Pierre Christin & Olivier Balez – Robert Moses: Der Mann, der New York erfand (Comic, Buch)

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Pierre Christin & Olivier Balez - Robert Moses: Der Mann, der New York erfand (Comic, Buch) Cover © Carlsen Verlag

Wer war Robert Moses? – Der Mann, der New York erfand.

In den Zwanziger- bis Siebzigerjahren wurde New Yorks Stadtbild entscheidend von Moses‘ Visionen geprägt. Er ließ Brücken bauen, unter anderem die Triborough Bridge, um die Stadtteile miteinander zu vernetzen, Autobahnen für schnellere Verbindungen, aber auch Strände, Schwimmbäder und Parkways zur Erholung. Sechshundert Spielplätze und siebenhundert Baseballfelder, Bibliotheken, überall in New York verteilt, entstanden während seiner Wirkperiode. Er sorgte für Wohnraum, eine funktionierende Kanalisation … – Kurzum: Wer durch New York geht, kommt an Moses nicht vorbei.

In der Graphiknovelle von Pierre Christin und Olivier Balez wird das Leben und Schaffen von Robert Moses in einzelnen Ausschnitten umrissen, um der Vielzahl der Ereignisse gerecht zu werden. Was zunächst den Einstieg in die Novelle erschwert, ergibt mit fortschreitendem Lesen Sinn. Robert Moses war ein Mann der Tat, der viel erreicht und viel geschaffen hat.

Autor und Zeichner skizzieren das Bild eines Visionärs, der zielstrebig war, prinzipientreu und engagiert. Seine Pläne, seine Hartnäckigkeit und sein Selbstbewusstsein brachten ihn in die oberste Etage des New Yorker Verwaltungsapparates, dort, wo man über Stadtentwicklung entschied. Christin und Balez charakterisieren ihn als jemanden, der alles dafür tat, um seine Pläne umzusetzen, jemand, der keine Fehler duldete.

Moses wurde zu einem Mann mit gewaltigem Einfluss, für den 80.000 Menschen arbeiteten. Sein Bestreben war es New York zu modernisieren, alte Gebäude einzureißen und durch neue funktionelle Architektur zu ersetzen. – Doch wie so vieles, was einen guten Anfang nimmt, kehrte sich sein Aufstieg mit der Zeit um: Widerstand keimte auf aus traditionsbewussten und gemeinnützigen Reihen und Moses strauchelte an seinen eigenen, immer kühner werdenden Visionen.

Christin und Balez schaffen es, durch passende Bildgestaltung auf den ersten Blick ein Gefühl für die damalige Zeit zu vermitteln. Moses architektonische Leistungen, sein Beitrag zur Formung der Megalopole werden grafisch gut dargestellt. Colorierung und Szenenauswahl schaffen eine vertraute Atmosphäre, eine, in die man abtauchen kann, aber auch eine, die Aufbruchsstimmung verheißt, in der alles möglich zu sein scheint: Beinahe erweckt das mächtige New York den Eindruck, als stünde es auf einem Spielbrett, auf dem nach Moses Gutdünken Gebäude erschaffen werden, Straßen ihre Schneisen im Zeitraffer schlagen, auf dem kein Platz für Altes ist und Neues in Windeseile erwächst.

Durch Christins und Balez Umsetzung hat man das Gefühl neben Moses zu stehen und den stadtentwicklerischen Impuls der damaligen Zeit hautnah mitzuerleben.

Cover  © Carlsen Verlag

 

  • Autor: Pierre Christin & Olivier Balez
  • Titel: Robert Moses – Der Mann, der New York erfand
  • Originaltitel: Robert Moses – Le Maître caché de New York
  • Übersetzer: Ulrich Pröfrock
  • Verlag: Carlsen Comics
  • Erschienen: 2014
  • Einband: Hardcover
  • Seiten: 112
  • ISBN: 978-3-551-76499-7
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite beim Verlag
    Erwerbsmöglichkeiten

Wertung: 10/15 dpt


Über den Autor

Juliane Vogler


Julianes Nerd-Schreibtisch

Wer bist Du und was machst Du hier überhaupt?

Das frage ich mich in der Tat auch oft: Was mache ich hier eigentlich? – Und dabei lief doch alles so ausgezeichnet: der Uniabschluss, der erste Job … Irgendwann verließ ich den sicheren Weg, um mich dem unsteten Leben eines freiberuflichen Autors zuzuwenden. Nun arbeite ich mal wissenschaftlich, mal belletristisch.

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von Juliane Vogler Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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