Frohe Ostern keineswegs

Die siebzigjährige Eleonora Blasi kümmert sich um die heimatlosen Katzen auf dem Protestantischen Friedhof von Rom, wo sie wenige Tage vor dem Osterfest am Abend einen Streit zwischen zwei Männern mitbekommt. Am nächsten Tag erfährt sie, dass Minister Bruno Scarpa brutal ermordet wurde. Sie will sich bei der Polizei melden, doch ihre beste Freundin rät ihr dringend ab, denn was wären die Konsequenzen, wenn dahinter die Mafia stecken würde? Eleonora meldet sich nicht, eine folgenschwere Entscheidung.
Commissario Enzo Leone hatte sich auf ruhige Ostertage gefreut, zumal das halbe Team bereits im Urlaub weilt. Doch die Nachricht vom Tod des Ministers sorgt für deren Rückkehr, das mediale Interesse ist hoch. Während die junge, zudem schwangere Frau des Ministers verständlicherweise sehr mitgenommen wirkt, gerät der Immobilienspekulant Walter Tamietti an die Spitze der Verdächtigen. In einem unverbaubaren Naturschutzgebiet am Stadtrand erwarb er ein großes Areal, auf welchem unter Betreiben von Scarpa ein riesiger Vergnügungspark entstehen sollte. Ein dickes Millionengeschäft, aber Scarpa machte einen Rückzieher und Tamietti einen hohen Verlust. Ein weiterer Mord geschieht, Tamietti ist unauffindbar und die „Gattara“, die Katzenfrau, rückt in das Blickfeld der Ermittler, da sie offenbar etwas verschweigt.
Dritter Fall für Enzo Leone
Patrizia Zannini legt mit dem vorlegenden Roman den dritten Band der Enzo-Leone-Serie vor, die in der Gegenwart in Rom spielt. Dieser Hinweis ist insoweit relevant, da der Plot in klassischem Stil erzählt wird. Er wirkt ein wenig altbacken, was keineswegs als Kritik zu verstehen sein soll, sondern als Hinweis, was einen in etwa erwartet. Ein brutaler Mord geschieht, Verdächtige schweigen oder verschweigen zumindest einen wichtigen Teil ihres Wissens, weitere Zeugen werden befragt, es geht kaum voran. Wenig später ein zweiter Mord, der Prozess beginnt von vorne.
„Er ist kein offizieller Verdächtiger.“
„Aber wir könnten ihn zur Person von Interesse erklären. Und wenn er untergetaucht ist, haben wir einen weiteren Grund ihn zu suchen. Falls nötig, ziehen wir auch Interpol hinzu.“
„Folge den Brotkrumen.“
Atmosphärisch ist dies ebenso ruhig wie wohltuend erzählt. Fans von Cosycrime respektive Landhauskrimis sind hier richtig. So brutal die Verbrechen sein mögen, es muss ja nicht bis ins letzte Detail erläutert werden. Es gibt eine Reihe Verdächtiger und zudem auf Polizeiseite ein sympathisches Ermittlerensemble. Auf den knapp 240 Seiten bleibt eigentlich nicht viel Platz für Privates, dennoch kommt man zumindest Leone durchaus nahe. Er lebt zusammen mit seiner zehn Jahre jüngeren Freundin Rosa, bekannt aus einem früheren Fall, in Nettuno direkt am Meer und bald soll endlich geheiratet werden. Fehlen nur noch auf Wunsch von Leones Mutter tausend selbstgefaltete Papierkraniche, die Glück bringen sollen. Klar, hier muss das gesamte Team ran, sonst wird das nichts und ein bisschen Ruhe zwischen den grausigen Verbrechen muss sein. Gänzlich überflüssig hingegen, aber immer wieder gern in Krimis gesehen (Achtung: Leichte Spuren von Ironie könnten enthalten sein), sind Kochrezepte. Drei davon gibt es im Anhang, davon eines zur „Katzensuppe“, selbstredend ohne Verwendung der namensgebenden Tiere.
„Commissario Leone und die Toten von Rom“ ist ein kurzer wie kurzweiliger Krimi, in dem der Protestantische Friedhof von Rom, der Cimitero degli Acattolici, ein heimlicher Star ist. Immerhin finden sich dort die Gräber zahlreicher Prominenter und bekannter Personen wie beispielsweise John Keats, Percy B. Shelley und Antonio Gramsci sowie Goethes Sohn August.
- Autorin: Patrizia Zannini
- Titel: Commissario Leone und die Toten von Rom
- Verlag: Piper
- Umfang: 244 Seiten
- Einband: Taschenbuch
- Erschienen: Februar 2026
- ISBN: 978-3-492-50929-9
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Wertung: 10/15 dpt







