Interview mit Alex Beer über “Felix Blom. Ein Häftling aus Moabit”


„Doppel-Interview“ von booknerds mit Alex Beer / Daniela Larcher

Alex Beer
Alex Beer / Foto: © Ian Ehm

Booknerds:

Frau Beer, wir möchten gerne über Ihren neuen Roman „Felix Blom. Der Häftling aus Moabit“ sprechen. Ihre August-Emmerich-Reihe spielt nach Ende des Ersten Weltkrieges, die beiden Isaak-Rubinstein-Romane während des Zweiten Weltkrieges im Jahr 1942. Woher kam die Idee zu einem Roman, der 1878, also im auslaufenden 19. Jahrhundert spielt?

Alex Beer:

Ich wollte zur Abwechslung in eine Epoche eintauchen, die bunter und fröhlicher ist als jene, in denen die oben erwähnten Reihen spielen. August Emmerich und Isaak Rubinstein bewegen sich durch Zeiten, die von Krieg, Seuchen und Not geprägt sind. Das Berlin der 1870er Jahre bildet dazu einen starken Kontrast. Es herrscht Aufbruchsstimmung, Erfindungen werden ersonnen, monumentale Prachtbauten entstehen, genauso wie eine moderne Infrastruktur. Die Menschen blicken zuversichtlich nach vorn und glauben an eine bessere Zukunft. Berlin war eine Stadt voller Dynamik und Unternehmergeist, die Hunderttausende von Menschen von außerhalb anlockte, darunter auch viele zwielichtige Glücksritter auf der Suche nach schnellem Geld. Der perfekte Boden also für einen Gauner und Privatermittler wie Felix Blom.

Booknerds:

Warum musste der Handlungsort ausgerechnet Berlin sein? Doch sicher nicht wegen des Hypes um die erfolgreiche Serie „Babylon Berlin“.

Alex Beer:

Die Frage nach „Babylon Berlin“ bekomme ich seit mittlerweile fünf Jahren gestellt. Weder die Emmerich-Reihe noch „Unter Wölfen“ orientiert sich daran. Berlin habe ich gewählt, weil ich dort einmal gelebt habe und mit der Stadt vertraut bin (abgesehen davon, sind die 1870er nicht mit den 1920ern bzw. 1930ern vergleichbar).

Booknerds:

Felix Blom. Der Häftling aus Moabit.
© Limes

Felix Blom ist ein Einbrecher-Genie, der in bester Robin-Hood-Manier nur bei den Reichsten der Stadt einbricht. Gibt es für Blom ein reales Vorbild?

Alex Beer:

Felix Blom ist lose an Eugène François Vidocq angelehnt. Der abenteuerlustige Franzose verdingte sich zunächst als Betrüger, Dieb und Fälscher, und wandelte sich im Laufe seines Lebens vom gerissenen Gauner zum Vater der modernen Kriminalistik und dem ersten Privatdetektiv der Geschichte.

Booknerds:

Über den privaten Hintergrund von Felix Blom erfährt man sehr wenig, außer dass es einen Ziehvater namens Arthur Lugowski gab, eine Größe in der Berliner Unterwelt. Wurde der persönliche Hintergrund bewusst für weitere Romane zurückgestellt?

Alex Beer:

Ich habe bisher nicht mehr über Felix bewegte Vergangenheit erzählt, weil es für die Handlung nicht relevant war. Zu viele Details über eine Figur können ermüdend wirken und zu Lasten der Spannung gehen. Seine Vergangenheit wird aber in den kommenden Bänden mehr und mehr aufgedeckt, und sie wird – so viel sei verraten – für so manche Überraschung sorgen.

Booknerds:

Felix Blom wird die aufgeweckte und durchaus dominante Prostituierte Mathilde Voss zur Seite gestellt. Ein tatsächlich grandioses Duo. Wie kamen Sie auf diesen Einfall?

