Kate Daubney – Das Monster-Bastel-Buch (Buch)

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Kate Daubney - Das Monsterbastelbuch Cover klein © Loewe Verlag Ein echter Hingucker ist „Das Monster-Bastel-Buch“ der britischen Kinderbuchillustratorin und -autorin Kate Daubney, denn selten bekommt man Bastelbücher in die Hände, die gleichzeitig derart liebevoll, niedlich, cool und schräg zugleich sind. Die insgesamt sechs Monster, welche in der deutschen Version auf solche Namen wie Friedbert, Kelly, Xerxes oder Hektor hören, sehen herrlich albern aus und sprechen auch das kindliche Gemüt des Erwachsenen ohne Umwege an.

Neben perforierten Bastelbögen aus stabilem, visitenkartenstarkem Hochglanzkarton und dazugehörigen, sehr detailliert illustrierten Bastelanleitungen finden sich in diesem Buch der Größe DIN A4 eine schöne Einleitung, lustige und originelle Steckbriefe zu jedem einzelnen Monster, ein Blankosteckbrief, den der Monsterbastler ausfüllen darf sowie ein paar Spielvorschläge für die Zeit nach dem Basteln.

Als positiv erweist sich, dass die Farbflächen der vorgefalzten Einzelteile oftmals rund fünf Millimeter über die Perforationen hinaus gehen und auf der Innenseite allesamt mit Buchstaben zur Identifikation versehen sind, doch leider sind die Konturstriche nicht immer präzise gestanzt, was gerade bei detailreicheren Bauteilen wie Füßen und Händen einen unschönen Eindruck macht. Auch ist die Perforation recht grob, sodass die Verbindungsstellen durch die Kartonstärke sehr auffällig sind, und gerade bei den verwinkelteren und kleineren Bauteilen kann es durchaus passieren, dass die Farbschicht des Kartons darunter leidet oder der Karton gar einreißt. Selbst für den erwachsenen Bastler mit ausgeprägter Feinmotorik ist es eine Herausforderung, alle Teile unfallfrei aus den Bögen zu trennen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Bögen selbst nicht perforiert sind, sodass man sie, wenn man die Bastelbögen auf mehrere Kinder verteilen möchte, jede einzelne Seite erst vorsichtig aus dem Buch schneiden muss.

Hat man die Bastelteile dann erst einmal vollständig und zusammenbaubereit vorliegen, steht man vor der nächsten Hürde. Obwohl die Anleitungen auf den ersten Blick nachvollziehbar erscheinen, machen sich hier einige Probleme bemerkbar: Zum einen fehlen die Erkennungsbuchstaben in den Illustrationen, was gerade bei Rumpfteilen wie etwa bei der Raupe Friedbert für Komplikationen sorgen kann, und zum anderen sind die Sätze oftmals viel zu lang, sodass gerade die jüngeren Kinder hinsichtlich des Verständnisses früh an ihre Grenzen geraten. Es darf bezweifelt werden, dass ein durchschnittlicher Erst- oder Zweitklässler einen Bastelschritt wie »Nimm Teil A und beginne am spitzen Ende. Falte die Seiten so, dass sie die Schwanzspitze bilden, und stecke die kleine Lasche in den dazugehörigen Schlitz – die große Lasche muss dabei nach innen zeigen.« begreifen wird (Raupe Friedbert, Schritt 1 von 11).

Auch die physische Umsetzung der gelegentlich unglücklich formulierten Schritte entpuppt sich als stellenweise schwierig – speziell die Einhängelaschen, wie sie bei den kleinen Raupenfüßen zu finden sind, bedürfen einiger Fummelarbeit, die selbst für Kids mit ihren kleineren Fingerchen zur Herausforderung wird. Sind die skurrilen Viecher dann erst einmal zusammengebaut, stellt sich zusätzlich noch einmal die Frage, wie es sich mit der Stabilität verhält. Während der muskelbepackte, lilahaarig-gelbgetupfte Alfie recht robust und standsicher bleibt, drohen dem armen Friedbert die kleinen Füßchen immer wieder aus den Halteschlitzen zu fallen – und damit dies nicht passiert, muss dann leider doch ein Schnipselchen Klebeband eingesetzt werden. Manchmal muss sogar mit der Schere nachbearbeitet werden, so waren zum Beispiel die Einstecklaschen für die Ärmchen des kugelrunden Hektor zu groß für die kleinen Schlitze, in die sie eingesteckt gehören.

Nun prangt auf dem Cover der Hinweis »Selbermachen – ohne Schere und Kleber!«, und obendrein empfiehlt der Verlag dieses Buch für Kids ab fünf Jahren, doch in der Praxis müsste dieser Hinweis um »…aber nicht ohne Hilfe eines Älteren!« erweitert werden. Denn letztendlich wird es wohl kaum ein fünfjähriges Kind oder einen Schulanfänger geben, der diese witzigen Gestalten ohne Hilfe zusammenzubauen in der Lage ist – und selbst über dieses Alter hinaus wird sich so manches Kind bei der munteren Bastelei die (Milch-)Zähne ausbeißen.

Idee und Aufmachung des Bastelbuches sind über alle Zweifel erhaben und würden den Rezensenten ohne weiteres zur Vergabe von fünfzehn Dioptrien verleiten, doch die Schwierigkeiten bei der praktischen Umsetzung sorgen für deutliche Abzüge in der B-Note und ein wenig Frustfaktor. Doch wenn man Geduld und etwas Vorwissen ob dieser Hürden aufbringt, hält sich der Frust in Grenzen und macht dem Spaß großzügig Platz.

Alle abgebildeten und abfotografierten Figuren und Buchseiten sowie Cover © Loewe Verlag

 

 

Wertung: 8/15 dpt


Über den Autor

Chris Popp


Chris‘ Nerd-Schreibtisch

1974 in Mannheim geboren, in Heidelberg aufgewachsen, lebt nach 16 Jahren in der nordhessischen Provinz vor Kassel seit 2017 in Berlin. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Booknerd, Hörbuchnerd, Computernerd, Filmnerd, Seriennerd, Kaffeenerd, Foodnerd, Königsbergerklopsenerd. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.
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von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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