Armin Öhri – Die Tote von Lichtenberg (Buch)

Für Fans von Locked Room Mystery

Die Tote von Lichtenberg
© Gmeiner

Während der preußischen Ostasienexpedition zwischen 1859 und 1862 macht das Geschwader unter Leitung von Henrik Ludwig Sundervall auch Station in Patagonien, wo es bei einem Landgang zu einem tödlichen Zwischenfall kommt. Hierbei kann ein preußischer Bootsmann dem Häuptling der Yámana einen wertvollen Edelstein, einen Onyx, entreißen, der dem Hochgott Vatauineva geweiht ist. Sundervall lässt den Edelstein, der weitere Todesopfer fordert, in der Heimat versteigern und so gelingt dieser in den Besitz von Markgraf Adalbert von Quednau. Auf dessen Herrensitz in Dahlwitz soll dieser in einer Ausstellung gezeigt werden; gemeinsam mit einer wertvollen Grimoire-Sammlung, alten Zauberbüchern, darunter „Der Rote Drache“, auch bekannt als „Das Buch der Toten“.

Staatsanwalt Theodor Görne möchte seinem Freund Markgraf Quednau einen Gefallen tun und schickt die Polizeiaspiranten Julius Bentheim und Albrecht Krosick aus dem Stadtpalais Grumbkow, dem Sitz des Polizeipräsidiums in Berlin, nach Dahlwitz, um dort die Sicherheitsvorkehrungen zu testen. In einem Eckzimmer des Turms des Herrensitzes sollen die Bücher und der Onyx gezeigt werden. Zwei Männer einer privaten Wachfirma sind in dem Raum anwesend, der von Außenmauern umgeben ist und somit keinen Geheimausgang haben kann. Neben der Tür gibt es nur ein höhergelegenes Fenster, welches von innen abgeschlossen wird.

„Das volle Dutzend, aber zum Glück kommt nur die Hälfte als Täter infrage. Den Damen ist so etwas nicht zuzutrauen, der edle Hausherr ist ebenfalls auszuschließen.“

„Auch der Mönch. Er würde sich niemals gegen Gott versündigen.“

Eine Gesellschaft von zwölf Personen sitzt beisammen beim Essen als es zu Geräuschen aus dem verschlossenen Eckzimmer kommt. Beide Wachmänner liegen verletzt am Boden, Seiten eines Grimoires fehlen und nach Angaben des Ausstellungsleiters wurde der Onyx durch ein Duplikat ersetzt. Aber wie soll jemand in diesen Raum hinein- und wieder herausgekommen sein? Ein Ding der Unmöglichkeit. Bentheim und Krosick ermitteln unter Leitung des aus Berlin hinzugezogenen Inspektors Pinkus Döring. Schnell fällt der Verdacht auf eine vor dem herrschaftlichen Anwesen kampierende Gruppe des fahrenden Volkes, die in der Öffentlichkeit schon immer verhasst waren. Doch es kommt ärger, denn bald sehen sich die beiden Freunde mit der Schwarzen Kunst konfrontiert. Esoterik, Okkultismus, Zauberbücher treffen auf schlichten Hokuspokus. Und auf die titelgebende Tote.

Fünfter Fall der Bentheim-und-Krosick-Reihe

Armin Öhri schreibt in seinem lesenswerten Nachwort, dass ein Verbrechen in einem verschlossenen Raum zur „Königsklasse eines Kriminalromans“ gehört und daher nahezu jeder Autor den Wunsch hat, ein diesbezügliches Meisterwerk zu scheiben. Dabei verweist er auf die berühmten, klassischen Vorbilder „Das Geheimnis des gelben Zimmers“ von Gaston Leroux (1907) und „Der verschlossene Raum“ von John Dickson Carr (1935). Fans dieses Subgenres „Locked Room Mystery“ werden mit Vorfreude zugreifen, über die Auflösung soll selbstredend geschwiegen werden, weswegen eine diesbezügliche Wertung entfällt.

Obwohl ihm diese krude Mischung aus Esoterik, zoroastrischer Mythologie und christlichem Aberglauben irritierte, erwartete er doch jeden Moment, dass die Tote die Augen aufschlüge.

Die Romane um den verwitweten Julius Bentheim, der seinen Sohn nur selten zu sehen bekommt, und dessen Freund Albrecht Krosick gehen in die fünfte Runde. Wir schreiben inzwischen das Jahr 1869 und so langsam sollten die Polizeiaspiranten mal zu „echten“ Polizisten werden. Kleiner Spoiler: Der Roman endet damit, dass Bentheim seine diesbezügliche mündliche Prüfung ablegen soll. Die Handlung orientiert sich an den beiden Protagonisten, über deren Privatleben man so gut wie nichts erfährt. Eine wohltuende Abwechslung heutzutage. Dafür glänzt der Autor mit gekonnt düsterer Atmosphäre. Dazu wird Berlin, einmal mehr wichtiger Bestandteil der Hintergrundkulisse, vielseitig vorgestellt.

Insgesamt bietet „Die Tote von Lichtenberg“ einen guten Mix aus einem Kriminalroman (zum begrenzten Mitraten geeignet), historischen Begebenheiten und der erwähnten Schwarzen Kunst. Abschließend der Hinweis, dass die fünf Bücher dieser Reihe unabhängig voneinander lesbar sind.

  • Autor: Armin Öhri
  • Titel: Die Tote von Lichtenberg
  • Verlag: Gmeiner
  • Umfang: 256 Seiten
  • Einband: Taschenbuch
  • Erschienen: August 2026
  • ISBN:   978-3-8392-8130-7
  • Produktseite

Wertung: 11/15 dpt

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