A Hard Day’s Night (Spielfilm, Blu-Ray)

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ahdn_germany_reg_bluray„A Hard Days Night“ ist die Mutter aller Spielfilm-Mockumentaries, eine Momentaufnahme aus dem Leben der vier ‚Lads‘ aus Liverpool, besser bekannt als The Beatles.  „A Hard Days Night“ beginnt völlig realistisch, das heißt, die Beatles fahren mit dem Zug – in einem öffentlich zugänglichen Abteil – und Paul McCartneys aufsässigem Opa (!) im Schlepptau, um in London bei einer Fernsehshow aufzutreten. Gleich zu Beginn gibt es einen der schönsten Gags des Films, resultierend aus einer Situation, die vielen Beatles diesseits und jenseits des Ärmelkanals in den 60ern und auch den 70ern bekannt sein dürfte. Ein älterer Snob steigt zu unseren launigen Helden ins Abteil, es gibt kleine Wortgeplänkel um Fenster, laute Musik und Regeln im Allgemeinen; am Ende meint der feine Herr ziemlich frostig: „Und für Leute wie euch habe ich im Krieg gekämpft!“ Worauf Ringo lapidar antwortet: „Und jetzt bereuen Sie ihn gewonnen zu haben?“ Richard Lester wird später aus dieser Frage eine Aussage machen und einen Film darüber drehen, mit John Lennon in einer Nebenrolle.

Bei der AbfA hard days night-beatlemaniaahrt gibt es schon eine Ahnung von dem, was 1964 seine ersten Höhepunkte erlebt (und den ursprünglichen Filmtitel hätte ausmachen sollen, wenn man nicht zu Recht den paradoxen Ausspruch Ringo Starrs vorgezogen hätte), die ‚Beatlemania‘ tobt.

Schreiende, kreischende, heulende Fans (meist weiblich) umtosen die Beatles; das Ende des Films, jene Show im Fernsehen, gibt dank langer Einstellungen vom Publikum, eine Ahnung von dem Ausmaß, den diese Manie noch nehmen wird. Wer einen ganz scharfen Blick ins Publikum wirft, beziehungsweise Standbilder analysiert, kann im Zuschauerraum einen jugendlichen Phil Collins entdecken.  

beatlesTrotzdem können die vier Beatles zwischen Zugfahrt und Auftritt Mätzchen machen, Witze reißen, eine (fast) absurde Pressekonferenz geben und natürlich einige Songs wohlintegriert zum Besten geben. Ringo Starr darf geknickt durch die Straßen Londons schlendern, während das verbliebene Trio John, Paul und George ihn relativ unbehelligt suchen kann. Die Fans halten sich hierbei vornehm zurück. Das ist nicht hochdramatisch, sondern mitunter von erstaunlich leiser Poesie, die mit einer turbulenten Hommage an die Keystone Cops endet. Bevor es zum letzten großen Auftritt kommt und der Film fröhlich endet.

Ein Erfolgsrezept, dass Drehbuchautor Alun Owen gekonnt ausstellte und in Richard Lester einen kongenialen Regisseur fand. Die Typisierung des Quartetts, John als der wortgewandte Rebell, Paul der intellektuelle Romantiker, George der ruhige Junge von nebenan, mit dem man Pferde stehlen kann und Ringo als trauriger Clown, erforderten keine hohen schauspielerischen Leistungen und ließen die Beatles, trotz ihres riesigen Erfolgs, erdverbunden und sympathisch erscheinen – eine vertraute Lebens- und Arbeitsgemeinschaft.  

harddaysnight-09In „A Hard Days Night“ prallen piefiger englischer Alltag und die Aufbruchsstimmung des ‚Swinging London‘ aufeinander, sarkastische Wortwitze und surrealer Slapstick verweisen schon dezent auf Monty Python, ein wenig Mediensatire gibt es obendrauf und natürlich ganz viel Musik. Die Mischung macht’s und überzeugt auch fünfzig Jahre später. Richard Lester gelingt das Kunststück, Nouvelle Vague, überbordende Satire, Slapstick und wegweisende Musikaufnahmen zu einem höchst erfolgreichen und innovativen Film zu verbinden.

Die Blu-Ray besitzt ein scharfes, kräftiges Bild, bei teilweise recht hoher Körnung, der Klang ist von erstaunlicher Frische, sowohl in der originalen wie synchronisierten Form, kein Knistern stört den Vortrag. Als Bonus gibt es bei der vorliegenden Variante nur den englischen und deutschen Filmtrailer und einen launigen Audiokommentar vieler Beteiligter an „A Hard Days Night“ (u.a. die Darsteller Anna Quayle und John  Junkin).

