Book of Love – Ein Bestseller zum Verlieben (Spielfilm, Blu-ray)

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Book of Love Cover (© TiberiusFilm)Oscar Wilde (ich weiß, ich weiß, Zitate von Oscar Wilde sind ein alter Hut, aber es passt hier einfach gut) sagte einmal: »die Anzahl unserer Neider bestätigt unsere Fähigkeiten«, und abgesehen von dem, was an diesem Film die Genrezuordnung „Liebeskomödie“ rechtfertigt, beschreibt das Zitat recht umfassend, worum es geht.

Der Plot – Zugleich eine Charaktersudie
Man hat es nicht leicht als angehender Autor. Das gilt insbesondere dann, wenn man der einzige ist, der vom eigenen Können und der Tatsache, der Welt etwas Nennenswertes mitteilen zu müssen, überzeugt ist. So geht es auch den fünf bisher vollkommen erfolglosen Autoren, die sich in Book of Love zu einer Art Arbeitskreis zusammentun, um sich gegenseitig jeweils die letzten Seiten ihres Schaffens vorzulesen und gemeinsam deren Qualität zu feiern.

Book of Love (Szenenfoto © TiberiusFilm)Die Charaktere des Autorenkreises, der wohl absichtlich einer Selbsthilfegruppe ähnelt, könnten schwerlich schillernder sein: Da sind zum einen die Mooneys ein Lifestyle-Pärchen, das jedes Statussymbol mitnehmen möchte. Alan Mooney (Dylan Walsh, „Nip/Tuck“) ist erfolgreich als Arzt und schafft genug Kohle ran, damit seine Frau Colette (Teri Polo) sich mit Sport, dem Haus und ihrem Hobby, dem Schreiben, befassen kann.

Book of Love (Szenenfoto © TiberiusFilm)William Bruce wird von Jonathan Bennett („Party Animals 3“) gespielt, der zugleich übrigens auch ausführender Produzent des Films ist. Der junge Schönling könnte tatsächlich etwas Interessantes zu Papier bringen, wenn es nicht viel eher das Image Autors und sein Aussehen als das fertige Werk wären, was ihm so manches Frauenherz und Portemonnaie öffnet. Der vierte im Bunde ist John K. Butzin (Dennis Farina, „Law and Order“; „Schnappt Shorty“), der eine glänzende Parodie auf amerikanische Erfolgsautoren wie Tom Clancy oder Clive Cussler hinlegt. Möglichst blutrünstig und technokratisch präzise schildert der im Privatleben sehr einsame ältere Mann amerikanische Heldentaten und hält sich dabei für ein Geschenk an das andere Geschlecht. Als Zuschauer ahnt man, dass der Moment, in dem die Realität ihn einholt, schmerzhaft zu werden droht.

Book of Love (Szenenfoto © TiberiusFilm)Last but not least ist da noch Henry Obert (Chris Klein, „American Pie“), der so normal erscheint, dass man sich zunächst fragt, wie er in so eine Gruppe geraten konnte. Seine größte Barriere beim Schreiben ist vermutlich mangelnder Selbstwert, denn der feinsinnige junge Mann scheint Gedanken zu haben, die es wert wären, in ein Buch gebunden und verkauft zu werden.

Book of Love (Szenenfoto © TiberiusFilm)Zum illustren Kreis der exzentrischen (Möchtegern-)Autoren stößt als sechstes Mitglied Hannah Rinaldi (Kaley Cuoco, bekannt aus „The Big Bang Theory“). Die junge Frau geht voller Naivität an ihr Erstlingswerk heran und wird damit nicht nur als erste aus dem Kreis veröffentlicht, sondern quasi über Nacht berühmt.

Die schrägen Vögel der Autorengruppe sind derart überfordert mit dem plötzlichen Erfolg des jüngsten und scheinbar untalentiertesten Mitglieds der Gruppe, dass Schwierigkeiten vorprogrammiert sind. Während sich die Mooneys in immer abstruseren Möglichkeiten endlich zum Durchbruch zu gelangen versteigen, zieht sich der empfindlichere Henry trotz seiner Schwärmerei für Hannah zurück, da auch er nicht mit dem plötzlichen Erfolg umgehen kann, der ihm so lange verwehrt bleibt.

Gag-Feuerwerk oder leise Lacher?
Eigentlich lässt der Cast des Films vermuten, dass ein wahres Gag-Feuerwerk im Stil von American Pie, Party Animals oder eben The Big Bang Theory entfacht wird, doch die Produzenten und Schauspieler geben dem Film, ob bewusst oder versehentlich, eine gänzlich andere Ausrichtung.

