La La Land (Spielfilm OmU, Kino)

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Sonntagabend im Freiluftkino Friedrichshain: „La La Land“, der Film, den man gesehen haben muss?

Zuvor die Trailer:

„Beuys“ – Ein Film, der auch für Zuschauer*innen ohne nennenswerten Zugang zur bildenden Kunst geeignet scheint. Im Mittelpunkt des Trailers stehen weniger die Werke Joseph Beuys‘, sondern der charismatische und gleichzeitig selbstironische Künstler selbst.
Filmstart: 18. Mai 2017

„Neruda“ – Das chilenische Biopic inszeniert das Leben des Lyrikers und Nobelpreisträgers als Thriller – kaum verwunderlich, bei der anhaltenden Kontroverse um die Todesursache des 1973 Verstorbenen (für Stimmfetischist*innen: Bernd Rumpf synchronisiert die Titelfigur).
Filmstart: 23. Februar 2017

Man erfreut sich an Wein, Pizza und dem erfreulich freimütigen Umgang mit mitgebrachten Speisen und Getränken. Es beginnt: „La La Land“.La La Land-Cover © Studiocanal Filmverleih GmbH

Wo singen Menschen am liebsten? Richtig, im Auto (und manchmal unter der Dusche). Auf einer verstopften Autobahnbrücke unter der Wintersonne L.A.s dudeln und singen Songs und Leute aller Arten aus ihren Fahrzeugen. Menschen springen aus ihren Wagen, tanzen auf Fahrbahnbegrenzungen und freuen sich des Lebens. Am Ende steigen alle wieder ein und ein entnervter Cabriofahrer überholt Mia (Emma Stone) in ihrem Auto, die eben noch für ein Vorsprechen probt.

„La La Land“ war der Film, den man im cineastischen Frühjahr gesehen haben musste. Allein bis Februar 2017 erhielt er über 180 Auszeichnungen, die von sechs Trophäen bei den Oscars (bei 14 Nominierungen) gekrönt wurden. Dabei ist die Story schnell erzählt: Mia ist arbeitslose Schauspielerin auf der Suche nach dem Durchbruch, Sebastian (Ryan Gosling) arbeitsloser Jazzpianist auf der Suche nach einem Ort, wo er Musik nach seinem Vorstellungen spielen kann. Man begegnet sich, verfehlt sich, findet sich und versucht es gemeinsam. Übermäßig tiefgründig ist das über weite Strecken des Films nicht, aber das erwartet auch niemand von einem Musicalfilm.

„La La Land“ zeichnet sich aber durch einige Besonderheiten aus: Dass die Musik gut bis sehr gut ist, sollte bei dem Genre außer Frage stehen. Tut es auch. Von tanzbaren bis herzzerreißenden Nummern ist alles dabei, meist mit gefälligen Jazz- und Latin-Elementen. Der Musik- und der Filmsong-Oscar waren gut vergeben. Spannend ist allerdings, wie Blechbläser, Klavier und Harfe die Atmosphäre großer Genrevorgänger einfangen oder sich Steppnummern völlig unironisch einfügen. Beides macht „La La Land“ auch zu einer Hommage an Klassiker wie „Singin‘ in the Rain“ und die goldenen Zeiten der Filmfabrik generell. Dergleichen ist in jüngster Zeit in Hollywood schwer angesagt (siehe „Hail Ceasar!“).

Auf derselben Ebene arbeiten auch Set- und Kostümdesign. Obwohl in der Gegenwart verortet (Mia fährt einen mucksmäusenstillen Prius), erinnert das gezeigte Hollywood an die 1950er-Jahre: A-Linie bei den Röcken der Damen (und nur sehr wenige tragen Hosen), klassische Anzugsschnitte bei den Herren, pastellige Farben für sie, alle Schattierungen von Braun und Beige für ihn. Als modische Referenz ist das schön anzuschauen, wenn auch nicht mehr ganz neu.

Originell (wenn auch seit „Birdman“ und „Victoria“ nicht mehr brandneu) sind dagegen Kameraarbeit und Schnitt: Allein die Eröffnungsszene kommt über vier Minuten ohne sichtbaren Schnitt aus, folgt einzelnen Figuren, die singen, wendet sich ab, folgt anderen, die tanzen. Das alles ist eine wunderbar choreographiertes und quietschbuntes Durcheinander.

Ähnlich bemerkenswert ist eine Einstellung, bei der die Kamera in einem Pool steht, an dessen Rändern Menschen singen und tanzen. Manchmal fällt jemand ins Wasser, Wellen branden gegen die Linse, Spritzer fliegen durchs Bild. Wieder ist minutenlang kein Schnitt zu sehen, während die Kamera sich schneller und schneller um die eigene Achse dreht. Das ist hohes handwerkliches Niveau, für das es völlig zu Recht einen Kamera-Oscar gab.

Zu guter Letzt die Hauptdarsteller*innen: Ob die Performances tatsächlich preisverdächtig waren, ist zweifelhaft. Zweifellos spannend dagegen ist die Figurenkonstellation, in der Emma Stone als Mia und Ryan Gosling als Sebastian agieren. Im Prinzip ist „La La Land“ ein Zweipersonenstück, trotz einer Unmenge an Statist*innen und einigen Nebendarsteller*innen in klitzekleinen Sprechrollen.
Der Fokus liegt auf Mia und Sebastian, ihrer Liebe und ihrem Scheitern, was ein hohes Maß an Charakterspiel erfordert hätte; im Musicalfach ein schwieriges Unterfangen und keines, das Stone oder Gosling geglückt wäre. Ihren Figuren fehlt sowohl die inhaltliche als auch die darstellerische Tiefe.

Fazit: „La La Land“ ist ein durchaus unterhaltsamer Film mit einigen technischen und handwerklichen Finessen, der insgesamt aber eher so la la ist. Am Ende fehlt ihm die Leichtigkeit der Klassiker, auf deren Spuren er sich bewegt. Es bleibt die Erkenntnis, dass sich auch in Hollywood die Zeiten geändert haben. Niemand singt mehr unbefangen im Regen.

Cover © Studiocanal Filmverleih GmbH

  • Titel: La La Land
  • Originaltitel: La La Land
  • Produktionsland und -jahr: USA, 2016
  • Genre: Musicalfilm
  • Erschienen: 12.01.2017
  • Label: Lionsgate
  • Spielzeit: 128 Minuten
  • Darsteller:
    Emma Stone
    Ryan Gosling
  • Regie: Damian Chazelle
  • Drehbuch: Damian Chazelle
  • Kamera: Linus Sandgre
  • Schnitt: Tom Cross
  • Musik: Justin Hurwitz
  • FSK: 0
  • Sonstige Informationen:
     Produktseite
    Erwerbsmöglichkeiten

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Über den Autor

Henri Vogel

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Kleinstadtkind mit Hang zur Großstadt; Wahlberliner; glücklicher Partner des besten Ehemanns von allen und bescheidener Mitbewohner einer Katze; Überzeugungsliterat und Freizeitcineast; Whiskytrinker und Freundesfreund.

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La La Land (Spielfilm OmU, Kino)

von Henri Vogel Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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