Mark Z. Danielewski – The Fifty Year Sword (Buch, Englisch)

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„Late one evening at a party at an East Texas ranch house, five orphans gather to hear a story about a quest for a terrible weapon. Before them lies a long black box with five latches. As the owner of the box settles into a curious tale of revenge, the children grow more and more captivated, even as we grow more and more afraid that a new crime may await them all, especially as clocks in Upshur County approach midnight.“ – ihr ahnt es anhand des englischen Klappentextes bereits: Es handelt sich hier um eines von Mark Z. Danielewskis Werken, die bislang nicht ins Deutsche übersetzt wurden.

Ursprünglich erschien dieses Werk des US-amerikanischen Literaturexperimentalisten 2006 in den Niederlanden, in einer handsignierten 1000er-Auflage, die heute zu horrenden Preisen gehandelt wird, beginnend mit höheren dreistelligen Beträgen. Da der Hunger der Fans solcher Meilensteine wie „House Of Leaves“ (bei uns „Das Haus“) und „Only Revolutions“ groß war, auch dieses Kunstwerk ihr Eigen nennen zu können, erscheint Ende 2012 nun endlich eine offizielle US-Version von „The Fifty Year Sword“ – sogar eine edle limitierte Auflage in einer Box mit fünf Metalllaschen kommt auf den Markt. Auch hat es sich Danielewski nicht nehmen lassen, ein eBook der besonderen Art auf den Markt zu bringen.

Dieses Mal entführt uns der Schriftsteller in einer gruselig-geisterhaften Horrorstory nach Upshur County im Osten Texas‘, wo fünf Waisen, in deren Mitte eine Kiste mit fünf Schnappriegeln steht, an einem Oktoberabend eine verstrickte Geschichte über eine grauenvolle Waffe und ein Märchen über Rache erzählt bekommen. Sie sind völlig gebannt von der Erzählung, doch sie ahnen kaum, dass Mitternacht naht und eine grauenvolle Straftat geschehen wird. So lassen die fünf Hauptfiguren Tarff, Ezade, Iniedia, Sithiss und Micit sowie diverse andere Charaktere in bildhafter Form, ineinander übergreifend und verzahnt die Story verlaufen.

Das Layout ist wieder einmal sonderbar, wobei Danielewski mit Anführungszeichen arbeitet, die in fünf verschiedenen Farben gedruckt wurden – eine pro Waise. Und dort, wo man keine vorfände, erhöben laut Vorwort andere Figuren das Wort, manchmal gar der Leser oder der Autor. Ebenso solle man mit dem Schlimmsten rechnen. Auch ist der Text lediglich auf den linken, geraden Seiten gedruckt, während die rechten Seiten mit begleitenden Bildern, welche meist Drucke aufwändiger Näharbeiten (!) oder aber auch mit absoluter Leere versehen wurden. Keine Zeile beginnt an der gleichen Position, ständig rückt der Text hin und her, und keines der farbigen Anführungszeichen ist ein schließendes.

Entsprechend offen lässt es der Autor dem Leser, wie er mit diesem sonderbaren Druckwerk, den Eigenarten und den zahlreichen kryptischen Wortspielen und Metaphern umgehen soll, doch wie gewohnt gewinnt die Faszination an der Schreib- und Gestaltungskunst Danielewskis gegen den aufkeimenden Vorwurf prätentiösen Andersseins. Da es sich bei vorliegendem Exemplar um eine Druckfahne in schwarzweiß handelt, kann der Verfasser dieser Zeilen nicht viel über den endgültigen optischen Eindruck berichten, doch man kann sich sicher sein, dass auch hier wieder viel Liebe ins Detail gesteckt wurde. Somit sollte den Danielewski-Fan, zumindest den englisch-affinen, nichts davon abhalten, sich auch diese Veröffentlichung in sein Bücherregal zu stellen. Nun darf man nur noch gespannt darauf sein, wie „The Fifty Year Sword“ ins Deutsche übersetzt werden wird, aber wenn man bedenkt, dass die als nicht übersetzbar geltenden Werke „Das Haus“ und „Only Revolutions“ mittlerweile auch in Deutsch erhältlich sind und deren Sinn des Inhalts bei der Sprachtransformation praktisch nicht verloren gegangen ist, ist es nur eine Frage der Zeit, bis dieses Kuriosum ebenfalls in die Hände eines fähigen Übersetzers gelangt. Wer allerdings nicht warten kann und erst einmal das Original auskosten möchte, legt die verhältnismäßig schlanken 15,95 Euro keinesfalls falsch an.

Der Experimentalliteraturliebhaber wird sich einen Knoten in den Leib freuen, dass es dieses einst rare Buch nun auch zu einem dem schlanken Geldbeutel wohlgesonnenen Preis zu erwerben gibt. Was der individuelle Leser letztendlich allerdings aus Danielewskis Stories zieht, wird unterschiedlicher kaum sein, von daher ist auch bei diesem Buch nicht mal ansatzweise eine objektive Bewertung möglich. Wobei „objektive Bewertung“ an sich ja schon ein Paradoxon ist und bereits eine Punktzahl oder auch nur ein einziges wertendes Adjektiv die Objektivität ad absurdum führt.

(Bilder aus der Bildergalerie rechts unten: Vielen Dank an Pantheon Books, New York, USA)

 

Wertung: 13/15 dpt

 

Cover © Pantheon Books NY

 

 


Über den Autor

Chris Popp


Chris‘ Nerd-Schreibtisch

1974 in Mannheim geboren, in Heidelberg aufgewachsen, lebt nach 16 Jahren in der nordhessischen Provinz vor Kassel seit 2017 in Berlin. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Booknerd, Hörbuchnerd, Computernerd, Filmnerd, Seriennerd, Kaffeenerd, Foodnerd, Königsbergerklopsenerd. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.
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von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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