Martin Cruz Smith – Die Spur des Bären

Arkadi Renko ermittelt am Baikalsee

Die Spur des Bären
© C.Bertelsmann

1981 erschien „Gorki Park“, der erste Roman der Arkadi-Renko-Reihe, der bekanntlich ein Weltbestseller wurde. Zuletzt erschien 2013 der bis dahin achte Band aus dieser Reihe. In „Tatjana“ ermittelte Chefinspektor Renko seinerzeit den vermeintlichen Selbstmord der Enthüllungsjournalistin Tatjana Petrowna, die aus dem sechsten Stock in den Tod stürzte. Auf die Rückkehr jener Tatjana, die in Sibirien für einen neuen Artikel recherchierte, wartet Renko nun, im Januar 2019, vergeblich. Schnell entsteht bei ihm eine gewisse Unruhe, denn seine Freundin wollte unter anderem den milliardenschweren Oligarchen Michael Kusnezow porträtieren. Eine erste Spur führt Renko an den Baikalsee, genauer nach Irkutsk. Offiziell übernimmt er dabei den Auftrag seines Chefs, Staatsanwalt Surin, der ihn bittet einen tschetschenischen Möchtegern-Mörder zu verhaften und nach Moskau zu überführen. Surin selbst soll das Opfer des missglückten Anschlags gewesen sein. In Irkutsk stellt Renko schnell fest, dass der geständige Mörder unschuldig ist.

Die jährliche Revision steht bevor. Was soll ich über Sie sagen?“ „Sagen Sie ihnen, ich könnte ein größeres Büro gebrauchen.“ „Ich habe daran gedacht, Ihre mangelhafte Bereitschaft zu kollegialer Zusammenarbeit zu erwähnen. Finden Sie kollegiale Zusammenarbeit nicht wichtig, Renko?“ „Doch, absolut.“ „Warum sind Sie dann nicht dazu bereit? Ihre Kollegen sagen, manchmal konterkarieren Sie ihre harte Arbeit sogar.“ „Wenn das Beweismaterial nichts taugt, ja.

Renko findet Tatjana, die ihn jedoch auf Distanz halten möchte, da ihre Recherche noch nicht abgeschlossen ist. Das Auftreten ihres Freundes, einem Ermittler aus Moskau, ist in den ebenso reichen wie teils kriminellen Kreisen störend. Gemeinsam mit dem Burjaten Rintschin Bolot lernt Renko nicht nur Kusnezow, sondern auch dessen Freund und Geschäftspartner Boris Benz kennen. Ebenfalls ein milliardenschwerer Oligarch, der bei seinen Methoden nicht immer zimperlich ist. In den Weiten der Taiga geraten Renko, Tatjana und Bolot bald in große Gefahr.

Wie immer gibt es Einblicke in das gegenwärtige Russland

Sieht man sich den Verlauf der Reihe an, sie startete wie erwähnt 1981, müsste Renko so langsam im Rentenalter angekommen sein, wenn nicht dieses sogar bereits überschritten haben. Dies ficht den Autor Martin Cruz Smith, Jahrgang 1942, nicht an. Eine gute Nachricht für alle Freunde des Kultermittlers, denn Cruz Smith bietet altgediente Krimikost. Keine High-Tech-Waffen oder Internet, eigentlich kommt moderne Technik gar nicht vor. So geht es ermittlungstechnisch gemächlich zu, was Mordanschläge und Morde in der Folge keinesfalls ausschließt.

Die Oligarchen Kusnezow und Benz haben sich im Gefängnis kennengelernt. Benz saß wegen Fälschungen, Kusnezow wegen seiner politischen Aktivitäten. Nicht zuletzt will er bei der nächsten Wahl gegen Präsident Putin antreten. Dies ermöglicht Einblicke in das Innenleben Russlands, den Kampf gegen Kriminelle sowie gegen Oppositionelle. Zudem sind beide Oligarchen im Ölgeschäft tätig, bei dem es um Milliarden geht … und um eine gewaltige Zerstörung der Natur.

Seit er aus dem Gefängnis gekommen ist, bildet er sich ein, er sei ein Reformer, ein neuer Tolstoj.“ „Es gibt schlimmere Einbildungen.

Die Dialoge mit beziehungsweise die Kommentare von Renko waren in der Vergangenheit schon deutlich bissiger, fast meint man, er wäre ein wenig altersmilde gestimmt. Doch der Schein trügt, denn zumindest sein Chef und Intimfeind Surin lässt ihn noch immer zur Hochform auflaufen. Für Fans der Reihe ist „Die Spur des Bären“ ein weiter Pflichtkauf, wer sich für Krimis, die in autoritären Regimen spielen, interessiert oder ein Faible für Russland hat, greift ebenfalls zu. Die Handlung spielt in Moskau, Irkutsk, der ehemaligen Gefängnisstadt Tschita, am und auf dem Baikalsee sowie in den Weiten der Taiga.

Das Sibirische Dilemma

Wie der Titel vermuten lässt, spielen Bären eine Rolle. So viel sei verraten, den Kampf gegen einen Bären kann Renko nicht gewinnen, allenfalls überleben. Auch das sogenannte Sibirische Dilemma spielt eine nicht unwesentliche Rolle. Dieses entsteht, wenn man auf einem zugefrorenen See einbricht. Wie sich verhalten? Bleibt man im Wasser stirbt man nach wenigen Minuten, steigt man (sofern möglich) hinaus, erfriert man und stirbt noch schneller. In das größte Dilemma stürzt Renko allerdings einmal mehr durch seinen Chef Surin.

  • Autor: Martin Cruz Smith
  • Titel: Die Spur des Bären
  • Originaltitel: The Siberian Dilemma. Aus dem Englischen von Rainer Schmidt
  • Verlag: C.Bertelsmann
  • Umfang: 268 Seiten
  • Einband: Taschenbuch
  • Erschienen: Juni 2021
  • ISBN: 978-3-570-10418-7
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite


Wertung: 12/15 dpt


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