Cars 3 – Evolution (Kino, Film)

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Wer hat das beste Marketing im Land?

Cars 3

REAR VIEW — The legendary #95 ©2016 Disney•Pixar. All Rights Reserved.

Wenn es um die derzeitigen Lieblinge der Kinder geht, konkurrieren aktuell viele verschiedene Trickfilmcharaktere um die Gunst. Darunter fällt auch ein leuchtend roter Sportwagen mit der Nummer 95 an der Seite. Da dieser Flitzer nun zum dritten Mal die Leinwand mit seinem Auspuffdröhnen und seiner Begeisterung für den Rennsport erfreuen sollte, wurde die Gunst der Stunde genutzt, Lightning McQueen endlich auch auf der großen Leinwand zu sehen. Die Erwartungshaltung nach dem relativ guten ersten Teil (für Pixarverhältnisse wohl eher mittelmäßig) und dem (fast) unterirdischen zweiten war nicht unbedingt in den Himmel gewachsen. War der erste Teil in seiner Art eine klassische Geschichte, in der der anfänglich arrogante Rennwagen durch eine unfreiwillige Auszeit geläutert wird, präsentierte der zweite Teil eine unausgegorene Agentengeschichte, die vor allem durch ihre hektische Art enttäuschte.

Was würde nun der dritte Teil bringen? Durch den Trailer sickerte die Information durch, dass man sich in diesem Film wieder auf Lightning McQueen konzentriere, die Rennen und der ganze Zirkus drum herum im Vordergrund stehen soll. Dementsprechend kann die Vorfreude geschürt werden, dass zumindest die Fans des ersten Teils wieder das bekommen, was sie auch dort bekamen – Rennsportaction, Humor und Spannung. Doch wird dieses Versprechen auch über den kompletten Film gehalten? Das soll die nachfolgende Besprechung zum Film klären.

»Speed! Ich bin Speed! Verlierer ess ich zum Frühstück!  …«

Mit diesen Worten fing der erste Film an und man wurde direkt auf die Rennstrecke geworfen. Auch in vorliegendem dritten Part wird wieder so begonnen. Doch etwas ist anders. Lightning ist nicht mehr allein im Truck, sondern wird von Hook, seinem besten Freund aus Radiator Springs, begleitet und auch innerhalb der Rennserie ist er kein Unbekannter Rookie mehr, sondern ein gestandener Rennwagen, der sieben Mal den Piston Cup gewonnen hat und mit einer Lässigkeit weiterhin Siege einfährt, sodass sich ein jeder fragt, ob die Ära McQueen je ein Ende finden wird.

Mit der neuen Rennsaison kommen neue High-Tech-Rennwagen auf den Plan, die, optimiert bis auf das letzte Zahnrad, alles in Grund und Boden fahren, dabei aber jedwede Emotion vermissen lassen. Die Rennwagen alter Garde sehen gegen diese Boliden wirklich alt aus und werden nach und nach ersetzt oder geben selbst auf. Einzig Lightning will sich nicht geschlagen geben, dafür machen ihm das Fahren der Rennen und der Wettkampf zu viel Freude. Doch ausgerechnet im letzten Rennen, als er von seinem größten Konkurrenten Jackson Storm erneut düpiert wird, ist wieder der Heißsporn Ligthning zu sehen und er wird für seinen Übermut prompt mit einem Totalschaden bezahlt, der für ihn das Ende der Saison bedeutet und auch der Piston Cup geht an seinen Konkurrenten Storm.

Gedemütigt, ins zweite Glied zurückgestellt und mit immensen Motivationsproblemen kämpfend zieht sich Lightning zurück, schaut alte Filme über seinen Mentor Hudson Hornet an und vergräbt sich regelrecht in seiner Heimat Radiator Springs. Der Lack ist ab (sogar sprichwörtlich), doch seine alten Freunde und auch seine Sponsoren von Rusteeze bauen ihn wieder auf und motivieren ihn, es noch einmal zu probieren. In einem (fast) eigens für ihn eingerichteten, den neuesten Maßstäben gerecht werdenden Trainingszentrum, soll er fit gemacht werden für die neue Saison. Doch dem stehen das Alter Lightnings und auch die Trainerin Cruz Ramirez entgegen, die ihn vor neue Probleme stellen, die unüberwindbar scheinen und einen Start beim ersten Rennen der Saison in weite Ferne rücken lassen. Da kann nur noch einer helfen – der alte Trainer von Doc Hudson. Wird er McQueen wieder fit machen für das erste Rennen? Und ist Lightning McQueen wirklich schon reif für ein Leben abseits der Rennpiste?

Zum Glück auf alte Tugenden vom ersten Teil gesetzt

Bevor der Gang ins Kino geplant wird, sollte sich vergegenwärtigt werden, dass der zweite Teil gekonnt ignoriert werden kann. Der vorliegende Film ist als die direkte Fortsetzung zum ersten Teil der Cars-Reihe anzusehen, in dem Lightnings Rennsportkarriere begann. In Evolution, wie der Untertitel lautet, liegt diese Karriere brach. Doch ist alles eine Wiederholung des ersten Teils? Jein. Gewisse Elemente sind wieder vorhanden. So zum Beispiel, dass Lightning sich wieder einem Abenteuer abseits der Rennpisten stellen muss, und die lineare Erzählweise ohne große Brüche, sieht man mal vom Unfall zu Beginn des Filmes ab, gibt ihr Übriges dazu, dass man diesen dritten Teil als Abklatsch des Originals ansehen könnte. Das ist dieser Film aber bei weitem nicht, denn er spielt mit den Themen, die der erste Teil vorgegeben hat und zieht sie gekonnt durch den Kakao.

