Matthias Sodtke – Nulli & Priesemut #19: Ich und du, wir sind Geister – Schuhu-schuhuuu! (Buch)

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Matthias Sodtke - Nulli und Priesemut #19 Cover © Lappan VerlagAngefangen mit „Gibt es eigentlich Brummer, die nach Möhren schmecken?“, dem ersten „Nulli & Priesemut“-Buch im Jahr 1994, sind nun insgesamt zwanzig Jahre ins Land gegangen, und mit „Ich und du, wir sind Geister – Schuhu-schuhuuu!“ geht die drollige, postkartengroße Buchreihe nun in die neunzehnte Runde. In ihrer neuesten Geschichte wissen der Hase Nulli und der Frosch Priesemut, die beiden unzertrennlichen Freunde, gar nicht so recht, was sie mit sich anfangen sollen. Eigentlich machen sie alles zusammen: Spielen, basteln, lesen zum Beispiel.

Doch an diesem Tag ist alles anders, und so macht jeder etwas für sich. Während Priesemut sich dafür entschieden hat, ein Pferdchen zu basteln, hat es sich Nulli auf dem Sofa bequem gemacht, um zu lesen. Als Priesemut sein Bastelwerk beendet hat, möchte er es Nulli natürlich sofort zeigen, aber der ist völlig in das Buch vertieft und reagiert kaum. Das macht den Frosch neugierig: Was ist denn da so spannend, dass Priesemut für Nulli fast Luft ist?

„Geisterspuk im Krötenmoor“, eine Geistergeschichte. Als das Langohr das Buch dann doch beiseitelegt und Priesemut ein wenig davon erzählt, gruselt sich der grüne Quaker doch sehr, aber für ihn ist eigentlich klar, dass es gar keine Geister gibt. Sowieso, steht da ja eigentlich eine ganze Menge Blödsinn, oder? Da kommt Nulli die Idee, man könne doch etwas gemeinsam machen: Selbst ‚Geisterspuk‘ spielen! Flugs schnappen sich die beiden je ein Bettlaken und präparieren dieses, um durch die Gegend zu geistern. Irgendwie ist das schon spaßig, aber so ganz wohl ist Priesemut bei alledem nicht. Denn was tun, wenn sie doch einem echten Geist begegnen? Aber das kann doch eigentlich gar nicht… oder doch?

Es wird spannend…

Es gibt Buchreihen, die nach einigen Bänden nichts mehr zu sagen haben, doch die „Nulli & Priesemut“-Reihe – traditionell links mit Bild und rechts mit Text – zeigt auch nach all den vielen Geschichten und Abenteuern keinerlei Abnutzungserscheinungen. Die beiden charakterstarken und liebenswerten Figuren haben sich auch dieses Mal einiges zu erzählen und erleben so einiges Unerwartetes. Dabei weiß Autor Sodtke in einfachen, prägnanten und gehaltvollen Sätzen die Geschichte stets kinder- und vorlesefreundlich aufs Wesentliche zu beschränken, ohne wichtige Details auszulassen. Es wird nie zu viel, aber auch nie zu wenig Text – die Dosis an Erzähltem ist demnach nahezu perfekt für die abendlichen zehn bis fünfzehn Minuten, bevor bei den Kleinen das Licht ausgeht. Doch auch für die jungen Selbstleser ist dieses kleine Büchlein eine wahre Gaudi, und – geben wir’s doch zu – für junggebliebene Erwachsene ebenso. Und neunzehn Ausgaben lang immer wieder das wichtige Thema Freundschaft ohne erhobenen Zeigefinger und so herzerwärmend anzusprechen, das soll Sodtke erst mal jemand nachmachen.

Ein großes Lob muss man allerdings auch dem Illustrator Helmut Kollars aussprechen. Denn dessen Zeichnungen gehören im Kinderbuchsektor zu den herzigsten, schönsten, detailreichsten und schlichtweg liebevollsten. Hier und dort gerne auch mal frech oder ein wenig verrückt, aber stets zuckersüß. Neben den Figuren (und den Nebenfiguren), die auch hinsichtlich Mimik wunderbar ausdrucksstark dargestellt werden (Nullis Blick, als er genervt hinter seinem Buch gen Zimmerdecke schaut, weil Priesemut vor ihm herumhibbelt: Unbezahlbar! Priesemuts Reaktion, als Nulli ihn erschreckt: Köstlich!) sind auch die vielen zu entdeckenden Kleinigkeiten Gold wert. Auf jedem Bild findet sich auch nach mehreren Blicken noch etwas, bei dem das Herz lacht.

Besonders hervorheben muss man hierbei die Buchseite, auf welcher Priesemut konzentriert und eifrig das Pferdchen bastelt. Der kleine Frosch sitzt mit Kastanien, Kleber, Schere, Korken, Klebebandabroller und Zahnstochern da, sodass man als Kind durchaus Lust darauf bekommen kann, das Pferdchen selbst zu basteln – die Materialliste ist demnach offensichtlich, es muss einfach nur noch alles besorgt werden, und schon kann es losgehen. Und das ist nur eines der optischen Highlights.

Insgesamt bekommen Mini- und Maxileser das perfekte, wenn auch kleine Rundumpaket geboten: Eine lustige, spannende Geschichte, in welcher Text und Bild optimal miteinander harmonieren. Möchte man seinem/seiner/seinen Kleinen eine Freude – oder das Lesen schmackhaft – machen, dann liegt man mit „Nulli & Priesemut“ demnach goldrichtig.

Cover © Lappan Verlag

 

Wertung: 14/15 dpt


Über den Autor

Chris Popp


Chris‘ Nerd-Schreibtisch

1974 in Mannheim geboren, in Heidelberg aufgewachsen, lebt nach 16 Jahren in der nordhessischen Provinz vor Kassel seit 2017 in Berlin. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Booknerd, Hörbuchnerd, Computernerd, Filmnerd, Seriennerd, Kaffeenerd, Foodnerd, Königsbergerklopsenerd. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.
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von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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