Cornelia Fink, Autorin von „Der Weg hinter die Spiegel“, studierte Pädagogik und Psychologie an der Universität Würzburg sowie Gesang und Schauspiel an der Musikhochschule Würzburg. Die Autorin ist außerdem als Sängerin, Schauspielerin, Regisseurin, Stimm-Coach, Referentin und Gesangspädagogin tätig.

Sie erzählt die Entstehungsgeschichte zu ihrem ersten Buch:

2019 war das traurigste Weihnachten meines Lebens. Meine Tochter hatte im Mai desselben Jahres nach einem heftigen Streit den Kontakt vollständig mit mir abgebrochen – ich wusste nicht wie es ihr ging, wo sie war und ob wir uns jemals wiedersehen würden.

Am Heiligen Abend saß ich einsam am Tisch, vor mir der Weihnachtsbaum mit den brennenden Kerzen und in meiner Hand das Manuskript eines Buches, das wir während unserer „guten Zeiten“ gemeinsam 2011 begonnen hatten zu schreiben. Damals waren wir uns sehr nah gewesen, wie auch die 18 Jahre davor. Als alleinerziehende Mutter ist es nicht immer leicht alles richtig zu machen, aber irgendwie hatte wir es ganz gut hingekriegt – dachte ich jedenfalls. Ich hatte nicht gespürt, dass es in den letzten Jahren für sie schwieriger geworden war mit mir zusammenzuleben und das sie sich unverstanden fühlte. Ich hatte versäumt sie rechtzeitig loszulassen und ihr zu vertrauen, dass sie auch ohne mein ständiges Da-Sein ihren Weg gehen würde. Ich hatte ihr vielleicht nie richtig zugehört.

Auch nicht als sie, nachdem wir 2016 unser Buchprojekt zu Ende gebracht hatten, es nicht zur Veröffentlichung freigeben wollte mit den Worten „Irgendwas im 4.Teil stimmt nicht und den Schluss finde ich einfach schrecklich.“ Ich hatte es nicht hören wollen. Ich fand es perfekt  und ich war auch nicht bereit, darüber zu diskutieren. So landete das Manuskript in der Schublade und wurde vergessen. Nach unserem Streit war es die einzige Verbindung zu ihr, die mir geblieben war. Die Qual der letzten Monate saß mir tief im Herzen. Meine Wut auf sie war einer inneren Verzweiflung gewichen, doch irgendetwas musste ich tun, um nicht verrückt zu werden. Jetzt war ich endlich bereit, mich in ihre Schuhe zu stellen und zu versuchen, wenigstens zu verstehen, was ihr damals in dem Buch nicht gefallen hatte. Vielleicht würde ich so auch ihrer Entscheidung den Kontakt mit mir abzubrechen auf die Spur kommen. Über das Buch wollte ich ihr nah sein und war nun bereit, nicht nur in, sondern auch „hinter die Spiegel“ zu schauen.

Es begann eine intensive Zeit der Selbstreflexion und der Erkenntnis, dass jeder bei sich selbst anfangen muss, wenn er etwas verändern will. Ich jedenfalls wollte herausfinden, woher unsere Diskrepanzen gekommen waren und vor allem, welchen Anteil ich selbst daran hatte. Schritt für Schritt fand ich Antworten. Ich fand sie nicht zuletzt in dem Buch. Ich arbeitete mich Wort für Wort noch einmal durch das Skript und als ich im 4. Teil angekommen war, begann ich plötzlich zu „sehen“, was meine Tochter damals so gestört hatte. Mir wurde klar, dass ich hier die Chance bekam, einen neuen Weg zu gehen. Egal ob er zu ihr zurückführen würde. Ich war bereit, der Wahrheit über mich selbst ins Gesicht zu sehen. Vielleicht muss man an dieser Stelle wissen, dass unser Buch „Der Weg hinter die Spiegel“ heißt, von einer Transformation handelt und der 4. Teil den Titel „Die Liebe“ trägt.

Wir hatten über Liebe geschrieben, aber keine von uns beiden hat damals zu diesem Begriff einen wahrhaftigen Inhalt gehabt. Wir schrieben über bedingungslose Liebe, während gleichzeitig unsere Liebe zueinander mit Bedingungen und Wertungen durchzogen war. Erst die Trennung half mir zu verstehen, was ich verloren und welchen Anteil ich selbst daran hatte. Ich musste wahrhaft weit zurückgehen, um zu erkennen dass meine Tochter für mich zu einer Art Sucht geworden war. Ich nutzte sie, um mich selbst nicht spüren, mir selbst nicht ins Gesicht sehen zu müssen. Solange sie mit ihren Problemen mein Dasein ausfüllte, war ich nicht gezwungen, mich mit mir selbst auseinanderzusetzen. Ich konnte mich in ihr spiegeln. Ich lebte durch sie. Was für ein Wahnsinn!

Es brauchte viele Stunden und viel radikale Ehrlichkeit mit mir selbst, um aus diesem finsteren Tunnel der Selbsterkenntnis herauszukommen und das Licht am Ende desselben erkennen zu können. Dann aber war ich in der Lage, das Buch ab dem 4.Teil noch einmal ganz neu zu schreiben. Jetzt spürte ich Liebe ohne Bedingungen. Denn wie hätte ich Bedingungen stellen können? Meine Tochter war ja nicht mehr da. Das eigenartige an dieser Erkenntnis war, dass es mich nicht traurig machte, sondern frei. Ich konnte das Verhalten meiner Tochter plötzlich verstehen, ja, ich war ihr dankbar dafür, dass sie den Mut gefunden hatte zu gehen. Ich wäre sonst in mir selbst gefangen geblieben. So erkannte ich am Tiefpunkt meines Schmerzes mein größtes Geschenk. Und im März 2020 erhielt ich schließlich eine Nachricht mit einem noch größeren. Ich war Großmutter geworden, und sollte das Kind sehen dürfen!

