Der Jahresrückblick 2021 von Jasmina Driller

Das zweite Pandemiejahr liegt hinter uns und ein Ende ist nach wie vor nicht wirklich in Sicht. Es bleibt kaum etwas anderes übrig, als sich mit der Situation zu arrangieren und den Blick so oft wie möglich auf alles Schöne und Positive zu legen, das unseren Weg säumt. In Sachen Musik, Filme, Serien und Bücher gab es da glücklicherweise einiges, dass mir diese seltsame Zeit versüßt hat.

Musik

2021 geschah etwas, dass wohl kein Fan der besten Band der Welt je für möglich gehalten hätte: Die Ärzte veröffentlichten nur ein Jahr nach ihrem Album „Hell“ den Nachfolger „Dunkel“. Nicht vier, fünf oder drölfzig Jahre später, wie sonst üblich. Nein, nur ein Jahr! Und dann auch noch ein so großartiges Stück ärztlicher Musikalität. „Dunkel“ ist – der Name lässt es vermuten – düsterer und ernster als „Hell“. Mein absoluter Favorit: „Kraft“. Für mich als erklärte Wort-Liebhaberin hat Farin hier mal wieder ein Meisterwerk erschaffen.

„Worte zeigen uns, was möglich ist, erklären, wie es geht
Sie beschreiben Träume ebenso wie die Realität
Sie beginnen und beenden Kriege und Revolutionen
Existieren laut geschrien und auch völlig ohne Ton
Sie sind Waffen, sie sind Balsam, sie sind manchmal rätselhaft
Retten Leben, zeigen Wege, schlagen Brücken
Worte haben Kraft.“

Farin = Textgott. Punkt.

Ansonsten gab es nicht viel neue Musik in meinem Leben. Mein Fünfjähriger hat Peter Fox für sich entdeckt und so war das meistgehörte Album neben „Dunkel“ tatsächlich „Stadtaffe“.

Filme

2021 war für mich eher ein Serienjahr, aber ein paar Filme haben mich dank vielfältiger Streaming-Möglichkeiten dann doch ans Sofa gefesselt.

Nobody

Bob Odenkirk so gar nicht Saul’ig, sondern gewürzt mit einer Prise John Wick und garniert mit etwas Equalizer war ein großer Genuss. Ich liebe Revenge Movies und dieser war definitiv ein Highlight des Jahres!

Boss Level

Frank Grillo und Mel Gibson in “Boss Level”, © Leonine

Und täglich grüßt das Murmeltier mit viel Geballer, vielen Toten und einem großen Rätsel, das es zu lösen gilt. Diese actionreiche Zeitschleife mit Frank Grillo und Mel Gibson ist nicht überragend, aber kurzweilig und überaus unterhaltsam. Wie ein filmgewordenes Videospiel. Apropos…

Free Guy

Ryan Reynolds mit typischem Deadpool-Charme als der nette Typ von nebenan ist doch immer einen Filmabend wert. Nur, dass dieser nette Typ gar nicht echt, sondern ein NPC (Non Player Character) in einem extrem erfolgreichen Online-Rollenspiel ist. Eines Tages läuft allerdings etwas schief und Guy entwickelt ein eigenes Bewusstsein. Für mich einer der witzigsten Filme des Jahres.

Lego Movie 1 und 2

Witzig ist das nächste Stichwort. Dank ausgeprägter Lego-Leidenschaft des Nachwuchses waren die Lego Movies im vergangenen Jahr Pflichtprogramm. Und was soll ich sagen, ich weiß wirklich nicht, wer mehr Spaß dabei hatte und lauter gelacht hat – Sohnemann oder ich? (Psst: ich). Ohne Witz: Wenn ihr mal so richtig vor Lachen vom Stuhl fallen wollt, schaut diese Filme!

The Many Saints of Newark

Eine der besten Serien aller Zeiten ist ganz klar „The Sopranos“. Das Prequel zur Serie, das uns einen Einblick gibt, wie Tony Soprano zu dem Gangsterboss wurde, der er später war, gehörte für mich zu den am sehnlichsten erwarteten Filmen 2021. Im Dezember war es endlich soweit. Auch, wenn nicht Tony Soprano – grandios verkörpert von Michael Gandolfini, dem Sohn des viel zu früh verstorbenen James Gandolfini – im Mittelpunkt steht, sondern dessen Onkel, wird der Blick immer wieder auf den jungen Tony gerichtet. Wir erfahren viele Hintergründe, offene Fragen aus der Serie werden beantwortet und es fehlt auch nicht an Gänsehautmomenten. Für mich ganz großes Kino und ein gelungener Abschluss meines Filmjahres.

Serien

Die Auswahl der Serien, auf die ich hier zurückblicken möchte, war nicht einfach. Es waren doch recht viele, die über den heimischen Bildschirm flimmerten. Aber ich beschränke mich mal auf eine Top 5 in beliebiger Reihenfolge, wobei nicht alle genannten Serien auch Produktionen aus dem vergangenen Jahr sind.

