Anja Rützel – Saturday Night Biber (Buch)

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Anja Rütze - Saturday Night Biber (Cover © S. Fischer Verlage)Man ahnt ja nicht, was dem erwachsenen Tierfreund alles für Möglichkeiten geboten werden, sich fortzubilden oder auch nur mit dem Objekt seines Interesses zu befassen! Für die meisten Erwachsenen beschränkt sich der Kontakt mit Tieren auf eine zufällige Beobachtung bei einem Spaziergang, die Haltung eines Haustiers, einen gelegentlichen Zoobesuch oder einen Urlaub auf dem Bauernhof.

Die Journalistin Anja Rützel hat sich mit dem Thema ein wenig mehr Mühe gegeben, hat einige ausgefallene Angebote wahrgenommen und scheinbar absurde Kurse besucht – und dann dankenswerterweise darüber geschrieben. Nicht nur die Erwachsenen, die früher gerne Tierarztromane gelesen haben, dürften sich darüber freuen. Für die Autorin, eine bekennende Tierfreundin, fing alles mit Einar, dem Ameisenbären, an, über den sie eine Serie für eine Stuttgarter Zeitung schrieb. Als dann ein Verlag mit der Frage an sie herantrat, ob sie nicht einmal ein Buch schreiben wolle, entschied sich für ein Buch über Tiere.

Ohne dieses Buch hätten die meisten niemals erfahren, dass man in Bad Gastein im Winter außer Skifahren auch Hirsche von ganz nah beobachten kann, weil ein örtlicher Hotelier vor Jahren damit angefangen hat, diese im Winter zu füttern, damit sie nicht auf Futtersuche ins Tal hinunter kommen und die Touristen stören. Natürlich muss man zu schlimmstem Frieren bereit sein. Trotzdem ist nach Frau Rützels liebevoller Beschreibung ein Anstieg der Nachfrage nach solchen Fütterungsbesuchen in der nächsten Skisaison nicht ausgeschlossen. Auch dass man sich zum Kuscheln lieber einer Kuh als einem Alpaka zuwenden sollte, lernen wir. Letzteres sieht zwar flauschig aus, lässt sich aber nicht gerne anfassen, während erstere auch schon mal ein Nickerchen mit dem Kopf in einem Menschenschoß macht. Sachen gibt‘s!

Und so begleitet der Leser die Autorin kapitelweise bei ihren exotischen Aktivitäten wie der Ausbildung zur Biberberaterin, einem Einführungskurs beim Weltmeister im Falken-Ausstopfen oder dem Besuch eines Kaninhop-Turniers und erfährt, warum Schaben geeignetere Haustiere für kleine Kinder sind als Hamster. Er lernt gesellschaftliche Nischen kennen, von denen er sonst womöglich nie gehört hätte. All diese kuriosen Veranstaltungen beschreibt die Autorin auf eine unterhaltsame, bildhafte, humorvolle, aber nie respektlose Weise, sodass der Leser sich mit ihr wundern und mit ihr lachen kann, ohne die Anbieter oder Teilnehmer solcher Veranstaltungen auszulachen. Ein wunderbar erfrischendes und erhellendes Buch, das für gute Laune sorgt, sicher nicht nur bei Tierfreunden.

Cover © Fischer 

Wertung: 15/15 dpt


Über den Autor

Christina Brunnenkamp


“Mit viel Faulheit fing es an” hieß mein allererstes Druckschriftbuch – und was bin ich froh, dass meine Kinder weniger moralisierende Bücher lesen können! Trotzdem habe ich seit jener Zeit immer ein Buch zur Hand, sei es in Papierform oder elektronisch. Schon vor Langem wurde ich deshalb von meinen Freunden zum Leseratgeber erkoren – und weil ich so gerne Menschen zum Lesen anstifte, teile ich meine Leseeindrücke heutzutage online.

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Anja Rützel – Saturday Night Biber (Buch)…

von Christina Brunnenkamp Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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