Durch Corona dauerte es einige Monate, bis eine sanfte erste Annäherung möglich wurde. Und viele Monate mehr, in denen nicht wirklich klar war, ob wir es schaffen würden je wieder „ganz normal“ miteinander umzugehen. Weihnachten 2020 fand ich den Mut meiner Tochter zu eröffnen, dass ich während unserer Trennungsphase das gemeinsame Buch nochmal überarbeitet hatte und sie war damit einverstanden das ich es einen Verlag suchen würde. Ich glaube zu dem Zeitpunkt war es ihr egal, denn ihre eigene Verbindung zu dem Buch schien nicht mehr da zu sein.

Im Februar 2021 war es dann tatsächlich so weit. Wir bekamen eine Zusage. Schnell erkannte ich jedoch, dass es nicht möglich sein würde, das Buch verlags- und druckfertig zu machen, ohne die Mithilfe meiner Tochter. Die Geschichte basiert auf einer Vision von ihr, sie trägt gewissermaßen ihre Essenz, ihre Schwingung, während mein Part darin bestanden hatte, alles in die richtigen Worte und Geschichten zu „verpacken“. Außerdem war in ersten Phase des Schreibens eine zweite Parallelgeschichte dazugekommen, die sich fast magisch durch mich in den Urtext meiner Tochter hineinschrieb, und ohne die das Buch niemals vollständig gewesen wäre. Die beiden Geschichten waren so eng miteinander verwoben, und trugen jede auf ihre Weise unterschiedliche „Energien“, dass uns schnell klar wurde – wir mussten dieses Buch gemeinsam vollenden. So begann nun die vielleicht härteste Zeit in dem gesamten Prozess, denn wir spürten sehr schnell, welche Herausforderung wir hier angenommen hatten. Wir lebten zu dieser Zeit ja noch „auf zwei Planeten“. Wir waren nicht mehr die „Einheit“ von 2011. Doch genau diese Tatsache sollte uns am Ende zum Segen werden.

Noch einmal gingen wir gemeinsam Wort für Wort durch den Text, stellten Passagen um, fügten Neues ein, strichen Vieles weg und spürten anfangs gar nicht, wie wir alle Prozesse der zwei Hauptcharaktere noch einmal gemeinsam durchschreiten mussten und dabei dem vielleicht größten „Schlüssel“ unserer Beziehung zueinander auf die Spur kamen.

Wir fanden heraus, dass wir für dieselben Worte nicht dieselben Inhalte hatten. Deshalb all die Missverständnisse und das Gefühl, aneinander vorbeizureden – eben „nicht verstanden zu werden“. Wir begannen über alle wesentlichen Begriffe und Aussagen in unserem Buch noch einmal ganz neu nachzudenken – es wurde fast ein Sport daraus -, und mit jedem Mal kamen wir uns näher. Wir mussten beide lernen, wo der jeweils andere seine Grenzen hat, an dem das eigene „Land“ aufhört und das andere beginnt. Dass eben nicht jede Welt so aussieht wie die eigene.

Wir begannen, uns als Mutter und Tochter eine neue Chance zu geben, was zu Versöhnung führte über das Verständnis und den ebenfalls neu gewonnenen Respekt füreinander. Bis heute gehen wir behutsamer miteinander um. Jeder in seinem eigenen Raum. Mit dem Abstand, der uns guttut. Besonders in denen Momenten, wo es wieder „knirscht“. Denn wir bleiben ja zwei eigenständige Personen.  Alles das, was wir auf unserer „zweiten Reise“, auf unserem gemeinsamen „Weg hinter die Spiegel“ erfahren, erlebt und erkannt haben, kam am Ende nicht nur dem Buch zugute. Nein, wir selbst erfuhren, dass es sich lohnt, niemals aufzugeben. An diesem Weihnachtsfest werden wir Frieden zwischen uns haben und „die Geburt“ einer ganz neuen Art miteinander umzugehen, uns zum Geschenk machen.

Mittlerweile hat das Buch auch bei anderen Menschen ähnliche Prozesse ausgelöst, und zu mehr Verständnis und Erkennen geführt. Vor allem aber haben die Leser durch das Buch und was ihnen beim Lesen widerfahren ist, begonnen Gespräche zu führen. Echte Gespräche, kein Austausch von Ansichten und Meinungen, ohne einander wirklich zuzuhören. Jeder spricht über seine persönliche Geschichte, die er in dem Buch gefunden hat, über sein verändertes Denken und was ihn angeregt hat eine neue Sicht zu entwickeln. Es entstehen verschiedenste Visionen und alle eint die Erkenntnis, wie unsere Welt immer etwas besser werden kann, wenn wir uns durch unterschiedliche Sichtweisen gegenseitig bereichern und die Meinung des anderen wirklich hören, anstatt immer weiter aneinander vorbei zu diskutieren. Die Leser mit denen wir gesprochen haben, wollen nun das Buch all jenen in diesem Jahr unter den Weihnachtsbaum legen, die ihnen selbst am Herzen liegen.

Das ist für uns das wirklich wahre Weihnachtswunder!

 

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