Stephan Bartels – Dicke Freunde (Hörbuch, gelesen von Christian Ulmen)

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Stephan Bartels - Dicke Freunde Cover © Random House AudioDer dreißigste Geburtstag ist doch durchaus ein Grund, ein wenig zu feiern. Das dachte sich auch Simon, der seine Freundin Katja von der Arbeit abholen möchte. Doch die Überraschung, die er zu seinem runden Wiegenfest vorfindet, ist nicht das, was er sich vorgestellt hat. Als er nämlich die Herrentoilette aufsucht, präsentiert sich ihm der Anblick seiner Frau, die sich gerade intensiv mit dem Gemächt eines Fahrradkuriers beschäftigt. Sie zeigt sich später wenig reumütig – stattdessen schiebt sie Simon die Schuld in die Schuhe, denn schließlich habe er sich in letzter Zeit so gehen lassen und fünfundzwanzig Kilo zugelegt.

Für Simon, der aufgrund einer Knieverletzung den Fußball aufgegeben hat, ist klar: Er muss raus aus dieser Wohnung, weg von Katja. Erst mal wieder zu Mutti, doch das entpuppt sich für ihn innerhalb kürzester Zeit als die absolute Hölle. Seine besorgte Arbeitskollegin Anke kann sich Simons Leiden nicht mit ansehen und führt ihn mit einem Kollegen aus der IT-Abteilung zusammen: Hotte, der noch mal etliche Kilogramm mehr auf die Waage bringt. Sie überredet die beiden, gemeinsam Diät zu machen – und dass Simon vorübergehend erst mal zu Hotte zieht. Nach einigen Bedenken seitens Simon sowie Hottes anfänglich ausbleibender Begeisterung gibt der gewichtige IT-Kollege nach, und die gute Seele von Kollegin gibt den beiden nun nach und nach Tipps, wie sie ihre überflüssigen Pfunde loswerden können. Hotte und Simon geben ihr Bestes – oder bemühen sich zumindest.

So versuchen sie sich in der im wahrsten Sinne des Wortes ätzenden Ananas-Diät, im Laufen, im Fasten und im Punktesammeln bei den Weight Watchers – die Abnehmodyssee nimmt ihren Lauf und treibt ab und an seltsame Blüten. Doch so sehr sich die beiden Männer manchmal auch zu unterscheiden scheinen und so grummelig Hotte machmal auch unterwegs ist, entwickelt sich zwischen den zweien langsam eine Freundschaft. Voneinander, von Anke, aber auch über sich selbst und über die Frauen lernen sie im Laufe der Zeit so einiges.

Noch mehr auf diesen im Jahr 1999 spielenden, lockeren und lebensnahen Roman einzugehen, würde zu viel verraten – doch man legt nicht zu viel offen, wenn man konstatiert , dass „Dicke Freunde“ einer der herzlichsten Unterhaltungsromane der letzten Monate ist. Es wird weder belehrt noch mit dem Finger auf die beiden Protagonisten gezeigt – stattdessen wird herzenswarm eine leichte, aber niemals seichte Geschichte erzählt, die mal witzig, mal nachdenklich und auch mal etwas traurig ist. Ebenso birgt diese mit Tiefgründigkeit nicht geizende Story eine Drolligkeit in sich, die unweigerlich dazu führt, dass man Simon und Hotte einfach nur ins Herz schließen kann.

Letzteres ist vor allem auch Sprecher Christian Ulmen zu verdanken, denn der setzt „Dicke Freunde“ äußerst bildhaft in Szene. Simons Entsetzen, seine Enttäuschung, seine Hoffnung, Ankes Optimismus und entwaffnende Ehrlichkeit sowie Hottes brummig-grummelige und mitunter lethargische Art – all das wirkt echt, sodass man sich nicht nur als Beobachter fühlt, sondern beinahe zum stillen Begleiter wird. Man leidet mit den beiden, man schüttelt den Kopf über sie und freut sich mit ihnen – und Ulmen bildet hier eine stabile empathische Brücke zwischen Erzähltem und Zuhörer.

Das Cover passt diesbezüglich wie die berühmte Faust aufs Auge: „Dicke Freunde“ ist ein Hörbuch voller Herz und Positivität, mit ein wenig Melancholie und viel Witz. Und einer elefantösen Portion Menschelei.

Cover ©Heyne/Random House Audio

 

Wertung: 12/15 dpt


Über den Autor

Chris Popp


Chris‘ Nerd-Schreibtisch

1974 in Mannheim geboren, in Heidelberg aufgewachsen, lebt nach 16 Jahren in der nordhessischen Provinz vor Kassel seit 2017 in Berlin. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Booknerd, Hörbuchnerd, Computernerd, Filmnerd, Seriennerd, Kaffeenerd, Foodnerd, Königsbergerklopsenerd. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.
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von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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