Jason Lefebvre & Zac Retz – Zu viel Kleber! (Buch)

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Jason Lefebvre & Zac Retz - Zu viel Kleber! (Cover © Lappan Verlag)Max (in der Originalversion Matty) liebt Kleber über alles und liebt es ebenso, alles Erdenkliche damit (und daraus) zu basteln. Mit und ohne die ebenfalls bastelwütigen, kleberfanatischen Eltern. Brillen? Schlösser? Verzierungen? Kein Problem! Seine Devise lautet: Je mehr Kleber, desto besser. Wo andere nur Klebepunkte tropfenweise aufs Papier klecksen, befinden sich bei ihm Klebepfützen. Und heute, in der Schule, plant er ein Großprojekt und versucht nun im Unterricht, sein größtes Kleber-Kunstwerk aller Zeiten herzustellen. Eine riesige Sauerei bahnt sich an, und die Lehrerin ermahnt ihn einmal mehr: »Zu viel Kleber!« Doch Max lässt sich davon nicht beeindrucken, macht weiter – und… nun ja… hat sich das alles etwas einfacher vorgestellt. Allein kann er sich wohl nicht mehr aus seinem Klebekunstwerk herauspellen. Au wei. Eines wird klar: Ihm muss geholfen werden!

Schrill, quietschbunt und äußerst liebevoll vom New Yorker Illustrator Zac Retz gezeichnet, irgendwo zwischen hinreißend-goldig und cool-frech, begleitet das junge Leserchen (oder das Kind gemeinsam mit dem oder der Vorlesenden) Max bei seinem ganz eigenen, sonderbaren Abenteuer, das kindgerecht, aber niemals kindisch erzählt wird – es ist aufregend und wird auch entsprechend formuliert, aber auf Übertreibungen und zu viel Lautsprache (wie etwa inflationär eingesetzte Geräusche) verzichtet der auch als Bibliothekar und Vorschullehrer tätige Jason Lefebvre weitestgehend.

Effekthascherei benötigt es nämlich nicht, denn sowohl die skurrile, in angemessener Textmenge begleitete Situation als auch das farbenfrohe, plastisch wirkende Drumherum reichen völlig aus, um die kleinen Leser in ein Meer der Eindrücke abtauchen zu lassen. Es gibt unzählige Details zu entdecken, die Gesichtsausdrücke sind auf eine angenehme Art überzogen, und aus den klassischen Kinderbuchstereotypen wird erfrischend häufig ausgebrochen: Zum einen wird auf einen übertrieben pädagogischen Charakter verzichtet und stattdessen die Individualität des Kindes und das Ausprobieren in den Vordergrund gestellt, zum anderen werden die typischen Mann-/Frau- und Mädchen-/Jungs-Klischees weitestgehend ignoriert. Da ist Mama auch mal die coole Frau mit der Klebepistole und Papa der, der mit seinem Kind am Tisch sitzt, und die Mädchen tragen nicht zwangsläufig rosa und die Jungs sind nicht zwangsläufig die Rabauken.

Es sind demnach auch die nicht auf den ersten Blick auffallenden Kleinigkeiten, die dieses hochwertig aufgemachte, mit einem sich irgendwie ledrig-klebrig anfühlenden Cover versehene, stabile und 25 x 25,1 cm große Buch zu einem “mehr als nur ein weiteres Kinderbuch” werden lassen. Man amüsiert sich auch als Erwachsener und lässt die Augen über jeden Quadratzentimeter der Buchseiten huschen, für den Fall, man hat eventuell noch irgend etwas übersehen. Es weckt die infantile Ader und lässt einen ein Stück Kindheit nacherleben. Und gerade letzteres vermögen nur wenige Bücher wirklich zu tun. Bei “Zu viel Kleber!” ist man auf wundersame Weise mittendrin. Mittendrin in kindlicher Anarchie.

Cover © Lappan Verlag

  • Autor: Jason Lefebvre
  • Illustrator: Zac Retz
  • Titel: Zu viel Kleber!
  • Originaltitel: Too much glue
  • Übersetzer: Constanze Steindamm
  • Verlag: Lappan
  • Erschienen: 17.07.2014
  • Einband: Hardcover
  • Seiten: 40
  • ISBN: 978-3-8303-1221-5
  • Sonstige Informationen:
    Altersempfehlung: ab 4
    Produktseite beim Verlag mit Leseprobe

Wertung: 13/15 dpt


Über den Autor

Chris Popp


Chris’ Nerd-Schreibtisch

1974 in Mannheim geboren, in Heidelberg aufgewachsen, lebt nach 16 Jahren in der nordhessischen Provinz vor Kassel seit 2017 in Berlin. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Booknerd, Hörbuchnerd, Computernerd, Filmnerd, Seriennerd, Kaffeenerd, Foodnerd, Königsbergerklopsenerd. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.
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Jason Lefebvre & Zac Retz – Zu viel K…

von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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