Ringe in den Farben des Regenbogen bedecken das Cover. In der Mitte ist ein pinker Kreis, indem "Herausgegeben von Linus Giese" und "Eine kurze Geschichte der LGBTIQ+" stehen. In der Mitte des Covers steht in weiß "Pride!".
© Prestel

Ich durfte vor kurzem das Buch “Pride! Eine kurze Geschichte der LSBTIQ+” vom Prestelverlag lesen, das 2022 veröffentlicht wurde. Es ist ein Buch bei dem es um die moderne queere Geschichte geht, die in den 1940er bis 1960er Jahren richtig an Fahrt aufgenommen hat.
Es werden unterschiedliche Aspekte beleuchtet – darunter ein (sehr) kurzer Überblick über Queerness in den letzten Jahrhunderten, Entwicklungen der Menschenrechte und auch eine Übersicht über den queeren Diskurs.

Pride (Stolz im Deutschen) spielt während dem ganzen 127-seitigen Buch eine wichtige Rolle, denn das ist es, was die queere Menschenrechtsbewegung ausmacht. 

Aber was ist Pride? Laut Wikipedia ist “Pride, ein englischer Begriff, der aus der amerikanischen Lesben- und Schwulenbewegung stammt und international übernommen wurde. Er beschreibt den selbstachtenden und damit stolzen Umgang mit der eigenen sexuellen Identität. Stolz wird dabei im Sinne eines gegenüber anderen gezeigten Selbstwertgefühls verwendet, das heißt, so zu sein, wie man ist, sich nicht vor anderen verstecken oder sich für andere verstellen zu wollen und gegebenenfalls für seine Rechte einzutreten.” LGBT-Pride – Wikipedia

Pride ist der Stolz auf die eigene Identität, die Teil der eigenen Menschenwürde ist. 
Pride ist auch der Stolz auf die eigene Identität offen auszuleben – dazu gehört nicht nur die Liebe, die man mit anderen teilt, oder entsprechend dem eigenen Geschlecht zu leben, das man hat, sondern auch die eigenen Talente und Ínteressen auszuleben, ohne Angst vor Beleidigung oder Gewalt zu haben.
Pride ist aber auch die Community von der man als queere Person Teil ist, die eine neue Familie sein kann. Gerade wenn die eigene Familie einen erdrückt und als beschädigt ansieht.

Diese Aspekte werden auch in diesem Buch aufgegriffen – wir erfahren wer die Leute waren, die die Grundlage für den Kampf um die uneingeschränkten Menschenrechte für queere Menschen gelegt haben, welche Rolle Medien für diese Bewegung spielten, bis hinein zur Gegenwart und der Frage, welche Rechte queere Menschen heutzutage besitzen.

Es wird natürlich auch darauf eingegangen, dass es noch (zu) viele Länder gibt, in denen die Menschenrechte nur für cis-hetero Menschen gelten und das es auch immer Rückschritte in der queeren Menschenrechtsbewegung gab.

Diese Themen werden in kurzen und quirlig-bunten Kapiteln behandelt und gebene einen tollen Überblick über die queere Geschichte und Anhaltspunkte für weitere Recherche.
Das ist nämlich auch was dieses Buch ist! Es soll ein kleines und knappes Einführungsbuch sein, das nicht nur für queere, sondern für alle Menschen, die queere Personen unterstützen wollen, spannend ist.

Deswegen finde ich es aber auch schade, dass nicht mehr auf Queerfeindlichkeit in der „westlichen Welt“ eingegangen wurde.

Beim Lesen durfte ich viel Neues lernen (gerade wenn es um die Gründermenschen der queeren Bewegungen ging) und neue Statistiken erfahren. Aber insgesamt hatte ich das Gefühl, dass die Entwicklungen zu positiv dargestellt worden sind gerade, wenn es um die Bewegungen in Deutschland und Amerika ging.

Die Entwicklungen wurden nicht in den Kontext von anderen Menschenrechtsbewegungen gestellt, wodurch man kein Gefühl dafür bekommen konnte, wie viel tatsächlich geschafft worden ist. Auch wurden negative Entwicklungen oder Gewalttaten gegen Queere Menschen nicht aufgezeigt und/oder deren Kontext verdeutlicht – so hat Queerfeindlichkeit in einem scheinbar “aufgeklärten” Land ein anderes Gewicht als in einem Land bei dem bekannt ist, dass es offen auf Frauen-, Queeren- oder Menschenrechte insgesamt pfeifft.

Auch wurde nicht auf die Diskriminierung eingegangen, die queere Menschen innerhalb der Community erfahren. So werden transgender Personen, asexuelle, aromantische und bisexuelle Menschen teilweise noch immer ausgeschlossen oder nicht ernstgenommen.

Insgesamt ist “Pride!” aber ein super süßes Buch von dem man als hetero oder nicht hetero lesende Person viel mitnehmen kann. Kurz und anschaulich werden wichtige Meilensteine für die queere Bewegung aufgezeigt und auch theoretische Debatten schön aufgezeigt. 

  • Autor: Linus Giese
  • Titel: Pride! Eine kurze Geschichte der LGBTIQ+ Bewegung
  • Verlag: Prestel
  • Erschienen: 2022
  • Einband: Hardcover und wunderschön
  • Seiten: 127
  • ISBN: 978-3-7913-8883-0
  • Sonstige Informationen:
  • Produktseite
  • Erwerbsmöglichkeiten


    Wertung: 12/15 dpt


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