Deon Meyer – Beute (Buch)

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Überraschend politischer Thriller

Kaptain Bennie Griessel und sein Partner Kaptein Vaughn Cupido erhalten von ihrer Vorgesetzten, Kolonel Mbali Kaleni, einen neuen Fall, den sie ausschließlich bearbeiten sollen. Dabei ist der Fall gar nicht neu, sondern schon ein paar Tage alt, aber die Kollegen in der Provinz in Beaufort-Wes haben sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Vor einigen Tagen wurde entlang einer Zugstrecke in der Karoo-Halbwüste ein Leichnam entdeckt, bei dem es sich um den vermissten Personenschützer Johnson Johnson handelt. Dieser begleitete zuvor eine 91-jährige niederländische Touristin auf deren Fahrt im weltbesten Luxuszug quer durch Südafrika. Griessel und Vaughn übernehmen die Ermittlungen und finden heraus, dass Johnson offensichtlich im Zug ermordet wurde; eine abgebrochene Okapi-Messerspitze im Hinterkopf des Toten ist eindeutig. Dennoch sollen auf Befehl von ganz oben die Ermittlungen eingestellt werden. Ein Selbstmord? Da wird es sogar der sonst sehr strengen Kaleni zu bunt. Wenig später gibt es einen weiteren Todesfall, auch hier spricht alles für einen Selbstmord.

Die Geschichte wechselt zwischen Südafrika und Frankreich

Der Buchrücken verrät es: Kein Geringerer als der Präsident Südafrikas soll ermordet werden. Was Griessel und Cupido erst zum Ende des Romans erfahren, ist dem Leser nach dem ersten Viertel bekannt, denn die Handlung wechselt ständig zwischen Kapstadt und (zunächst) Bordeaux. In der französischen Stadt lebt völlig zurückgezogen Daniel Darret, der in einer kleinen Schreinerwerkstatt arbeitet. Doch seine Vergangenheit holt den ehemaligen Kämpfer des ANC wieder ein und stellt dessen ruhiges Leben auf den Kopf. Ausgerechnet Daniel soll den Präsidenten ermorden, zu dem er einst aufgesehen hat. Geschickt wechseln die Handlungsorte, werden Cliffhanger gekonnt vom südafrikanischen Starautor platziert. Überraschend dabei auch, dass für rund hundert Seiten die Spezialisten der Valke, der Einheit für Schwer- und Gewaltverbrechen der SAPS, aus der Handlung verschwinden und diese nur noch in Frankreich spielt.

„Johnson Johnson wurde mit einem Okapi in den Nacken gestochen, bevor er aus dem Zug geworfen wurde. Das war die Todesursache.“
„Ein Saturday Night Special?“
„Ganz genau.“
„Scheiße, Benna!“
„Dasselbe habe ich auch gedacht.“

Deon Meyer hat mit seinem aktuellen Roman „Beute“ seine ebenso beliebte wie erfolgreiche Griessel-Cupido-Reihe auf eine neue Stufe gehoben. Seine beiden Protagonisten und deren bekanntes privates wie berufliches Umfeld sind selbstredend wieder am Start. Griessel will endlich seiner Alexa einen Heiratsantrag machen, doch ihm graut vor einer Absage. Bei Cupido läuft mit seiner Desiree alles entspannt, wäre da nicht deren Sohn Donovan, der, von Freunden beeinflusst, alle Polizisten für korrupt hält. Mit dabei sind die üblichen Experten der Spurensuche, so vor allem die kauzigen Kollegen namens Dick und Doof.

Andererseits, und damit neu wird auch einer dritten Hauptfigur sehr viel Platz eingeräumt. Daniel Darret, früher als Kämpfer des ANC noch mit richtigem Namen Tobela genannt, erhält gefühlt ein gutes Drittel des Romans für seinen Erzählstrang. Dieser besteht im Wesentlichen aus der Flucht vor bösartigen Russen und der Vorbereitung auf das Attentat. Dass letztlich beide Erzählstränge zusammenführen versteht sich. Bis dahin hat Deon Meyer aber ausreichend Zeit, die Zustände in seiner geliebten Heimat offenzulegen. Und so gelingt es dem Autor, der seine Werke ausschließlich auf Afrikaans schreibt, dem Werk eine hohe politische Note zu geben. Kritisiert wird vor allem das sogenannte State Capture, die systematische Korrumpierung staatlicher Strukturen, die unter Präsident Zuma zur Gewohnheit wurde. Der vorangegangene Freiheitskampf des ANC, der sogenannte Struggle, hatte höhere Ziele, doch wer nicht mitspielt fliegt raus. So einfach kann Politik sein und daher versammeln sich alte Kämpfer und ehemals hohe Funktionäre des ANC, um sich des Präsidenten zu erledigen.

Spannend, actionreich, politisch, ausdruckstark erzählt; dazu Griessel und Cupido. So lauten die bekannten, aber nach wie vor wirkungsvollen Ingredienzien des neuen Romans von Deon Meyer. Anspruch und gute Unterhaltung verbinden sich hier vortrefflich.

Cover © Aufbau Verlag

Wertung: 13/15 dpt


Über den Autor

Jörg Kijanski

Großer Krimifan seit Jugendzeiten, zudem seit 2005 vor allem als Redakteur für die Krimi-Couch und Histo-Couch tätig. Inzwischen haben sich über tausend Rezensionen angehäuft. Neu seit Sommer 2019 auch bei booknerds.de am Start.

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Deon Meyer – Beute (Buch)

von Jörg Kijanski Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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