Markus Lesweng – How to kill yourself abroad (Buch)

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Markus Lesweng - How to kill yourself abroad (© Conbook Medien GmbH)Was tun, wenn einen das Reisefieber packt, aber es entweder an Zeit oder Geld für einen sofortigen Aufbruch mangelt? Wenn man durch all die Bilder im Internet entmutigt ist bei dem Gedanken, wie ausgetreten die klassischen Touristenpfade heutzutage schon sind? Oder auch einfach an der einschlägigen Reiseliteratur keinen Gefallen findet? Markus Lesweng hat da mit seinem „Atlas für Waghalsige, Leichtsinnige und Lebensmüde“ mit dem schönen Titel How to kill yourself abroad Abhilfe geschaffen.

Gemütlich von der heimischen Couch aus kann man das leise Gruseln genießen, das einen bei dem Gedanken an all die Orte auf der Welt überkommt, an die man sowieso niemals reisen würde – oder vielleicht möchte man es nach der Lektüre dieses Buches ja doch? Bei dieser Entscheidungsfindung möchte Markus Lesweng Hilfestellung bieten. Praktischerweise nach Gefahrenquellen bzw. Todesarten gegliedert stellt er in seinem Buch 63 Orte auf der ganzen Welt vor, von denen man sich wahlweise fernhalten sollte oder an denen man alternativ seinem Leben auf unterschiedlich schmerzhafte Art ein Ende setzen kann. Natürlich könnte man auch einfach hinfahren und sie sich ansehen, aber das wäre ja vergleichsweise langweilig. Dank einer hilfreichen Karte kann man die zumeist namentlich nicht bekannten Orte auf dem Globus verorten bzw. sich anhand der bevorzugten Todesart ein Reiseziel auswählen. Jeder Ort wird dann wiederum nach den Kriterien Kosten, Gefahr und Spektakel von null bis fünf bewertet.

Schwebt einem ein Tod durch Giftschlangen- oder Spinnenbiss vor, möchte man wahlweise in einem Säure- oder Laugensee verenden, verdursten, von Menschenhand sterben oder sang- und klanglos verschwinden? Markus Leswengs alternativer Reiseführer bietet für jeden Geschmack etwas. Garniert wird das Ganze ganz auf Reiseliteraturmanier mit zumeist sehr schönen Fotos. Zu jedem Ort hat der Autor nützliches Wissen und Anekdoten zusammengetragen, die er mit einer leichten Prise schwarzem Humor und Ironie darbietet. So ist das Buch tatsächlich lehrreich und langweilt dabei keine Sekunde. Am besten eignet es sich zum laut Vorlesen in einer Gruppe, und das ganz ohne Altersbegrenzung, stundenlange Lesefreude und Lacher garantiert! (Allerdings gilt: je jünger die Zuhörer, desto grusel.)

Besondere Erwähnung verdienen Passagen wie die in der Beschreibung eines undurchdringlichen Dschungels in Panama, die die Freude des Autors an seinem Text verrät: „Bei der Anreise ist jedoch Vorsicht geboten: Ein Bericht spricht von zwei Reisenden, die planlos aufgebrochen sind und sich von Ort zu Ort durchgefragt haben, wo es denn nach Panama gehe, ohne je am Ziel anzugelangen.“ Sofortiges Wiedererkennen bei der elfjährigen Tochter der Rezensentin: „Der kleine Tiger und der kleine Bär aus ‚Oh, wie schön ist Panama‘!“

Auch in anderen Kapiteln finden sich Verweise, die der Veranschaulichung dienen sollen, die allerdings manchmal sehr zynisch klingen. So vergleicht der Autor den blutigen Kampf der verschiedenen Strömungen des Islams untereinander mit der Feindschaft zwischen „der Volksfront von Judäa und den Spaltern von der judäischen Volksfront“. Überraschend nimmt sich zwischen all diesen auf die eine oder andere Weise tödlichen und teils mehr oder weniger objektiv gefährlichen Orten Berlin aus, an dem der Autor kein gutes Haar lässt.

Jeder Beschreibung ist ein Fazit nachgestellt, in dem das Reiseziel bewertet und Tipps zur Anreise gegeben werden. Wem also nach der Lektüre dieses Buches der Sinn nach der Begegnung mit einem Eisbären, dem Ableben durch Einatmen vulkanischer Gase oder der Beobachtung eines Wirbelsturms steht, der kann sich an diesen Informationen tatsächlich orientieren. Ein nützliches Buch, das zumindest als unterhaltsames Couchtischbuch unbedingt eine Daseinsberechtigung hat und jedem hiermit wärmstens empfohlen sei.

  • Autor: Markus Lesweng
  • Titel: How to kill yourself abroad – Der Atlas für Waghalsige, Leichtsinnige und Lebensmüde
  • Verlag: Conbook
  • Erschienen: 03/2019
  • Einband: Bildband mit Softcover
  • Seiten: 192
  • ISBN: 978-3-95889-201-9
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite
    Erwerbsmöglichkeiten

Wertung: 15/15 dpt


Über den Autor

Christina Brunnenkamp


„Mit viel Faulheit fing es an“ hieß mein allererstes Druckschriftbuch – und was bin ich froh, dass meine Kinder weniger moralisierende Bücher lesen können! Trotzdem habe ich seit jener Zeit immer ein Buch zur Hand, sei es in Papierform oder elektronisch. Schon vor Langem wurde ich deshalb von meinen Freunden zum Leseratgeber erkoren – und weil ich so gerne Menschen zum Lesen anstifte, teile ich meine Leseeindrücke heutzutage online.

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von Christina Brunnenkamp Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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