Martin Michaud – In die Fluten der Dunkelheit (Buch)

Action-Kracher aus Kanada

In die Fluten der Dunkelheit
©Hoffmann und Campe

Victor Lessard hat beim Dezernat für Kapitalverbrechen gekündigt und arbeitet seitdem für den Sicherheitsdienst eines Casinos. Als der Enthüllungsjournalist Guillaume Lefebvre in einem Hochhaus erschossen wird, bittet ihn seine langjährige Partnerin Jacinthe Taillon um Hilfe. Widerwillig begibt sich Lessard zum Tatort, wo er keinesfalls seinem alten Chef begegnen darf. Doch der Fall weckt sein Interesse, denn der Reporter wurde offenbar durch einen Scharfschützen getötet, der sich auf dem Mont Royal befand, welcher wiederum über anderthalb Kilometer entfernt liegt.

Kurze Zeit später vertraut Ziehvater Ted unmittelbar vor seinem Tod Lessard ein Geheimnis an oder vielmehr einen Namen: Nikolai Komarov. Ein bekannter Klavierspieler, der sich mit Lessard in einem russischen Restaurant auf der Terrasse trifft. Von Komarov erfährt Lessard ungeheuerliches. Bislang glaubte Lessard, dass sein Vater Henri für General Electric arbeitete bevor er eines Tages ohne erkennbaren Grund seine Frau, zwei seiner drei Söhne und schließlich sich selber erschoss. Lessard kam etwas zu spät nach Hause, fand seinen Vater im Sterben liegend vor, erfasste die Situation und erwürgte Henri im Effekt. Seitdem ist Lessard von seiner eigenen Vergangenheit gefangen, die nun durch Komarov eine völlig neue Wendung erfährt.  

Afghanistan, Inuit, ein Inuksuk, Cyberangriffe und jetzt die Elfenbeinküste, Burkina Faso und Yako. Wirst Du daraus schlau?

Denn dieser erzählt, dass Henri im Kalten Krieg an einem geheimen Regierungsprojekt namens „Rote Flut“ beteiligt war. Eine Reihe linker Aktivisten sollte ausgehoben werden, doch Henri übergab eine Kopie der Liste an die Kommunisten und machte sich des Hochverrats schuldig. Mehr erfährt Lessard nicht mehr, denn plötzlich entspringen aus einem heraneilenden Van drei Männer und eröffnen mit Maschinengewehren das Feuer. Komarov stirbt an Ort und Stelle, Lessard kann sich verletzt in Sicherheit bringen.  

Es beginnt eine abenteuerliche Flucht und Jagd, an deren Ende Lessard mehr über seine Vergangenheit erfährt als er jemals wissen wollte

Wäre ein würdiger Serienabschluss

Nach „Aus dem Schatten des Vergessens“ und „Durch die Tore des Todes“ könnte der vorliegende Band ein würdiger Abschluss der Serie sein, die bislang aus insgesamt fünf Folgen besteht, von denen die ersten beiden bislang nicht ins Deutsche übersetzt wurden. Es gibt ein Wiedersehen mit zahlreichen bekannten Figuren und – wie angedeutet – intensive Rückblicke in Lessards Vergangenheit, der vor allem zu Beginn einen nachdenklichen Eindruck macht. Der Start ist auffällig ruhig, doch ist dies nur die bekannte Ruhe vor dem Sturm, der sich zu einem alles mitreißenden Orkan entwickelt.

Erst erschießen Elitescharfschützen vom Mont Royal aus einen Journalisten, dann taucht ein ganzes Tötungskommando auf und ballert mitten in der Stadt auf Lessard und einen Russen.“
„Dann haben wir noch ein Inuksuk aus Lapislazuli und einen Typen namens Yako, eine Recherche zum Thema Cyberattacken und…“
„… nirgends einen Scheißzusammenhang.

Man mag derartige Romane als hirnlosen Quark verunglimpfen, den Plot als wild konstruiert bezeichnen oder als sinnentleerte Actionorgie abtun; wer sich jedoch hiervon nicht abschrecken lässt, liest einen knallharten und durchaus packenden Actionkracher mit zahlreichen Wendungen. In Kanada ist die Serie übrigens sehr erfolgreich und wurde mit einigen Preisen ausgezeichnet. Und, ja, man muss es Autor Martin Michaud lassen, er versteht es, seine Leser mitzureißen, so dass man die rund 540 Seiten an zwei bis drei Tagen locker lesen kann. Kurze, knackige Kapitel und gut gesetzte Cliffhanger treiben voran. Dabei wird muss gewarnt werden: Wer die oben erfolgte Inhaltsbeschreibung schon als reichlich wirr bezeichnet, dem sei gesagt, dass es noch viel wilder wird. Allerdings soll an dieser Stelle nicht noch mehr vorweggenommen werden.

Zu erwähnen ist aber noch Lessards Partnerin, die „dicke Taillon“. Wie schon in den beiden Vorgängern gleicht Jacinthe mit ihren derb-irrwitzigen Sprüchen mitunter eher der Karikatur einer Polizistin, denn einer seriösen Ermittlerin. So kann man sich darüber wahlweise köstlich amüsieren oder genervt auf Erlösung hoffen. Aber egal wie lebensbedrohlich die Lage eskaliert, ein „lockerer“ Spruch ist immer drin.

Fazit: Action-Fans können zugreifen.

Hier finden Sie weitere Rezensionen zur Victor-Lessard-Reihe

  • Autor: Martin Michaud
  • Titel: In die Fluten der Dunkelheit
  • Originaltitel: Ghetto X. Aus dem kanadischen Französisch von Anabelle Assaf und Reiner Pfleiderer
  • Verlag: Hoffmann und Campe
  • Umfang: 541 Seiten
  • Einband: Taschenbuch
  • Erschienen: September 2021
  • ISBN: 978-3-455-01080-0
  • Produktseite  


Wertung: 11/15 dpt


Schreibe einen Kommentar

Hinweis: Mit dem Absenden deines Kommentars werden Benutzername, E-Mail-Adresse sowie zur Vermeidung von Missbrauch für 7 Tage die dazugehörige IP-Adresse, die deinem Internetanschluss aktuell zugewiesen ist, in unserer Datenbank gespeichert. E-Mail-Adresse und die IP-Adresse werden selbstverständlich nicht veröffentlicht oder an Dritte weitergegeben. Du hast die Option, Kommentare für diesen Beitrag per E-Mail zu abonnieren - in diesem Fall erhältst du eine E-Mail, in der du das Abonnement bestätigen kannst. Mehr Informationen finden sich in unserer Datenschutzerklärung.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Ähnliche Beiträge

Du möchtest nichts mehr verpassen?
Abonniere unseren Newsletter!

Total
12
Share