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In “Was geschah mit Bus 670?” geht Magdalena der titelgebenden Frage auf den Grund. Ihr Sohn Jesús machte sich mit einem Freund von Mexiko auf nach Amerika um dort ein besseres Leben beginnen zu können.

Nachdem Magdalena seit zwei Wochen keine Nachricht erhalten hat, macht sie sich Sorgen. Ihr ist bewusst, dass die Busreisen in die Vereinigten Staaten von Amerika durchaus gefährlich sind und immer wieder Busse aufgehalten werden und die Insassen verschwinden oder getötet werden.

Ihre Reise führt sie immer weiter Richtung Grenze, zu verschiedenen Bus- und Polizeistationen, Flüchtlingsunterkünften und ein Rückschlag jagt den nächsten. Kaum jemand will mit Magdalena reden, sie möge die Situation akzeptieren und am besten umkehren.

Die Lage ist überall gefährlich und angespannt. Schon der leiseste Fehltritt könnte zu einer Eskalation führen, dies wird vor allem deutlich, wenn die Geschichte aus Miguels Sicht gezeigt wird. Er muss sich alleine und zu Fuß durchschlagen, nichtsahnend welche möglichen Gefahren in Nord-Mexiko auf ihn lauern. Am Weg zu seiner Mutter trifft er auf Magdalena, welche beide das selbe Schicksal teilen und auf der Suche nach ihren Liebsten sind.

All das wird in einem absolut reduzierten Sounddesign erzählt. Regisseurin Fernanda Valadez lässt vor allem die eindrucksvollen Bilder sprechen. Eine gefährliche Schönheit mit blutroten Sonnenuntergängen, Lagerfeuer und gleichzeitig das Elend und die Gewalt an jeder Straßenecke.

v.l. Rigo (Armando García), Jesús (Juan Jesús Varela)

Nachdem die Handlung beinahe ausschließlich aus Magdalenas Sicht erzählt wird, wissen die Zuseher*innen auch nicht mehr und haben somit auch keinen Wissensvorsprung. Im Gegenteil: als im späteren Verlauf ein Mann auftaucht, welcher nähere Hinweise zur Busfahrt hat, werden seine Erzählungen konsequent ohne Untertitel gezeigt. Magdalena versteht diesen Dialekt auch nicht und so können wir nur den verschwommenen Erinnerungen folgen. Allerdings spricht dieser von einem Teufel, der für den Tod Jesús Freund verantwortlich sei. Diese Sequenzen sind dann doch etwas abstrus und wirken nicht wirklich stimmig zur Gesamtdarstellung.

Gegen Ende des Films während der unerwarteten und zugleich brutalen Auflösung, wird es erstmals laut und disharmonisch.

In “Was geschah mit Bus 670?” sind nicht etwa Drogenkartelle oder US-Einwanderungsbeamte Thema, es sind Migranten und deren Angehörigen und welcher Profit mit deren Sehnsucht nach einem besseren Leben damit gescheffelt wird. Tristesse, Trostlosigkeit und pure Verzweiflung schwingen immer wieder in den knapp 100 Minuten mit.

Mercedes Hernández als Darstellerin der Magdalena möchte man zwischendurch einfach in den Arm nehmen. Allen Hindernissen zum Trotz, gibt sie nicht auf um zu erfahren, was mit ihrem Sohn geschehen ist.

Trotz oder aufgrund der langsamen und stillen Erzählweise, holt “Was geschah mit Buch 670?” das Publikum zu wenig ab. Viele Hintergründe bleiben verborgen oder werden nur grob angedeutet. Trotz der dramatischen Situation und der Verzweiflung der beiden, sind Magdalena und Jesús zu wenig greifbar um eine tiefere Bindung mit den Zuseher*innen aufzubauen.

Magdalena (Mercedes Hernández)

Vielleicht wollte die Regisseurin aber auch genau das erreichen: Gar nicht die Geschichte dieser beiden Menschen in den Vordergrund stellen, sonder generell die Problematik und die scheinbar schier unbeherrschbare Situation zu zeigen, wo Gewalt und Eskalation auf der Tagesordnung stehen.

Beim Sundance Festival 2020 wurde der Film mit dem Publikumspreis sowie mit dem Preis für das beste Drehbuch ausgezeichnet.

Fazit: “Was geschah mit Bus 670?” zeigt, in sehr langsamen Tempo, die verzweifelte Suche von Magdalena nach ihrem Sohn Jesús sowie die Gewalt und das Leid in Nord-Mexiko.

  • Titel: Was geschah mit Bus 670
  • Originaltitel:Sin Señas Particulares
  • Produktionsland und -jahr: Mexiko, Spanien 2020
  • Genre: Drama
  • Erschienen: 10.02.2022 (Kino)
  • Label: MFA
  • Spielzeit: 99 Minuten
  • Darsteller:
    Mercedes Hernández
    David Illescas
    Joan Jesús Varela
  • Regie: Fernanda Valadez
  • Drehbuch: Astrid Rondero
    Fernanda Valadez
  • Kamera: Claudia Becerril Bulos
  • Schnitt: Susan Korda
    Astrid Rondero
    Fernanda Valadez
  • Musik: Clarice Jensen
  • FSK: 16
  • Sonstige Informationen:
    Filmseite


Wertung: 11/15 dpt

Szenenfotos: © FONDO PARA LA PRODUCCIÓN CINEMATOGRÁFICA DE CALIDAD, CORPULENTA PRODUCCIONES S.A. DE C.V., AVANTI PICTURES S.A. DE C.V., NEPHILIM PRODUCCIONES, ENAGUAS CINE S.A. DE C.V. – México / España 2020. All rights reserved


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