Für die wahren Beatles-Fans führt kein Weg um die Special Edition herum. Gibt es dort den Hauptfilm auf DVD und Blu-ray und wichtiger noch, eine weitere DVD mit rund 250 Minuten hochinteressanten Zusatzmaterials (genaue Auflistung hier).

harddaysnight-08Wie bereits erwähnt, kann man sich „A Hard Days Night“ im Original (mit oder ohne Untertiteln) anschauen oder in der deutschen Synchronfassung. Rainer Brandt sorgt wieder für heiße Ohren, was die ewigen Zwölfjährigen dieser Welt rundum glücklich machen dürfte. Seine Synchronisation hat wie üblich kaum etwas mit dem Original im Unsinn. Wer mit den TV-Ausstrahlungen von „Yeah Yeah Yeah“ (so der deutsche Titel) und „Hi Hi Hilfe“ groß geworden ist, hört Paul McCartney automatisch mit der Stimme des Urberliners Wolfgang Gruner sprechen, während John Lennon (wie weiland Tony Curtis) von Meister Brandt selbst gegeben wird. Ringo Starr darf sich in Form des unvergleichlichen Horst Gentzen die Stimme mit Jerry Lewis teilen, George Harrison, gesprochen vom verlässlichen Wolfgang Draeger, bleibt – wie seine Rolle – professionell und cool.  

Das hat eine ganz eigene, wahnwitzige Qualität, ersonnen von einem Hirn, in dem so viel brodelt, explodiert und Beklopptes umhergeht, dass es keine Rücksicht auf Vorlagen und Maßgaben nehmen kann, sondern nur sich selbst folgt. Das kann man zum Brüllen komisch finden oder grauenerregend schlecht. In den besten Momenten adelt eine Rainer-Brandt-Synchronisation einen (miesen) Film („A Hard Days Night“ ist alles andere als mies) zum Wahnsinn auf brennenden Rädern, aber oftmals werden ganze Filme auch gnadenlos versenkt. Unter nostalgischen Gesichtspunkten ist seine Synchronfassung von „A Hard Days Night“ ein fröhliches Seufzen wert.

Halbwegs objektiv betrachtet werden viele gute Gags völlig versaubeutelt. Dass Paul McCartney ständig von der Qualität des ‚deutschen Films‘ faselt und ‚eine Wirtin hatte‘-Reime statt Shakespeare rezitiert, gehört schon zum gehobenen Schwachsinn; aber George Harrisons Klassiker: „Wie nennen Sie ihre Frisur?“  – „Arthur“ („affig“ laut Brandt) zu unterschlagen und Ringos Antwort „Mocker“ auf die Frage einer Reporterin: „Halten Sie sich für einen Mod oder einen Rocker“, als verfängliches „Neigen Sie mehr zur Trommel oder zum Becken?“   – „Ich schaue immer auf die Beine!“ zu interpretieren, ist übelste Wörterverletzung. Schön, dass man die Wahl hat und beides ausprobieren kann. Immer wieder gerne.The Beatles Running In 'A Hard Day's Night'

Cover & Szenenfotos © Koch Media

 

  • Titel: A Hard Day’s Night
  • Originaltitel: A Hard Day’s Night
  • Produktionsland und -jahr: GB, 1964
  • Genre:
    Mockumentary
    Musikfilm
    Komödie, Zeitdokument
  • Erschienen: 10.07.2014
  • Label: Koch Media
  • Spielzeit:
    88 Minuten auf Blu-Ray
  • Darsteller:
    John Lennon
    Paul McCartney
    George Harrison
    Ringo Starr
    Wilfrid Brambell
  • Regie: Richard Lester
  • Drehbuch: Alun Owen
  • Musik: The Beatles
    Extras:
    Deutscher und englischer Kinotrailer
    Bildergalerie
    Audiokommentar mit Cast & Crew
  • Technische Details (Blu-Ray)
    Video:
    1.78:1 (16:9)
    Sprachen/Ton
    :
    D, GB, DTS HD-Master Audio 5.1/2.0
    Untertitel:
    D
  • FSK: 6
  • Sonstige Informationen:
    Produktlink

Wertung: 13/15 dpt

 

 


Über den Autor

Jochen König


Jochens Nerd-Schreibtisch

Stationen: Aufgewachsen in Siegen, weitergezogen nach Münster, dann nach Berlin und wieder zurück nach Idyllistan, sprich Münster. Meinen ersten Roman „Mitternachtsblues“ (sowie diverse Sachbücher mit Beiträgen von mir) gibt es tatsächlich noch zu kaufen; ob man die Hörspiele aus meiner Berliner Zeit noch empfangen kann, ist eher zweifelhaft. Ansonsten bin ich Sachbearbeiter, Teilzeit-Buchhändler und war sieben Jahre für die, sogar mit dem Grimme-Online-Award ausgezeichnete, Krimi-Couch tätig.

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von Jochen König Artikel-Lesezeit: ca. 4 min
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