Ebenso in Bezug auf den Rennzirkus im Allgemeinen werden so einige Witze gerissen. Allen voran wird Lightnings Alter immer wieder zum Thema gemacht und dass er längst zum alten Eisen gehöre und sich mit Merchandisingartikeln auf seine alten Taten ein ruhiges Leben gönnen solle. Allein diese Szenen sorgen immer wieder für Lacher (insbesondere, wenn man bedenkt, wie die Spielzeug- und Bettwäscheabteilung von Disney frohlocken wird), denn das „hohe“ Alter sieht man McQueen zwar nicht an, doch ist es nicht genau das, was im Rennsport und auch im echten Leben zählt? Dass man recht schnell zu den erfahrenen Alten zählt, aber von den jungen, aufstrebenden Rennfahrern zwar verehrt, aber auch vielmals belächelt wird? Genau für diese Szenen allein lohnt es sich den Film anzuschauen, jedoch werden Kinder diese Anspielungen eher weniger verstehen. Für die ist aber auch sehr viel Action und Spannung auf der Leinwand geboten. 

Doch auch die digitale Tricktechnik ist mehr als einen Blick wert, und hier hat sich Pixar wieder einmal selbst übertroffen. Wer bei den Vorfilmen zu „Alles steht Kopf“ und „Findet Dorie“ schon mit den Kinnladen am Boden war, der wird hier größtenteils aus dem Staunen nicht mehr heraus kommen. Dieser Fotorealismus, der aus dem Rechner kommt, ist stellenweise atemberaubend und wirkt auf der großen Leinwand lebendig und real wie nie. War der erste Teil vor knapp elf Jahren State of the Art, insbesondere bei den Rennszenen, so ist es auch dieser Film, jedoch mehr bei den Szenen abseits der Piste. Man schluckt regelrecht den Staub, pult sich den Schlamm aus den Ohren (beim Stockcarrennen) und erkennt jede Spiegelung im Lack, bei Tag und bei Nacht. Doch vor allem die Passagen, wenn Naturaufnahmen mit der Handlung verbunden werden, sind unglaublich schön geworden.

Pixarmittelmaß = immer noch ein guter Film

Alles in allem ist dieser Film bei weitem nicht der beste aus dem Hause Pixar, auch nicht als Fortsetzung. Da gab es zum Beispiel mit Toy Story  3 und Alles steht Kopf besseres zu sehen. Doch schlecht ist er nicht. Er führt die Geschichte aus dem ersten Teil gekonnt fort, spinnt sie mit ruhiger Hand weiter und baut so einige Anspielungen auf den Rennzirkus und auch auf das reale Leben in den Film ein. Tricktechnisch ist der Film auf dem neuesten Stand und kann an dieser Front besonders punkten, da können andere Filme, die in dieselbe Kerbe schlagen, bei weitem nicht heran reichen. In Summe bleibt ein positiver Gesamteindruck, der den zweiten Teil vergessen lässt und einen würdigen Abschluss dieser Reihe bildet (wobei man derzeit bei Pixar/Disney vorsichtig sein sollte mit solchen Sachen, denn Fortsetzungen sind ja deren Ding – bei Toy Story ist seit einiger Zeit auch ein vierter Teil im Gespräch, obwohl der Abschluss mit Teil 3 perfekt war). Wer dem Rennsport im Allgemeinen und Lightning McQueen im Speziellen etwas abgewinnen kann, macht mit einer Sichtung dieses Films garantiert nichts verkehrt.

Alle Bilder ©2017 Disney•Pixar. All Rights Reserved.

  • Titel: Cars 3 – Evolution
  • Originaltitel: Cars 3 – Evolution
  • Produktionsland und -jahr: USA, 2017
  • Genre:
    Trickfilm
    Action
    Abenteuer
  • Erschienen: 28.09.2017
  • Label: PIxar/Disney
  • Spielzeit:
    102min
  • Synchronisation (Deutsch):
    Lightning McQueen – Owen Wilson (Manou Lubowski)
    Cruz Ramirez – Cristela Alonzo (Maja Maneiro)
    Smokey – Chris Cooper (Hans-Jürgen Wolf)
    Hook/Mater – Larry the Cable Guy (Gerhard Jilka)
    Chick Hicks – Bob Peterson (Christian Tramitz)
    Sebastian – Lewis Hamilton (Sebastian Vettel)
    Jackson Storm – Arnie Hammer (Benedikt Weber)
  • Regie: Brian Fee
  • Drehbuch:
    Kiel Murray
    Bob Peterson
    Mike Rich
  • Kamera:
    Jeremy Lasky
    Kim White
  • Schnitt: Jason Hudak
  • Musik: Randy Newmann
  • FSK: 0
  • Sonstige Informationen:
    Filmseite Disney


Wertung: 12/15 Heckspoiler

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Über den Autor

Marc Richter

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„Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste und der Revolvermann folgte ihm.“ (Stephen King „Der Mann in Schwarz“) – wenn ich sage, dass ich von Kindesbeinen an lese, dann ist das sicher verklärt durch Erzählungen der Eltern/Großeltern oder auch das schwache Langzeitgedächtnis. Vielmehr war ich ein Lesemuffel, nicht anders lässt sich erklären, warum ich lieber Lustige Taschenbücher statt richtige Bücher gelesen habe.
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von Marc Richter Artikel-Lesezeit: ca. 6 min
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