How to sell drugs online (fast)

Nerdige Teenies werden dank einer Internetplattform zu erfolgreichen Drogendealern – und das ist von vorne bis hinten großartige Unterhaltung mit sympathischen Charakteren und überaus witzigen Details. Unbedingt empfehlenswert und wunderbar zum binge-watchen geeignet. Für mich die kurzweiligste Serie meines Serien-Jahres.

Das Rad der Zeit

© Amazon Studios

Zwar habe ich bei Weitem noch nicht alle Bücher der Fantasy-Reihe gelesen, aber die ersten Bände konnten mich schon komplett in ihren Bann ziehen. Einen Eindruck vom Inhalt des Epos habe ich vor längerer Zeit bereits in dieser Rezension (Rezension – Robert Jordan – Das Rad der Zeit 0. Der Ruf des Frühlings (Buch) – booknerds.de) gegeben. Die zugehörige Serienadaption ließ lange, sehr lange, auf sich warten und es war klar: Entweder wird sie fantastisch oder geht so richtig in die Hose. In meinen Augen ist glücklicherweise Ersteres der Fall. Natürlich gibt es einige Unterschiede zu den Büchern, aber die fallen – zumindest für mich – nicht allzu schwer ins Gewicht. Die Charaktere sind hervorragend besetzt, die Welt ist bildgewaltig inszeniert, die alles umgebende Magie wunderbar eingewoben. Ich freue mich auf die zweite Staffel und vergebe hier das Prädikat „Beste Buchadaption des Jahres“.

Undercover

Ganz offensichtlich können die Belgier verdammt gute Gangster-Serien auf den Bildschirm bringen. In „Undercover“ ermitteln zwei Undercover-Agenten auf einem Campingplatz gegen einen Drogenboss.  Geboten wird alles, was das Herz begehrt: Spannung, Intrigen, Action, Emotionen, Verstrickungen, unerwartete Wendungen, Charaktere zum Lieben und Hassen… Daumen ganz hoch für meine Serien-Überraschung des Jahres!

Stranger Things

Ja, ich bin spät dran, ich weiß. Aber besser spät als nie und der Vorteil am Nachzügler-Dasein ist, dass ich nicht lange warten musste, sondern alle drei Staffeln der Sci-Fi-Mystery-Serie rund um das Verschwinden des 12-jährigen Will, ein sonderbares Mädchen mit übersinnlichen Kräften und grausige Regierungsexperimente schön hintereinander wegsuchten konnte. Tja, ich kann den Hype verstehen. Anfangs noch skeptisch, war ich ganz schnell drin in den 80er-Jahren und habe mitgefiebert und mich gegruselt wie lange nicht mehr. Die dritte Staffel passte für mich nicht ganz zum Rest, aber die ersten beiden Staffeln… mein lieber Scholli!

Shameless (US)

In meinem kleinen Serienuniversum gab es im Jahr 2021 einen schweren Abschied. Shameless, die etwas andere Familienserie, feierte nach großartigen 10 Jahren ihr Finale.  

11 Staffeln lang habe ich mit den Gallaghers gelacht, geweint, gewütet, gehofft, geliebt, gelitten… Habe mich fremdgeschämt, war fassungslos, wollte sie alle manchmal einfach nur schütteln und dann wieder ganz fest umarmen. Ich habe in dem einen Moment breit gegrinst, um mich in der nächsten Szene fast am im Halse steckengebliebenen Lachen zu verschlucken. Diese Serie war eine einzige Achterbahnfahrt mit dem derbsten Humor und der wohl höchsten Dichte an Schimpfworten. Frank Gallagher, du alter Schmierlappen, du wirst mir wirklich fehlen!

Bücher

Ein Tag ohne eine gelesene Seite ist ein verlorener Tag. So ungefähr jedenfalls – denn irgendwie fühle ich mich unvollständig, wenn ich nicht wenigstens ein, zwei Kapitel am Tag lesen kann. 2021 war glücklicherweise auch wieder einiges dabei, was meine literarische Seele hat strahlen lassen.

Achtsam morden von Karsten Dusse

Achtsam Morden (Reihe) – Karsten Dusse

Ich suche ein Superlativ, das diese Reihe treffend beschreiben könnte – und finde keines. Selten hatte ich größeren Spaß beim regelrechten Verschlingen der Buchseiten. Allein dieser Wortwitz… Oftmals habe ich laut aufgelacht und meine Wangen schmerzten schon vom Dauergrinsen. Zugleich fehlt es nicht an Spannung, wenn Anwalt Björn davon erzählt, wie er aus Versehen, aber voller Achtsamkeit einen Mord begeht und seinen kriminellen Mandanten plötzlich sehr viel nähersteht als beabsichtigt. Originell, unterhaltsam, humorvoll und einfach wunderbar geschrieben!

