. Und das als Frau, wie manche, dem damaligen Zeitgeist folgend, wiederholt anmerken. Der titelgebende „Fotograf der Kaiserin“ Viktor Angerer (eine reale Person) darf zwar ebenfalls als Protagonist bezeichnet werden, doch „Star“ der Serie ist Liesel (eine fiktive Person), die sich erneut der sittenstrengen Gräfin von Tolna, ihrerseits Lieblingshofdame der Kaiserin, und deren boshaften Umtrieben ausgesetzt sieht. Da kommt die Reise nach Prag an der Seite Angerers gelegen, wenngleich beide nicht ahnen, dass Sisi hier – mal wieder – ihre ganz eigenen Ziele verfolgt.

Liesel reichte der Kaiserin eine silberne Schüssel. Diese nahm ihr Gebiss aus dem klaren Wasser und steckte es sich in den Mund.

Der Krimiplot ist ebenso ansprechend wie die historischen Begebenheiten interessant sind. Wie der Untertitel schon andeutet, geht es um die neue Elektrizität und deren Konkurrenz zum herkömmlichen Gas. So manch ein Akteur setzt weiterhin auf Gas, denn dadurch steigen die Preise für Kohle, wodurch wiederum zahlreiche Steinbrüche teuer verkauft werden könnten. Einen Ausflug an die Prager Börse sowie einen Blick auf das Funktionieren der Aktienmärkte erhält man obendrein. Das Thema Energie selbst ist – damals wie heute – aus unterschiedlichen Gründen topaktuell, so dass der Roman facettenreich mehrere Motive enthält.

Wie schon beim ersten Fall ist die Sprache womöglich für manche Leser etwas anstrengend, denn inflationär oft werden bestimmte Formulierungen verwendet. „Meine liebe Liesel“, „Lieselliesel“, „Meister Angerer“, „allerhöchste Kaiserin“, um nur einige Beispiele zu nennen. Dazu noch die nervige Aussprache Angerers, wenn er denkt, dass er denkt, was er denkt. Beim ersten Mal lustig, danach zunehmend ermüdend zu lesen. Im Ergebnis bleibt gleichwohl festzuhalten, dass aufgrund des vielschichtigen und bildgewaltigen Inhalts, nicht nur Sisi-Fans zugreifen sollten.   

  • Autor: Tom Sacher
  • Titel: Der Fotograf der Kaiserin – Funke einer neuen Zeit
  • Verlag: Gmeiner
  • Umfang: 320 Seiten
  • Einband: Taschenbuch
  • Erschienen: Juni 2026
  • ISBN: 978-3-8392-8100-0
  • Produktseite

Wertung: 11/15 dpt

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