Satanic Panic

Die freundliche, etwas unbedarfte Sam hat wenig Erfolg als Songwriterin mit dem Sehnsuchtsort Australien und verdingt sich als Pizzabotin. Die ersten Aufträge bringen kein Trinkgeld, stattdessen zusätzliche Arbeit, und so ist Sam froh, als sie eine Bestellung aus einem Villenviertel übernehmen kann. Doch auch dort hält man wenig von korrekter Entlohnung (weshalb werden die Reichen wohl immer reicher?). So will Sam eine Bonuszahlung über die Hintertür eintreiben. Keine gute Idee, führt der erschlichene Weg Sam mitten hinein in eine satanische Orgie. Wie es der Zufall will, benötigen die Satansjünger eine Jungfrau, die den beschworenen Baphomet zur Welt bringt. Judi, das eigentlich dafür vorgesehene Töchterlein der Oberpriesterin Danica Ross hat ihre Jungfräulichkeit in der Nacht zuvor bereits anderweitig geopfert. Wie sich schnell herausstellt, ist Sam eine passende Aspirantin.

Doch Sam möchte nicht als Leihmutter von Satans Gnaden enden, und befindet sich deshalb, mit ein bisschen unfreiwilliger Hilfe von Danicas liebestollem Gatten (Kurzauftritt Jerry O’Connell, dem Rebecca Romijn – O’Connells Gattin im echten Leben – blutig an die Gurgel geht), bald auf der Flucht vor einer Bande streitlustiger Satanisten.

Die, zum Glück für Sam, die Eigenheit haben, sich auf dusselige Weise selbst oder gegenseitig ins Jenseits zu befördern. Während der Verfolgungsjagd befreit die junge Frau Judi aus den Klauen teuflischer Babysitter, und fortan spielt man gemeinsam in der Villengegend Verstecken. Was durch einige magische Tricks erschwert wird. Da gleichzeitig eine Rebellion im Satanistenzirkel ausbricht, wird das Tohuwabohu immer größer und Sam hat alle Hände voll zu tun, sich ihrer Haut zu erwehren. Nur um zum Finale festzustellen, dass auch die Hölle eine ganz eigene Rang- und Prioritätenliste hat, die Teufelsgläubige besser respektieren sollten. Und dann ist da noch die Sache mit dem Salzmangel.

“Satanic Panic” ist einer dieser Filme, die in keiner Hinsicht herausragend sind, die aber als knuffige Unterhaltung zum launigen Bierabend vorm geneigten Publikum passabel funktionieren.
Hayley Griffith gefällt als sympathische Hauptfigur Sam, die mit Matthew Modines Tochter Ruby (Judi) ein stimmiges Duo als Mamsels in Distress abgibt. Gerade weil die beiden Charaktere augenscheinlich nicht zusammenpassen. Da ist zum einen die verwöhnte Göre, die mit ihrem Machtverlust klarkommen muss, zum anderen die burschikose Werktätige, die sich unvorbereitet in einer Alptraumwelt wiederfindet. Wo sie mit dem Chaos ihres eigenen Lebens schon genug zu bewältigen hat.

Die durchgehend weibliche Perspektive ist eine der Stärken von “Satanic Panic”. Männer sind kaum mehr als Zierrat, notgeile Deppen oder willfährige Opfer – manchmal auch alles zusammen. Frauen haben die Macht oder besitzen wie die ungekünstelte, ewig verwunderte Sam das Glück der Lauteren, um ein teuflisches Zirkeltraining zu überstehen. Auf der Gegenseite stehen Rebecca Romijn, die ihre Hohepriesterin Danica äußerst lustvoll angelegt hat sowie ihre Widersacherin Arden Myrin mit dem wunderbaren Namen Gypsy Neumieir, die selbst oberstes Teufelsliebchen sein möchte. Beiden fähigen Akteurinnen hätte man mehr gewitzte Oneliner und pfeffrige Screwball-Dialoge gewünscht. Hier schwächelt “Satanic Panic”, denn die verbale Gagdichte ist nicht sonderlich hoch, die besten Pointen finden auf der visuellen Ebene statt. Was nicht verkehrt ist, aber auch dafür muss man ein bisschen Geduld aufbringen, denn der Film vertändelt einen Teil seiner dezenten Spielzeit mit gepflegtem Leerlauf. Langeweile kommt zwar keine auf, aber Spannung und ein Comedygewitter bleiben aus.