Der Buchspazierer – Carsten Henn

Wer Bücher liebt, MUSS dieses Werk von Carsten Henn lesen, in dem ein ehemaliger Buchhändler besonderen Kunden ihre Bestellungen nach Hause bringt. Auf seinen Spaziergängen durch die Straßen der Stadt lernt er eines Tages ein kleines Mädchen kennen, dass nicht nur seine Welt auf den Kopf stellt. Das schönste Buch, das ich seit langem gelesen habe – so voller Liebe für Bücher und Geschichten. Ich habe jede Seite gefühlt und mir wurde ganz warm ums Herz. Bitte lesen! 

Disney mal anders

Hier fasse ich zwei Bücher zusammen: „Die Schönste im ganzen Land“ von Serena Valentino und „Die Chroniken von Peter Pan: Albtraum im Nimmerland“ von Christina Henry. Beide haben etwas gemeinsam. Sie erzählen altbekannte Geschichten aus Sicht der vermeintlichen Bösewichte. Ich kann nicht leugnen, dass meine schöne Disney-Welt hier ziemlich ins Wanken geriet. Dieser andere Blick auf Peter Pan und Schneewittchen hat mich ebenso fasziniert wie erschüttert. Auf meiner Liste für dieses Jahr stehen die weiteren Bücher der beiden Autorinnen ganz weit oben.

Das Licht ist hier viel heller – Mareike Fallwickl

Uff… Erschüttert hat mich auch dieses Buch. Es ist eine dieser Geschichten, die sich ins Gedächtnis einbrennen. Maximilian Wenger war einst ein erfolgreicher Schriftsteller, sonnte sich gern im Ruhm und scherte sich nie wirklich um seine Mitmenschen. Demgegenüber steht seine Tochter Zoey, die sich immer weiter von ihm entfernt. Unabhängig voneinander lesen beide Briefe, die an Wengers Vormieter adressiert sind. Briefe voller Liebe und Schmerz, voller Verzweiflung und Wut. Während Wenger nur seine Sensationslust im Sinn hat, sieht Zoey in den zugleich poetischen und schonungslosen Worten der fremden Frau Parallelen zu ihrem eigenen Leben.

Mich begeistern Büchern immer dann ganz besonders, wenn ihre Sprache mich das Gelesene wirklich fühlen lässt, mich ganz und gar gefangen nimmt, in ihre Welt entführt. Wenn nicht nur Worte aneinandergereiht werden, sondern jeder Satz ein kleines Kunstwerk ist. Nicht viele Autorinnen und Autoren haben diese Gabe, aber Mareike Fallwickl ist definitiv eine davon.

Aus Schwarzem Wasser – Anne Freytag

Auch Anne Freytag hat eine ganz eigene, wundervolle Art, ihre Geschichten zu erzählen. „Aus Schwarzem Wasser“ punktet zusätzlich mit einem eher ungewöhnlichen Inhalt. „Du kannst niemandem trauen, sie stecken alle mit drin“ sind die letzten Worte, die die Innenministerin an ihre Tochter Maja richtet, bevor sie mit ihrem Dienstwagen ungebremst in die Spree rast. Maja saß mit im Auto – und erwacht im Leichensack. Wie ist es möglich, dass sie überlebt hat, obwohl sie ganze 20 Minuten unter Wasser war und für tot erklärt wurde? Kurz nach dem Vorfall ereignen sich überall auf der Welt schreckliche Naturkatastrophen. Maja beginnt nachzuforschen und kommt einer schier unglaublichen Verschwörung auf die Spur.

Diese Mischung aus Sci-Fi und Thriller hat mir einige atemlose Stunden beschert.

Die Ärzte. 100 Seiten – Stephan Rehm Rozanes

Und ich ende, wie ich begonnen habe: mit Die Ärzte! Musikredakteur Stephan Rehm Rozanes hat sein eigenes Fandasein und viele Gespräche mit BelaFarinRod zum Anlass genommen, ein 100-Seiten-starkes Reclam-Büchlein voller Anekdoten zu schreiben. Ein sehr schönes Schmankerl für zwischendurch, dass mir immer wieder ein Lächeln ins Gesicht gezaubert oder ein zustimmendes Nicken entlockt hat. Die Liebe zur Band ist hier auf jeder Seite spürbar.

Nun bin ich gespannt, was 2022 für mich bereithält. All meine Hoffnungen liegen auf August, wenn ich, so Corona will, Die Ärzte in Berlin endlich wieder live erleben darf. Auf einen weiteren schweren Abschied muss ich mich schon jetzt vorbereiten – auch „Peaky Blinders“ findet nach sechs Staffeln in diesem Jahr ein Ende. Diese Serie zählt zu meinen Top 3 und ich vermisse Thomas Shelby bereits jetzt. Aus vergangenem Jahr nachholen muss ich in jedem Fall noch „Ghostbusters Legacy“. Und sonst? Wir werden es erleben…


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