Andreas Eschbach – Eine Billion Dollar (Hörspiel, gelesen von Hans-Peter Hallwachs, Andreas Pietschmann u. a.)

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Andreas Eschbach - Eine Billion Dollar (Hörspiel)Bis Dato war der New Yorker John Salvatore Fontanelli ein gewöhnlicher Pizzabote, der finanziell ein bestenfalls bescheidenes Leben zu führen vermochte. Als er eines Tages im Jahr 1995 von der Anwaltsfamilie Vacchi kontaktiert und ins Waldorf-Astoria-Hotel eingeladen wird, wundert er sich sehr, denn er soll erben. Er gerät ins Schlucken, als der erste Anwalt ihm mitteilt, es handele sich um achzigtausend Dollar. Kurz darauf lässt ihn Anwalt numero zwei wissen, dass sich das Erbe auf vier Millionen Dollar beliefe – der dritte im Bunde spricht gar von zwei Milliarden. John bleibt die Spucke weg, und als ihm der vierte Anwalt eröffnet, dass ihm eine ganze Billion Dollar zuteil wird, versteht er die Welt nicht mehr.

Ihm wird erklärt: Vor einem halben Jahrtausend vertraute einer von Fontanellis Ahnen den Vacchis dreihundert Florin an. Dies wären heute rund zehntausend Dollar, würde man es umrechnen. Wie bei angelegtem Bankguthaben schon damals üblich, ließen Zins und Zinseszins das Kapital stetig wachsen, und nach gut fünfzig Dekaden hat sich diese astronomische Summe von tausend Milliarden Dollar angehäuft. Somit verfügt John mit einem Schlag über mehr Geld als die zweihundert reichsten Menschen des Erdballs insgesamt, und selbst wenn er sich noch so bemühen würde, wüsste er nicht, wofür er den ganzen Zaster ausgeben sollte, denn allein während eines Atemzugs schwillt sein Bankkonto um einen weiteren Betrag an, mit welchem man zwei bis drei Durchschnittsfamilien problemlos ernähren könnte.

Dennoch tut sich John mit dem Geld erst einmal alles erdenklich Gute, doch bald nagt sein Gewissen an ihm, denn sein Multipler Urahn hatte bei der Geldanlage eine unglaubliche Vision. Schon vor fünfhundert Jahren befürchtete sein Vorfahr nämlich, dass die Menschheit bald zugrunde ginge, und mit der angesparten Summe sollte der glückliche Erbe die Menschheit post millennium vor dem Abgrund bewahren. Also nimmt John seinen Auftrag wahr.

Er fühlt sich dieser Aufgabe allerdings keinesfalls gewachsen, und so nimmt er dankend die Hilfe des zwielichtigen Superhirns und Beraters McCaine an, um die Fonanelli Enterprises zu gründen und so ökologische und soziale Missstände zu eliminieren. Fortan werden die verschiedensten Projekte gestartet, mit denen systematisch versucht wird, gierige Konzerne zu entmachten, und so unterwandert die Fonanelli Enterprises letztendlich nicht nur Konzerne wie Exxon, sondern hebelt auch ganze Währungs- und Volkswirtschaftssysteme aus. Doch bald muss er umdenken und sich bezüglich der Zukunft der Menschheit mehr Wissen aneignen, um zu eruieren, was als nächstes zu geschehen hat, und Streitigkeiten sowie fatale Wendungen sorgen dafür, dass die Dinge nicht so laufen wie ursprünglich geplant…

Autor Andreas Eschbach zeigt mit „Eine Billion Dollar“, dass er auch jenseits der Science-Fiction eine gute literarische Figur abgibt. Mit dieser Story stellt er das Verlangen nach Einfluss und Macht sowie die unersättliche Gier der Menschheit gnadenlos bloß und spinnt dabei komplexe Fäden, ohne dass man als „Zuschauer“ den Anschluss verliert. Es gab sicherlich Romane aus seiner Feder, die das Gegenteil beweisen, doch es lässt sich wohl kaum abstreiten, dass eine seiner hervorstechendsten Fähigkeiten die ist, aus einer thematischen Winzigkeit ein verworrenes aber dennoch mit zunehmender Lese-/Hördauer durchsichtigeres Epos zu stricken.

