Colin Cotterill – Dr. Siri und die Spiele der Rattenfänger (Buch)

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Die alten Knaben ermitteln munter weiter. Immer noch Extraklasse!

1980. Während der Waldmönch Noo nach kurzer Gefangenschaft im Haus von Siri und Madame Daeng im Koma liegt, unterhalten sich Siri und dessen Freund Civilai über deren künftige Pläne. Dabei rückt Civilai zögernd damit raus, dass er als Chef de Mission die laotischen Sportler bei der Olympiade in Moskau begleiten soll. Nicht, dass es Sportler in Laos gäbe, aber da die halbe Welt die Spiele boykottiert, rücken zahlreiche Länder nach. Im Stadion wird später Civilai die Laoten ins Stadion führen, direkt vor Lesotho.

„Die Welt interessiert sich nicht für Verlierer. Nicht eine einzige Kamera wird auf Sie gerichtet sein, wenn Sie aus den Startblöcken stolpern und die Bahn entlanghumpeln. Selbst der Zweit- und Drittplatzierte sind schon nach wenigen Sekunden vergessen.“
„Und warum fahren wir dann überhaupt?“

Ein Mannschaftsarzt soll das Team begleiten. In Frage kommen alle acht laotischen Ärzte, die im Ausland studiert haben. Aufgrund der Tatsache, dass Siri in der Vergangenheit allen Mitgliedern des Zentralkomitees auf die Füße getreten ist, steht er nur auf Listenplatz acht. Da kann auch Civilai nicht helfen, doch nach einem Aushang im Gesundheitsministerium, demzufolge vor Reisen in die Sowjetunion aufgrund einer dort ausgebrochenen Lungenmilzbrand-Epidemie dringend gewarnt wird, springen plötzlich die anderen Kandidaten ab. Der Weg für Siri und Madame Daeng ist frei, für Krankenschwester Dtui sowieso.

Zunächst gilt es, die Athleten gebührend zu verabschieden und Civilai entdeckt unter ihnen den früheren Hauptmann Lien, der nun für die Schützen antreten soll. Im Flugzeug wenig später fehlt Lien, in letzter Sekunde rückte offenbar ein anderer Kandidat nach. Doch warum? Während Siri und Civilai über einen möglichen Attentäter unter den Athleten spekulieren, findet Inspector Phosy in Vientiane die Identität des nachgerückten Sportlers heraus. Als er hierüber mit einem alten Parteimitglied sprechen will, wird dieser vor Phosys Augen erschossen. Als es in Moskau tatsächlich zu einem Anschlag kommt, sind Siri und seine Leute gefordert, denn die Russen sind an einer Aufklärung oder gar Information der Öffentlichkeit nicht interessiert.

Kein Vorfall, aber ermitteln darf man ja

Der bereits zwölfte Band der köstlich-unterhaltsamen Siri-Paiboun-Reihe hat es in sich. War sein unmittelbarer Vorgänger („Dr. Siri und der verschwundene Mönch“) noch stark überladen mit Begegnungen in der Geisterwelt, so gilt es dieses Mal ein Verbrechen aufzuklären, welches gar nicht stattgefunden hat. Oder dieses zu verhindern, so es denn stattfinden sollte. Siri, Civilai, Daeg und Dtui fantasieren was das Zeug hält, während Phosy in der Heimat über sich hinaus wächst und das, obwohl er erstmals vier Wochen lang allein auf die zweijährige Tochter Malee aufpassen soll.

„Obwohl es weitaus wahrscheinlicher ist, dass reiche und/oder einflussreiche Verwandte hier einen Draht gezogen und dort einen Hebel in Bewegung gesetzt haben, um ihm diesen kleinen Abstecher nach Moskau zu ermöglichen, nehmen wir der Einfachheit halber einmal an, dass er hier ist, um ein Attentat zu verüben.“

Der Krimiplot dürfte Krimipuristen die Haare zu Kopf stehen lassen, aber Dr. Siri ist eine Reihe, die vor allem eins möchte: Ihre Leser humorvoll und augenzwinkernd unterhalten. Fast über jeden Satz aus der Feder von Colin Cotterill kann man im vorliegenden Fall zumindest schmunzeln, zumal sich Siris schamanische Aktivitäten in der Anderwelt deutlich zurücknehmen. Gastauftritte mit Tante Bpoo dürfen natürlich trotzdem nicht fehlen. Die Geschichte konzentriert sich auf die fünf wichtigsten Personen des Siri-Kosmos (Siri, Civilai, Daeng, Dtui und Phosy), wobei einmal mehr vor allem Civilai und Phosy recht viel Platz in der Handlung einnehmen; was kein Fehler ist. Den alten Politbürostrategen Civilai, sprich Zivil-Ei, bei seinen oft tölpelhaften Versuchen zu begleiten ist köstlich und Phosy ist – wie gesagt – der Mann der Stunde.

„Woher wissen Sie das alles?“
„Ich weiß gar nichts. Ich spekuliere.“
„Aber er ist ein großartiger Spekulant.“

Neben dem Krimiplot gibt es wieder unterhaltsame Einblicke in die Demokratische Volksrepublik Laos, die von Vietnam unterstützt wird. Gegner sind die Chinesen und das benachbarte Thailand. Die kommunistische Führung des Landes und deren Politik werden herrlich vorgeführt, ebenso wie die Wahrheitsliebe der Russen während Olympia. Die Wettkämpfe finden ebenfalls gebührende Beachtung und zu guter Letzt wird der Romantitel erklärt. Es gibt da nämlich noch eine Sonderdisziplin außerhalb der jubelnden Masse in den Stadien.

Cover © Goldmann

  • Autor: Colin Cotterrill
  • Titel: Dr. Siri und die Spiele der Rattenfänger
  • Originaltitel: The Rat Catchers’ Olympics
  • Übersetzer: Thomas Mohr
  • Erschienen: 05/2020
  • Einband: Gebunden
  • Seiten: 348
  • ISBN: 978-3-442-31548-2
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite 
    Erwerbsmöglichkeiten

Wertung: 12/15 Siris


Über den Autor

Jörg Kijanski

Großer Krimifan seit Jugendzeiten, zudem seit 2005 vor allem als Redakteur für die Krimi-Couch und Histo-Couch tätig. Inzwischen haben sich über tausend Rezensionen angehäuft. Neu seit Sommer 2019 auch bei booknerds.de am Start.

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Colin Cotterill – Dr. Siri und die Spiele …

von Jörg Kijanski Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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