Book of Love (Szenenfoto © TiberiusFilm)Statt Slapstick und peinlicher Bloßstellung überwiegt ein etwas leiserer, mitunter sehr zynischer Humor, der einem Teil der Darsteller so gar nicht zu Gesicht stehen will. Kaley Cucoco überzeugt schauspielerisch trotz leider anderer Synchronstimme und zeigt vor allem, dass sie nicht zwangsläufig auf die Rolle der hübschen Blondine unter Nerds angewiesen ist. Auch Chris Klein, dessen Konterfei eher aus albernen Komödien bekannt ist, kann seine als nachdenklich-stillen Charakter angelegte Figur ausfüllen. Wirklich witzig waren allerdings wenige Szenen mit den beiden Hauptdarstellern.

Für Humoriges, das in die Richtung des Erwarteten geht, sorgt am Ehesten noch das Mooney-Ehepaar. Teri Polo als verwöhnte aber zugleich gelangweilte Ehefrau spielt ihre Rolle engagiert, hat aber schlichtweg kaum Szenen, die WIRKLICH witzig sind. Die Komik soll aus den Maßnahmen entstehen, die sie bei gleichzeitiger schriftstellerischer Unfähigkeit voller Neid ergreift, um in Hannahs Windschatten zu fahren oder diese noch besser zu überflügeln. Leider zündet dieser bemühte Humor nicht. Neid von seiner unschönsten und leider nicht einmal witzigsten Seite.

Book of Love (Szenenfoto © TiberiusFilm)Der tragisch-komische Geheimtipp des Films ist für mich der militärophile (gibt es das Wort?) John K. Butzin, der zum einen als Figur lustiger ist als die restliche Truppe zusammen und zum anderen durch den mittlerweile leider verstorbenen Dennis Farina perfekt ausgefüllt wird. Das beginnt bei dem merkwürdigen Spleen von sich selbst in der dritten Person und immer als „veröffentlichter Autor“ zu sprechen, wird besser durch den Streit mit der Online-Druckerei, die auf sein Buchcover „brüllender Löwe“ (oder so ähnlich) das falsche Tier gedruckt haben und gipfelt in einer seltsamen Beziehung zu einer seltsam wortkargen, deutlich jüngeren deutschen Einwanderin, die bei ihm lebt und den Rentner zunächst tatsächlich für einen begnadeten Autor hält. Auch hier gibt es keine Spur von Slapstick, sondern eher eine Art Fremdschämen, wie ich es bisher nur von „Stromberg“ kannte.

Book of Love (Szenenfoto © TiberiusFilm)In die Kamera, bitte!
A propos „Stromberg“ – eine Gemeinsamkeit verbindet „Book of Love“ noch mit der Serie: Auch die Regisseuerin Ellie Kanner („Sex and the City“) hat sich für eine Art „Dokumentationsperspektive“ entschieden. Die einzelnen Gruppenmitglieder werden dabei begleitet und sprechen typischerweise immer mal wieder wie in einem Interview direkt in die Kamera. Was theoretisch eine neue Dimension der Komik bietet, wurde in diesem Film allerdings nur von Dennis Farina genutzt.

Fazit
Mittelmaß – Das Wort beschreibt in einem Wort, was den Zuschauer erwartet. Der Film ist nicht richtig schlecht, aber eben auch nicht richtig witzig. Die Schauspieler sind zum Großteil nicht richtig bekannt, aber auch nicht erst seit gestern dabei. Lediglich die Story entspricht den Erwartungen und ist, was sich leider eher negativ auswirkt, bis ins Letzte vorhersehbar.

Cover und Szenenfotos © TIberiusFilm

  • Titel: Book of Love – Ein Bestseller zum Verlieben
  • Originaltitel: Authors Anonymous
  • Produktionsland und -jahr: USA, 2016
  • Genre: Romantik, Komödie
  • Erschienen: 03.11.2016
  • Label: Tiberius Film
  • Spielzeit: 92 Minuten auf 1 Blu-Ray
  • Darsteller:
    Kaley Cuoco
    Chris Klein
    Dylan Walsh
    Teri Polo
    Jonathan Bennett
    Dennis Farina
  • Regie: Ellie Kanner
  • Drehbuch: David Congalton
  • Kamera: Tobias Datum
  • Schnitt: Stephen R. Myers
  • Musik: Jeff Cardoni
  • Extras: Trailer
  • Technische Details (Blu-Ray)
    Video:
    1,78:1
    Sprachen/Ton
    :
    D, E
    Untertitel:
    D
  • FSK: 6
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite
    Erwerbsmöglichkeiten

Wertung: 7/15 dpt

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Über den Autor

David J. Weigel

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Zur Zeit darf ich im schönen Hannover studieren… Das ist diese unscheinbare aber irgendwie sympathische Halbmillionen-Stadt an der A7 zwischen den großen Metropolen. Besonders im Spätsommer, da kann man Glühwürmchen im Stadtpark sehen…

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Book of Love – Ein Bestseller zum Verliebe…

von David J. Weigel Artikel-Lesezeit: ca. 4 min
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