Alex Beer:

Felix brauchte einen Gegenpart, jemanden der besonnen und unbestechlich ist. Ich hegte schon lange den Wunsch, eine starke Frauenfigur zu erschaffen, und so entstand Mathilde. Zwischen den beiden gibt es viele Reibungsflächen – und den einen oder anderen Funken.

Booknerds:

Wie bei Ihren vorherigen Romanen merkt man, dass Sie umfangreich recherchiert haben. Welche Quellen waren dieses Mal von besonderer Bedeutung?

Alex Beer:

Dieses Mal waren es vor allem Zeitungen und alte Stadtpläne, die mir geholfen haben, die Geschichte so authentisch wie möglich zu erzählen.

Booknerds:

Mit August Emmerich, Isaak Rubinstein und jetzt Felix Blom haben Sie gleich drei Serien am Start. Doch Stopp! Wird aus Felix Blom überhaupt eine Serie und wird es einen dritten Roman mit Isaak Rubinstein geben?

Alex Beer:

Tatsächlich wird Felix Blom eine Serie. Der zweite Teil davon ist gerade in Arbeit, genau wie der 6. Teil der Emmerich-Reihe. Für Isaak bleibt momentan leider nur wenig Zeit. Sobald sich aber die Möglichkeit ergibt, werde ich die Trilogie zu Ende bringen.

Booknerds:

Man kann sich vorstellen, dass Sie mit den vorgenannten Figuren mehr als ausgelastet sind. Haben Sie dennoch Pläne für weitere Geschichten, sprich neue Hauptfiguren?

Alex Beer:

Ja (fast möchte ich sagen: leider). Meine Ideen-Schublade ist randvoll mit spannenden Figuren, die unbedingt wollen, dass ich ihre Geschichte erzähle. Wenn ich nur mehr Zeit hätte …

Booknerds:

Viele unserer Leserinnen und Leser kennen ausschließlich Ihre (zeit-)historischen Romane. Wechseln wir doch mal kurz zu einem Interview mit Daniela Larcher. Was zeichnet die in der Gegenwart spielenden Romane von Chefinspektor Otto Morell aus?

Daniela Larcher:

Sie sind typische Regionalkrimis. Cozy Crime. Es geht sehr beschaulich zu, es wird gekocht, geschnurrt und sich verliebt. Das alles wird mit einer Prise Humor serviert.

Booknerds:

Sie waren in der Werbebranche tätig, haben Archäologie studiert und überhaupt einen sehr illustren Berufsweg genommen. Wie kamen Sie später auf die Idee, Romane zu schreiben?

Daniela Larcher:

Ich lese Krimis seit ich denken kann. Irgendwann hatte ich eine büchertechnische Pechsträhne, in der ich nur Titel erwischte, die mich langweilten und deren Auflösungen völlig vorhersehbar waren. Eines Tages kam mir die (im Nachhinein betrachtet recht vermessene) Idee, es besser zu machen. Der Rest ist – wie man so schön sagt – Geschichte.

Booknerds:

Um noch mal kurz auf das schon angesprochene „Babylon Berlin“ zurückzukommen. Gibt es Anfragen zu Verfilmungen? Bei August Emmerich würde sich eine Serie ja aufdrängen und ein Film über Isaak Rubinstein wäre bestimmt spannend aufgrund dessen ungewöhnlichen Settings?

Daniela Larcher:

Alle Stoffe wurden von verschiedenen Produktionsfirmen optioniert. Historische Filme/Serien sind nur leider sehr teuer in der Umsetzung, weswegen derzeit noch das nötige Kleingeld fehlt.

Booknerds:

Zum Abschluss, welches Buch oder welche Bücher dürfen wir wann als nächstes erwarten?

Alex Beer:

Der zweite Fall von Felix und Mathilde wird nächstes Jahr erscheinen, kurz gefolgt vom 6. Teil der Emmerich-Reihe.

Booknerds:

Vielen Dank für das Gespräch.

Alex Beer:

Auch von mir herzlichen Dank.

Hier gibt es eine ausführliche Rezension zu “Felix Blom. Der Häftling aus Moabit“. Das Interview führte Jörg Kijanski.


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