Florence Given – Frauen schulden dir gar nichts

© Argon- Verlag

Das Hörbuch „Frauen schulden dir gar nichts“, der britischen Influencerin Florence Given, gelesen von Yesim Meisheit, liefert ein reiches Spektrum an Themen, die zum Nach- und Umdenken anregen sollen, wenn es um das Rollenverständnis und die Geschlechtsidentität eines jeden Menschen in unserer heutigen Gesellschaft geht. Sie behandelt in ihrem Werk dabei Thematiken, die sich unter anderem mit der Kommerzialisierung sexualisierter Inhalte beschäftigen, welche durch das Patriarchat mit seinen Normen und Werten bekräftigt werden, sowie den Feminismus, den sie diesem System entgegensetzt und entsprechend zur Abkehr dessen aufruft.

Das Patriachart profitiert nur davon, dass du deine Kraft nicht entfaltest.

Florence Given nimmt kein Blatt vor den Mund und befeuert gleich am Anfang von „Frauen schulden dir gar nichts“ ihre Einstellung gegenüber dem Patriachart, dass eine Frau niemandem Schönheit schuldig ist. Diese Aussage findet sich so auch direkt im originalen Titel „Women Don’t Owe You Pretty“ wieder. Dies ist nicht nur der Titel ihres Werks, sondern auch der Beginn eines Zitats der Autorin Erin McKean. Dieses Zitat stellt eine Einleitung dar, auf welche sich ein Großteil der folgenden Kapitel bezieht. Given geht in den einzelnen Kapiteln ihres Werks stark auf ihre eigene Wahrnehmung und den Umgang mit ihr als blonde, weiße und attraktive Frau ein. Auch reflektiert sie auf intime und selbstkritische Art, wie sich ihr eigenes Denken im Laufe der Zeit geändert hat, seit sie sich mit dem Thema Feminismus beschäftigt.

Frauen leben nicht für den männlichen Blick

Die Autorin widmet sich unter anderem einen sehr ausführlichen Dialog mit ihrem jüngeren Ich und versucht diesem zu erklären, wie falsch es ist, sich nur auf Äußerlichkeiten festzulegen und dass es nicht wirklich als erstrebenswertes Ziel gilt sich einen reichen Mann zu angeln. Hier stellt sich die Frage, ob der Grund für diese Einstellung ihres jüngeren Ichs dabei wirklich komplett der Gesellschaft und ihrem engeren Umfeld an Freunden zugeschrieben werden kann oder ob nicht auch die Erziehung eine Rolle spielt, auf die sie nur sehr marginal eingeht.

In der ersten Hälfte der 21 Kapitel ihres Buches ruft sie dazu auf, sich mit den Themen der MeToo- Bewegung oder auch der internalisierten Misogynie auseinanderzusetzen und diese auch bei sich selbst kritisch zu hinterfragen. Untermalt und bekräftigt wird diese Aufforderung mit Zitaten von anderen Influencerinnen, Aktivistinnen oder auch Autorinnen, wie beispielsweise Chidera Eggerue oder auch Janet Mock. Diese runden die einzelnen Passagen im gewissen Sinne ab, wirken aber an manchen Stellen etwas zu vage und kurzgegriffen, da es an einer genauen Erläuterung fehlt, warum sich genau auf dieses Zitat bezogen wird, das meist nur aus einem Satz besteht.

Im zweiten Teil des Buches wird es allgemeiner und Given geht darauf ein was der Begriff „Queer“ eigentlich bedeutet. Hier führt sie auch eine genaue Definition und die Herkunft des Wortes an, was auch bei anderen Kapiteln wünschenswert gewesen wäre, doch hier hilft zur Not am Ende des Werkes ein Glossar, in welchem die wichtigsten Begriffe erklärt werden. Auch Themen, wie Dating und die Herausforderungen des Umgangs mit der Social-Media-Welt werden ausführlich besprochen und wie wichtig es in Beziehungen ist, toxische und gesunde Verhaltensweisen zu erkennen und entsprechend selbstbewusst zu reagieren.

Die Sprecherin des Hörbuchs, Yesim Meisheit, beweist hier ihr Können und verleiht jedem Kapitel gekonnt Nachdruck, was das Zuhören zu einem kurzweiligen Erlebnis macht. Vor allem bei jungen Menschen, die gerade dabei sind, sich mit ihrer Lebensrealität auseinander zu setzen, dürfte „Frauen schulden dir gar nichts“ Anklang finden. In seinem Ausdruck, sowie auch der Sprache ist das Buch so ausgestaltet, dass es hier sicher einen Nerv trifft. Für andere, die sich bereits mit den Themen Feminismus oder auch LGBTQ+ auseinandergesetzt haben, dürfte es in vielen Kapiteln gelegentlich an Tiefe fehlen, da die Autorin meist rein aus ihrer eigenen Erfahrungswelt berichtet.

Das Werk von Florence Given bietet gerade für ein junges Publikum einen guten Einstieg, wie auch Überblick, zum Thema Feminismus und regt zudem zur Auseinandersetzung mit den eigenen manchmal auch festgefahrenen Normen und Werten an, die jeder Mensch in sich trägt, aufnimmt und auch selbst projiziert.

 

  • Autorin: Florence Given
  • Verlag: Argon Verlag
  • Titel: Frauen schulden dir gar nichts 
  • Originaltitel: Women Don’t Owe You Pretty
  • Übersetzerinnen: Kathrin Weßling, Eva Horn
  • Erschienen: März 2022
  • Sprecherin: Yeşim Meisheit
  • Spielzeit: 5 Stunden und 58 Minuten
  • ISBN: 9783732458370
  • Erwerbsmöglichkeiten


Wertung: 11/15 dpt

 


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