Royal Pains – Staffel 4 (TV-Serie, 4DVD)

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Royal Pains Staffel 4 Cover © Universal Pictures Home EntertainmentKnatsch zwischen den ungleichen Lawson-Brüdern Hank und Evan. So endete die vorhergehende Staffel (Spoileralarm!) mit einer Splitscreen-Aufnahme, in welcher beide, zuvor verkracht, beim Klinkenputzen verlauten ließen: »Ich brauch ’nen Job!«. Tatsächlich ist HankMed zu Beginn noch nicht am Ende, doch die Zukunft steht auf sehr wackligen Beinen. Denn die Differenzen zwischen dem stets risikofreudigen jüngeren Evan und seinem doch meist bodenständigeren Bruder Hank drohen das dicke Band, das die beiden verbindet, zu zerreißen.

Ihre Kollegin und Teilhaberin Divya versucht, das gestörte Verhältnis zu kitten und somit HankMed – stets für das gesundheitliche Wohl der steinreichen und sonderbaren Bewohner der Hamptons zur Stelle und dank Hanks macgyveresken und lebensrettenden Methoden zur ersten Adresse avanciert – vor dem Ende zu retten.

Doch einfach wird das nicht, denn die Geschwister lassen sich von ihren Standpunkten und Zielen offenbar nicht abbringen. Das bringt in personeller Hinsicht frischen Wind in das Team: Der exzentrische Dr. Paul van Dyke aus dem Hamptons Heritage sowie der hochintelligente, in sozialer Hinsicht schwierige, verstockte und unbeholfene Quereinsteiger Jeremiah Sacani werden ins Boot geholt, was bei der instabilen Lage HankMeds für einige Reibereien sorgt.

Auch jenseits HankMed gibt es viel Wirbel und Achterbahn: Während Divya so ihre Probleme hat, endlich Geborgenheit zu finden, kriselt es zwischen Evan und seinem Herzblatt Paige (die selbst das ein oder andere Päckchen zu tragen hat) anfangs doch sehr, und Hank muss von seiner langjährigen Immerwiederfreundin Jill loslassen, da diese sich im Ausland einer neuen beruflichen Herausforderung stellen wird. Und auch Eddie R. Lawson, Vater des Bruderpaares, steht urplötzlich wieder auf der Matte, irgendwo zwischen einem gänzlich neuen und dem alten Eddie.

Royal Pains Staffel 4 Szenenfoto © Universal Pictures Home EntertainmentEinmal mehr erweist sich auch das Verhältnis zum Geldgeber Boris Kuester von Jurgens-Ratenicz als äußerst schwierig, denn der pocht auf absolute Verschwiegenheit hinsichtlich dessen, was in seinen vier Wänden und in seinem Leben geschieht. Dies geht weit über die gesundheitlichen Faktoren hinaus, denn Hank muss sich fragen: Warum hat dieser Mensch so viel Geld? Was hält dieser Mann geheim? Und wofür hegt und pflegt er diese Verbindungen zu teilweise dubiosen Gestalten? Und welchen Einfluss hat Boris, wenn in Konferenzsälen Gespräche abgehalten werden. Worauf?

Eines fällt bereits beim Niederschreiben dieser Zeilen auf: „Royal Pains“ birgt eine erzählerische Vielschichtigkeit und Reichhaltigkeit auf, welche die der vorhergehenden Staffeln mit Leichtigkeit übersteigt. Bei der vierten Staffel haben sich die Macher der Serie offenbar einige Gedanken gemacht, damit keine Stagnation eintritt – und das hat sich, falls dem so gewesen sein sollte, ausgezahlt. Nicht nur Kyle Howard (als van Dyke) weiß mit seiner sonderbaren Rolle zu überzeugen, sondern auch Ben Shenkman, dessen originelle Figur Jeremiah Sacani der Serie eine neue Facette verleiht. Und wo wir gerade von Facetten sprechen: Auch die Stammcharaktere bekommen ein noch vielseitigeres Profil – so lernt man die beiden Lawson-Brüder kennen, wie man sie zuvor nicht unbedingt kannte, und auch Divya Katdare macht eine interessante Entwicklung durch.

