NOFX - Single Album (© Fat Wreck Chords)
NOFX – Single Album (© Fat Wreck Chords)

NOFX veröffentlichten kürzlich ihr 14. Studioalbum nach fast 40 Jahren Bandgeschichte. Wir haben uns das Ganze mal angehört. Punkrock? Meint: Ist es das noch? Also, Punk(rock). Oder ist es ziemlich egal? Und wenn ja, warum?

NOFX haben mit “Single Album” ihren vierzehnten Longplayer in einer fast vierzigjährigen Bandgeschichte veröffentlicht. Beschrieben ist das Album in aller Kürze vom Label mit (sinngemäß): sechs-minütiger Post-Hardcore Opener, eine Meta-Version des bekanntesten Tracks der Band (“Linoleum”; hier: “Linewleum”) und sogar eine Piano-Ballade namens “Your Last Resort”. Außerdem suggeriert der letzte Satz “Move over Punk in Drublic, there’s a new fave in town”, dass das neue Studioalbum das Kult-Album ablösen wird.

“Fish In A Gun Barrel” hat Reggae-Einflüsse, dreht sich inhaltlich aber um ein “mass shooting” und Frontmann und Bassist Fat Mike beschreibt das Werk ganz einfach als „ein düsteres Album“. Und das kann man durchaus so stehen lassen. Ausschließlich gute Laune bekomme ich davon nicht. Und es geht im Gehörgang auch sehr schlecht rein beziehungsweise durch. Ungefähr so gut, wie Fischgräten mit Widerhaken. Es fühlt sich nicht gut an, diesen Longplayer zu hören. Es ist ein zähflüssiges, schwarzes Etwas, dass ins Gehör will, um dann alle weiteren Bereiche einzuschwärzen, dich hinunterzuziehen und alleine zu lassen. Während sich die Stücke immer wiederholen.

Des Frontmanns Eigenheiten wie die Drogensucht werden ziemlich deutlich dargestellt. Wie in “Birmingham” als ein Moment der Klarheit eingesetzt hat. “Grieve Soto” behandelt den Tod von Adolescents-Gründer Steve Soto.

“That was a clarity moment in my life when I was by myself, and the sun’s coming up, and I’m scraping cocaine off the floor, like, ‘Eww, gross. I shouldn’t be doing this,’” erzählt Mike. “So what did I do? I ordered more.” Das Resultat war eine schmerzhafte Erfahrung in Form von einem Krankenhausaufenthalt wegen eines blutenden Geschwürs. Außerdem gab es Im Herbst 2020 einen Rehab-Aufenthalt und seitdem war/ist Fat Mike clean.

Nicht verwunderlich, dass es ein sehr persönliches Album darstellt. “Fuck Euphemism” greift Mikes Sexualität auf. Bei “Doors And Fours” handelt es sich um eine düstere Retrospektive auf die frühere 1980er-LA-Punk-Szene. Damals starben viele Menschen an einer Überdosis. Viele davon auch aus Mikes Freundeskreis.

Und der sechsminütige Track zu Beginn? Nennt sich “The Big Drag” und es handelt sich dabei um ein Stück zur Aufmunterung immer das Beste aus sein Leben zu machen. “It’s one of my favorite NOFX songs ever. I don’t get sick of listening to that song. No measure is the same length. Every time a new chord change happens, there’s a different rhythm to the guitar. The bass never stays on one note. You’re not sure when the chords are going to change because they always change at a different point.”

Und die Platte? Die Musik? Es ist NOFX. Man erkennt es am Gesang. Aber: Die Erwartung, dass es wie früher klingt, gute Laune verbreitet. Das ist eine, die nicht erfüllt wird. Nicht erfüllt werden muss. Es ist Punkrock aber es hat auch verschiedene Einflüsse. SoCal-Punk, ja klar. Aber die depressive Version davon. Eine Platte zu der man pogen kann – während einer bescheidenen Phase, um dann wahrscheinlich weinend, Arm in Arm mit verschwitzten Menschen, die gerade noch gute Laune hatten in der Menge zu stehen. Oder alleine zu Hause. Es gibt einige Überraschungen auf diesem Longplayer, die ich so, nach vielen Jahren ohne NOFX, nicht erwartet habe. Eigentlich das komplette Werk namens “Single Album”, das eigentlich ein Doppelalbum werden sollte.

Was nach einer Negativwertung anmutet, empfinde ich als ziemlich interessant. Vielleicht, weil mir selbst zu viele “Phasen” zuteilwerden in der ein solcher Output gelegen kommt. Eine musikalische Decke, ein Kumpel, ein Therapeut. Es ist nie verkehrt mehrere davon zu haben, zu kennen und entsprechend zu nutzen. Gutes interessantes Album mit vielen Überraschungen.

  • Interpret(en): NOFX
  • Titel: Single Album
  • Label: Fat Wreck Chords / Edel
  • Erschienen: 02/2021
  • Spielzeit: 36:19 Minuten
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite
  • Tracklist:
    • The Big Drag
    • I Love You More Than I Hate Me
    • Fuck Euphemism
    • Fish In A Gun Barrel
    • Birmingham
    • Linewleum
    • My Bro Cancervive Cancer
    • Grieve Soto
    • Doors And Fours
    • Your Last Resort

Wertung: 9/15 dpt


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