Seth MacFarlane – A Million Ways To Die In The West (Hörbuch, gelesen von Martin Baltscheit)

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Seth MacFarlane - A Million Ways To Die In The West (Hörbuch, Cover © Lübbe Audio)Old Stump, Arizona, 1882. Der Schafzüchter Albert Stark ist nicht gerade ein Freund von Konflikten. Zwar verplappert er sich gerne mal und wirkt hierdurch mitunter vorwitzig, aber ansonsten geht ihm das Leben im Wilden Westen gegen den Strich. Auf Schlägereien hat der Anticowboy genau so wenig Lust wie darauf, mit einem Colt herumzuballern. Von den ‚echten‘ Cowboys wird er demnach belächelt, doch was soll’s? Er hat dreierlei, was ihn glücklich macht: Seine Schafzucht, seinen besten Freund Edward, der zwar nicht der Hellste ist, aber das Herz am rechten Fleck hat – und seine doch ganz hübsche Freundin Louise die immerhin in Besitz sämtlicher Zähne ist.

Albert ist allerdings nicht gerade der meisterhafteste Schafzüchter – etwas, was Louise seit jeher genervt hat, doch damit konnte sie einigermaßen gut leben. Doch Starks Feigheit war ihr schon immer ein wirklicher Dorn im Auge. Als er das Duell mit Charlie Blanche, einem berüchtigten Halunken, dann auch noch verweigert, reicht es seiner Holden. Sie wolle »zu sich selbst finden«, behauptet sie, doch letztendlich beendet sie ihre Beziehung mit Albert. Der Stadtbarbier Foy, selbstbewusst bis unter die Hutkrempe und deutlich mutiger, profitiert in kürzester Zeit davon.

Weichkeks Stark wird das alles zu viel – für ihn steht fest: Raus aus diesem verdammten Kaff, hier ist kein Platz mehr für ihn. Doch eines Tages schlägt die bildschöne Anna im Dorf auf. Er vertraut sich ihr an. Durch sie schöpft er wieder neuen Mut, zumal sie ihn tatkräftig unterstützt, beispielsweise mit Schießtraining. Dieses hat er bitter nötig, denn er und Foy wollen sich duellieren, um wie echte Männer um Louise zu kämpfen – lohnt sich das? Auch merkt er, dass ihn Anna so gar nicht kalt lässt. Und sie hegt offenbar auch große Zuneigung zu ihm. Dumm nur, dass sie Albert verschweigt, dass sie noch verheiratet ist – und zwar mit einem der gefürchtetsten Revolverhelden Arizonas. Und der ist auf dem Weg gen Old Stump. Das riecht nach Ärger…

Es war zu erwarten, dass dort, wo Seth MacFarlane drauf steht, auch jede Menge Humor jenseits des guten Geschmacks zu finden ist – und das ist auch gut so. „A Million Ways To Die In The West“ erweist sich als eine lebendige, durchgeknallte Westernpersiflage, die vor Schlüpfrigkeiten, Slapsticks, köstlich beknackten Dialogen und allerlei Absurditäten nur so strotzt. Und mit Ekelhumor: Da ist beispielsweise die hochgläubige Prostituierte Ruth, die Edward unbedingt heiraten möchte, aber Sex gibt es vor der Ehe keinen. Und mit ihren Freiern lässt sie sich genügend Alternativen einfallen, um ihre Jungfräulichkeit zu bewahren – leider vergisst sie zuweilen, die Spuren ihrer männlichen Kunden zu entfernen, was zu einigen peinlichen Situationen im Saloon führt. Nur so als Beispiel – damit soll nur signalisiert werden: Wer einen MacFarlane liest/hört/schaut, sollte einiges abkönnen.

Doch so weit draußen und so unfassbar endbescheuert die Story ist, so durchdacht und raffiniert ist sie auch. Und MacFarlane überrascht mit seinem neuesten Werk. Ist man von ihm durch „Ted“, „American Dad“ und „Family Guy“ ja recht derben Holzhammerhumor gewöhnt, wohnt „A Million Ways To Die In The West“ trotz aller Derbheiten und kranker Slapsticks nicht nur durch die Lovestory eine Warmherzigkeit und Menschlichkeit inne, die überrascht.

Ein so schrilles Hörbuch erfordert selbstverständlich einen Sprecher, der genau weiß, was er tut – wann was wo und wie akzentuiert werden muss und wie er den Witz zum Hörer transportiert. Doch Martin Baltscheit, den man hierfür gewählt hat, erledigt diese Aufgabe ohne Probleme und läuft zu Höchstform auf. Seine comichafte Vortragsweise liegt auch qualitativ auf einer Linie mit Stefan Kaminski und Jens Wawrczeck, die ihrerseits auch dafür bekannt sind, in Storys mit viel Wahnsinn ebendiesen auch zur Geltung zu bringen. Baltscheit verleiht den oftmals schrulligen Charakteren eine Lebendigkeit und Ausdrucksstärke, dass keine Wünsche mehr offen bleiben.

Insgesamt entstand somit ein Hörbuch, das gleichermaßen Fremdscham heraufbeschwört wie höchste Unterhaltung bietet und auch das Herz erwärmt. Westernsatire at its best.

Cover © Lübbe Audio

  • Autor: Seth MacFarlane
  • Titel: A Million Ways To Die In The West
  • Originaltitel: A Million Ways To Die In The West
  • Übersetzer: Edith Beleites
  • Label: Lübbe Audio
  • Erschienen: 16.05.2014
  • Sprecher: Martin Baltscheit
  • Spielzeit: 252 Minuten auf 4 CDs
  • ISBN: 978-3-78575-045-2
  • Sonstige Informationen:
    Gekürzte Lesung
    Nach dem Originaldrehbuch zum Film
    (Autoren: Seth MacFarlane, Alec Sulkin
    und Wellesley Wild)
    Produktseite bei Lübbe

Wertung: 13/15 dpt


Über den Autor

Chris Popp


Chris‘ Nerd-Schreibtisch

1974 in Mannheim geboren, in Heidelberg aufgewachsen, lebt nach 16 Jahren in der nordhessischen Provinz vor Kassel seit 2017 in Berlin. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Booknerd, Hörbuchnerd, Computernerd, Filmnerd, Seriennerd, Kaffeenerd, Foodnerd, Königsbergerklopsenerd. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.
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Seth MacFarlane – A Million Ways To Die In…

von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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