Übergreifend kann man sagen: „Royal Pains“ wächst an sich selbst, streckt seine neuen Zweige und Ästlein weit aus und bleibt doch stets fest an seinem filmischen und thematischen Standort verwurzelt. Es gibt Soap, es gibt Drama, es gibt Medizinisches für die Arztserienliebhaber, und zu alldem gesellt sich eine Menge Unterhaltung, die sich vor allem in diversen Dialogen und viel Situationskomik zeigt – und gerade bezüglich der komödiantischen Komponente ist Ben Shenkman ein Volltreffer. Doch selbst bei ihm treten immer wieder gemischte Gefühle auf, denn so witzig der Charakter Sacani oftmals rüberkommt, so traurig macht es einen manchmal, wenn er seine eigenen Hürden nicht zu überspringen in der Lage ist.

Royal Pains Staffel 4 Szenenfoto © Universal Pictures Home EntertainmentDa stellt sich die Frage: Wieso haben es exzellente Serien wie diese in Deutschland, vor allem im Free-TV, so schwer? Wie kommt es, dass sich die Leute lieber die hundertste CSI-, NCIS-, oder Dr. House-Wiederholung ansehen oder sich von Hypes lenken lassen? Liegt es an der Übervorsicht der Fernsehsender? An der vielleicht unzureichenden Promotion für die eigentlich guten Sendeplätze? Oder liegt es schlichtweg am Geschmack des deutschen Zuschauermainstreams? Ist „Royal Pains“ zu amerikanisch? Ist die Welt der Reichen (die in dieser Serie nicht selten durch den Kakao gezogen wird, auch auf kritische Weise), wie sie hier dargestellt wird, nicht mit der hiesigen Mentalität vereinbar?

Man kann von Glück reden, wenn man sich die Tatsache vor Augen führt, dass „Royal Pains“ zumindest in der vierten von mittlerweile acht Staffeln (die Klientel ist offensichtlich da…) wenigstens im DVD-Format erhältlich ist. Denn wäre die dieses originelle und vor allem liebevoll umgesetzte Fernsehprodukt hierzulande gar nicht auf dem Markt präsent, wäre das ein großer Verlust hinsichtlich Vielfalt und Qualität. Bleibt nur die Hoffnung.

Cover & Szenenfotos © Universal Pictures Home Entertainment

  • Titel: Royal Pains
  • Staffel: 3
  • Episoden: 16
  • Originaltitel: Royal Pains
  • Produktionsland und -jahr: USA, 2011/2012
  • Genre:
    Arztserie, Drama, Komödie, Soap und was nicht alles.
  • Erschienen: 12.03.2015
  • Label: Universal Pictures Home Entertainment
  • Spielzeit:
    ca. 660 Minuten auf 4 DVDs
  • Darsteller:
    Mark Feuerstein
    Paulo Costanzo
    Jill Flint
    Reshma Shetty
    Ben Shenkman
    Kyle Howard
    Campbell Scott
    Brooke D’Orsay
    Christine Ebersole
    Henry Winkler
  • Regie: 
    Andrew Lenchewski
    John P. Rogers
  • Extras:
  • Technische Details (DVD)
    Video:
    1,78:1 Anamorph Widescreen
    Sprachen/Ton
    :
    DD 5.1 (D, GB)
  • FSK: 12
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite
    Erwerbsmöglichkeiten

Wertung: 14/15 dpt

 

 


Über den Autor

Chris Popp


Chris‘ Nerd-Schreibtisch

1974 in Mannheim geboren, in Heidelberg aufgewachsen, lebt nach 16 Jahren in der nordhessischen Provinz vor Kassel seit 2017 in Berlin. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Booknerd, Hörbuchnerd, Computernerd, Filmnerd, Seriennerd, Kaffeenerd, Foodnerd, Königsbergerklopsenerd. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.
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Royal Pains – Staffel 4 (TV-Serie, 4DVD)

von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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