Die Zweifel waren Anfang des Jahrtausends groß, ob man einen fast neunhundertseitigen Wälzer ohne weiteres auf ein rund vierstündiges Hörspiel herunterdampfen kann, doch der Erfolg spricht offensichtlich dafür, dass das Vorhaben als gelungen angesehen werden darf. Nach dem Hören der letzten Zeile wird auch deutlich, warum: Die wichtigsten Elemente wurden allesamt ins Hörspiel übertragen, die Dialoge und Erzählungen wurden virtuos inszeniert, die einzelnen Sprecher (Andreas Pietschmann, Felix von Manteuffel, Ingo Hülsmann, Hans-Peter Hallwachs, Maria Schrader und viele mehr) wachsen beinahe über sich hinaus, und das hohe Tempo sorgt dafür, dass man sich gern dazu genötigt fühlt, am Ball zu bleiben und weiter zu hören.

Somit erlebt der audiophile Literaturfan ein fast perfektes Hörspiel. Fast, denn ein wenig Kritik lässt sich am Drumherum üben. So hätte die musikalische Untermalung durchaus noch etwas mehr Kreativität und Dramatik vertragen können, und auch bezüglich der Soundeffekte hätte etwas mehr Originalität gut getan – es fällt beispielsweise auf, dass das häufig eingesetzte Sound-Sample, welches aus dem Gewirr verschiedenster internationaler Nachrichtensprecher besteht, durchgehend das selbe ist. Wäre es wirklich viel Arbeit gewesen, hier ein paar unterschiedliche Sequenzen aufzunehmen?

Letztendlich ist der Kern des Hörspiels, nämlich die Story und die Sprecher derselben, allerdings ungleich relevanter, sodass man diese Kritikpunkte eher unter „Klangkosmetik“ kategorisieren darf. Sie sind eben vorhanden, fallen auf, entscheiden allerdings nicht gravierend über die Gesamtqualität.

Cover © Lübbe Audio

  • Autor: Andreas Eschbach
  • Titel: Eine Billion Dollar
  • Verlag: Bastei Lübbe Stars/Lübbe Audio
  • Erschienen: 2008
  • Sprecher:
    Andreas Pietschmann
    Felix von Manteuffel
    Hansi Jochmann
    Hans-Peter Hallwachs
    Horst Sachtleben
    Sebastian Blomberg
    Maria Schrader
    …und viele andere
  • Spielzeit: 243 Minuten auf 4 CDs
  • ISBN: 978-3-404-77318-3
  • Sonstige Informationen: Ein Hörspiel des SWR

Wertung: 11/15 dpt


Über den Autor

Chris Popp


Chris‘ Nerd-Schreibtisch

1974 in Mannheim geboren, in Heidelberg aufgewachsen, lebt nach 16 Jahren in der nordhessischen Provinz vor Kassel seit 2017 in Berlin. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Booknerd, Hörbuchnerd, Computernerd, Filmnerd, Seriennerd, Kaffeenerd, Foodnerd, Königsbergerklopsenerd. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.
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2 Kommentare

  1. Avatar

    Ich fand es etwas zu eintönig, etwas zu rasant erzählt. Des weiteren wurde zu viel relevantes (gegenüber dem Buch) weggelassen. Ich wurde nicht so recht warm mit diesem Hörspiel, wobei ich mir von den SWR-Produktionen generell (zu) viel erhoffe.

    • Chris Popp

      Na ja, sowohl bei Hörspielen als auch bei Filmen ist es ohnehin nicht einfach, alles Relevante unterzubringen… ich kann mir bspw. nicht vorstellen, dass man sein Buch „Herr aller Dinge“ adäquat verfilmen könnte.

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von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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