Ansprechend ist hingegen die knallig-bunte Farbgebung, bei der die Farbe Rot, in jeder Hinsicht, dominiert.
Ein bisschen gesplattert wird nämlich auch zwischendurch. Durchaus deftig, aber von bewusster Künstlichkeit, sodass der Spaß am Blut- und Eingeweidemantschen überwiegt. Inklusive solch bekloppter Ideen, einer Babysitterin einen Bohrer als Umschnalldildo zu verpassen. Für sexuelle Spielereien ist das Teil komplett untauglich, als Drehspieß der besonderen Art zeigt es aber blutige Wirkung. Wie wir alle wissen: Die meisten tödlichen Unfälle passieren im Haushalt.

Aufgrund des knapp kalkulierten Budgets mit Fangoria-Beteiligung bleibt die Zahl der Drehorte überschaubar, doch für die Versinnbildlichung der Vorstadthölle, in der ganz unmittelbar der Klassenkampf tobt, reicht es, dank der Kreativität der Regisseurin und der gelungenen Kameraarbeit aus. Der pulsierende Soundtrack, mit ganz leichtem, funky John Carpenter-Touch, sorgt ebenso dafür, die ein oder andere Durststrecke stilgerecht zu überstehen.

Eine mittlere Katastrophe ist die deutsche Synchronisation. Nicht ganz so schlimm wie das monotone Sprachmassaker bei der belgischen Zombie-Komödie “Yummy”, klingt die deutsche Tonspur stellenweise nach dem Vorlesen von Beipackzetteln. Ganz übel hat es Ruby Modine erwischt, die von Synchronregie und Sprecherin schmählich im Stich gelassen wird. Verwunderlich, wenn man bedenkt, dass anscheinend keine zufällig vorbeistromernden Passanten vor die Mikrofone geholt wurden, sondern Schauspieler*innen, die laut Eigenauskunft vom Fach sind. Deshalb die dringende Empfehlung, “Satanic Panic” mit dem genießbareren Originalton zu schauen.
Cover & Szenenfotos © Tiberius Film

  • Titel: Satanic Panic
  • Originaltitel: Satanic Panic
  • Produktionsland und -jahr: USA, 2019
  • Genre: Horror, Comedy, Splatter
  • Erschienen: 08.04.2021
  • Label: Tiberius Film
  • Spielzeit:
    85 Minuten auf 1 DVD
    89 Minuten auf 1 Blu-Ray
  • Darsteller:
    Hayley Griffith
    Rebecca Romijn
    Ruby Modine
    Arden Myrin
    Jerry O’Connell
  • Regie: Chelsea Stardust
  • Drehbuch: Grady Hendrix
    Ted Geoghegan
  • Kamera:
    Mark Evans
  • Musik: Wolfmen Of Mars
  • Extras: Trailer, Trailershow (The last frontier, The honeymoon experiment, Der Knecht, Ravage – Einer nach dem anderen)
  • Technische Details (DVD)
    Video:
    6:9, 1,85:1
    Sprachen/Ton
    :
    D (Dolby Digital 5.1), D (DTS 5.1), GB (Dolby Digital 5.1)
    Untertitel:
    D
  • Technische Details (Blu-Ray)
    Video:
    1920x1080p (1.85:1)
    Sprachen/Ton: D, GB (DTS-HD MA 5.1)
    Untertitel: 
    D
  • FSK: 18
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite


    Wertung: 8/15 dpt


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