Luca d’Andrea – Der Tod so kalt (Buch)

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Luca d'Andrea - Der Tod so kalt (Cover©DVA)In den USA gehörte Jeremiah Salinger zu den aufsteigenden Dokumentarfilmautoren. Für eine Recherche zur Bergrettung zieht er mit seiner Frau Anneliese und ihrer gemeinsamen Tochter in ihr Heimatdorf in Südtirol. Bei seinen Recherchen wird er von einer Lawine überrollt und überlebt. Seine Begleiter wurden allesamt von der Lawine erfasst und verloren ihr Leben. Er gerät in eine tiefe Krise und fühlt sich von der Bestie verfolgt. Er denkt, wenn er die Geschichte über drei Jugendliche löst, die 1985 in der Bretterbachschlucht nahe dem Dorf aufs Brutalste ermordet wurde könnte er die Bestie, die ihn seitdem heimsucht, besiegen. Doch das ganze Dorf schweigt. Während er langsam an den Oberflächen kratzt, gerät er immer tiefer in die Geschichte und weckt alte Geister. Vielleicht sogar solche, die gar nicht überleben sollten.

Der italienische Schriftsteller Luca d’Andrea, der heute noch in Bozen lebt, schreibt hier über ein besonderes Stückchen Erde. Die hohen Berge der Dolomiten sind wunderschön und besonders beliebt bei Bergsportlern. Nahe am Mittelmeer werden sie von einem schnell umschlagenden und extremen Klima beherrscht. Die Leute sind misstrauisch gegenüber allem Neuen und stolz auf ihr Land, das weder richtig Italien noch Österreich ist.
In Italien war das Buch sofort in den Top Ten, und die Übersetzungen wurden in zahlreiche Länder verkauft. Zu Recht. Dieses Buch ist so spannend und gut recherchiert, als Leser kann man es nur für kurze Pausen beiseite legen. Zu gruselig sind die Vorstellungen, die d’Andrea auf seinen Seiten heraufbeschwört, und so ungewiss das Ende des Buches.

In seinem Buch verarbeitet er auch seine eigene Arbeit als Dokumentarfilmer. Seine Serie „Mountain Heroes“ über die Bergrettung in Südtirol wird in dem Buch von Salinger gedreht. Durch diesen Hintergrund und sein Leben in Südtirol wirkt es stimmig. Die Landschaft, das Klima, die Mentalität der Menschen und ihre Bräuche werden interessant widergespiegelt.

Besonders eindrücklich werden die Gedanken und Gefühle Salingers wiedergegeben. Das Buch ist komplett aus der Ich-Perspektive erzählt. Es ist interessant zu sehen, wie sehr er Situationen verkennt. Wenn seine Frau ihn beispielsweise bittet, nicht mehr weiter an der Bretterbachgeschichte zu forschen und sogar ankündigt ihn zu verlassen, nimmt er die Bedrohung durchaus wahr. Die Geschichte am Bretterbach jedoch wirkt wie eine Droge für ihn, und er kommt davon einfach nicht los. Außerdem beginnt er überall Verräter und Mörder zu sehen und verliert dabei langsam seinen analytischen Verstand.

Doch nicht nur Salinger ist hier eine Hauptfigur. Auch die Umgebung und vor allem die Bretterbachschlucht erwachen zum Leben. Das Besondere ist, dass hier in mehreren Gesteinsschichten Jahrtausende alte Fossilien zu finden sind. D’Andrea beschreibt besonders eindringlich die Gefahr der Berge. Es geht um Sportlichkeit, aber um eine gute Ausrüstung. Nicht nur ein Tourist stirbt in seinem Buch, weil er sich überschätzt hat und in Turnschuhen einen Gletscher besteigen möchte.

In den kurzen Kapiteln wird das Netz, welches Salinger spinnt, immer dichter, und letztendlich kann er das Rätsel natürlich lösen. Die Auflösung ist zwar eine Überraschung, kann aber mit dem eigentlichen Weg zur Lösung nicht mithalten.

„Der Tod so kalt“ ist ein super spannender Thriller, der zu Recht in den Top Ten ist. Sogar Filmrechte werden bereits verhandelt. Allerdings sollte der Leser Zeit einplanen, denn wer dieses Buch einmal angefangen hat wird von der ersten Seite an von der Geschichte gefesselt sein.

Wertung: 15/15 Bestien

  • Autor: Luca d’Andrea
  • Titel: Der Tod so kalt
  • Originaltitel:  La sostanza del male
  • Übersetzer: Verena v. Koskull
  • Verlag: DVA
  • Erschienen: 03/2017
  • Einband: Paperback, Klappenbroschur
  • Seiten: 480 Seiten
  • ISBN: 978-3-421-04759-5
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite
    Erwerbsmöglichkeiten: Buch, Ebook, Hörbuch
    Video
  • Cover©DVA
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Über den Autor

Josefine K.

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Im Ruhrpott aufgewachsen, zog es mich zum Studieren in den Norden. Seitdem ich lesen konnte, verschlang ich alles, was Buchstaben hatte. Zu Weihnachten und an Geburtstagen freute ich mich auf neuen Lesestoff, und die Stadtbibliothek besuchte ich regelmäßig, um stapelweise Bücher nach Hause zu tragen und in ihnen zu schmökern.

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von Josefine K. Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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