Die In A Gunfight (Film)

William Shakespeare scheint unverwüstlich zu sein. So folgt die neonbunte Ballade “Die In A Gunfight” offenkundig “Romeo und Julia”. Inszeniert mit eigenem Gestaltungswillen und begrenztem Budget von Collin Schiffli, der in seinen vorherigen Filmen “Animals” und “All Creatures Here Below” bereits heikle Liebesbeziehungen unter die Lupe genommen hat. Allerdings wesentlich düsterer und näher an der Realität.
“Die In A Gunfight” vereint Zeichentricksequenzen (etwas grobschlächtig, aber durchaus gelungen) mit Live-Action (letzteres klein geschrieben) und einem Off-Sprecher (im Original Billy Crudup), der Offensichtliches noch einmal erzählt oder vorwegnimmt.

Ben Gibbon und Mary Rathcart stammen aus verfeindeten, schwerreichen Familien. Irgendwann hat ein Vorfahr den anderen bei einem Duell erschossen, seitdem ist man sich nicht mehr grün. Ben ist der Bad Boy der Familie Gibbon, er prügelt sich gern und stiehlt Klamotten auf Partys, um sie anschließend an Bedürftige zu verschenken. Zwischendurch träumt er davon, seinem autoritären Vater im Affentanz zu demütigen.

Mary revoltiert ebenfalls gegen ihre Sippe, fliegt von jeder Privatschule, die sie besucht und lernt als Teenagerin Ben kennen und lieben. Dann wird sie nach Paris an die Sorbonne verbannt. Briefe bleiben unbeantwortet, die Beziehung erlischt, bis sie nach Marys Rückkehr wieder aufflammt. Sehr zum Missvergnügen der Altvorderen und Marys Verehrer Terrence, der als Problemlöser für die Rathcarts arbeitet und selbst ein Auge auf die smarte Tochter geworfen hat. Über Terrence kommt auch der etwas durchgeknallte Killer Wayne ins Spiel, der mit seiner Gattin Barbie eine Whistleblowerin aus dem Weg räumen soll, die das Imperium der Rathcarts zu Fall bringen könnte. Natürlich kommt vieles anders als erwartet (für die Beteiligten, nicht die Zuschauer), die Wege der Beteiligten kreuzen sich und der Gunfight des Titels kündigt sich an.

Bis dahin ist es ein langer, beschwerlicher Weg. Man parliert miteinander, ohne das Erhellendes dabei rauskäme. Kleinere Konflikte werden hastig mittels körperlicher Gewalt ausgetragen, ein paar Schüsse fallen auch. Doch hauptsächlich wird verbal miteinander gerungen. Und vom Off-Erzähler erläutert. Das zieht sich, während die Handlung unbeirrt aufs Finale in einer Kirche zuläuft. Da grüßt natürlich Quentin Tarantino mehr als einmal von Ferne, während farbtechnisch Baz Luhrmann gefällig bedacht wird. Doch bleiben Action, Witz und kluge Dialoge ständig auf Sparflamme.

“Die In A Gunfight” ist ein Film der ständigen Behauptungen. Die Bedrohung des Firmenimperiums der Rathcarts spielt irgendwann keine Rolle mehr, der Streit zwischen den Generationen wird nicht wirklich effizient oder zumindest mit Nachdruck ausgetragen. Alles regelt sich irgendwie von selbst und man nimmt den End-Twens Mary und Ben die juvenile Trotzphase nicht ab. Nach dem Finale gibt es noch ein abruptes, wie angeklebt wirkendes Happy End. Danach herrscht Freude, dass der Film nach 90 Minuten vorüber ist.

Alexandra Daddario macht als Mary eine gute Figur wie üblich, völlig unklar bleibt, was sie am rotzlöffeligen Langweiler Ben, wenig charismatisch gespielt von Diego Boneta, eigentlich findet. Der gelangweilte Justin Chatwin als Terrence gibt eine marginal interessantere Figur ab. Trotzdem kein Heiratskandidat.

Die Elternschar bleibt unsympathisches Beiwerk. Am besten schneiden noch Travis Fimmel als kauziger Killer Wayne und seine Liebste Emmanuelle Chriqui ab. Aber das Drehbuch weiß trotz des klassischen Hintergrunds nicht viel mit ihnen anzufangen.

Die visuelle Gestaltung hat einige nett anzusehende Settings und Einstellungen zu bieten, der Soundtrack ist sogar sehr gelungen, doch insgesamt plätschert der Film in relativer Ödnis dahin, da können auch der exzellente Vorlagengeber William Shakespeare und die immer gern gesehene Frau Daddario wenig helfen. “Die In A Gunfight” bleibt eine müde “Romeo und Julia”-Paraphrase mit einigen, (zu) wenigen, sehenswerten Momenten.

Cover und Szenenfotos: © Constantin Film Verleih GmbH

  • Titel: Die In A Gunfight
  • Originaltitel: Die In A Gunfight
  • Produktionsland und -jahr: USA, 2020
  • Genre: Action, Drama, Romantik, Komödie
  • Erschienen: 14.10.2021
  • Label: Constantin Film
  • Spielzeit:
     88 Minuten auf 1 DVD
    92 Minuten auf 1 Blu-Ray
  • Darsteller: Diego Boneta
    Alexandra Daddario
    Justin Chatwin
    Travis Fimmel
    Emmanuelle Chriqui
    Billy Crudup (Off-Erzähler, Original)
  • Regie: Collin Schiffli
  • Drehbuch: Andrew Barrer
    Gabriel Ferrari
  • Kamera: Magdalena Górka 
  • Schnitt: Amanda C. Griffin
  • Musik: Ian Hultquist
  • Extras: Deleted Scene, Behind The Scenes, Trailershow
  • Technische Details (DVD)
    Video:
    16:9; 2.39:1
    Sprachen/Ton
    :
    Deutsch Dolby Digital 2.0
    Stereo Deutsch, Englisch Dolby Digital 5.1 AC-3
  • Untertitel: D
  • Technische Details (Blu-Ray)
    Video:
    1920x1080p (2.39:1) @23,976 Hz
    Sprachen/Ton
    : Deutsch DD 2.0, Deutsch, Englisch DTS-HD HR 5.1
  • Untertitel: D
  • FSK: 16
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite
    Erwerbsmöglichkeiten


    Wertung: 7/15 dpt


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