Neben unzähligen Abos, um nur am Ende des Tages die eine Lieblingsserie schauen zu können, Office-Lizenzen, die man regelmäßig aktualisieren muss, um Zugang zu den eigenen Daten zu behalten und Streaming-Dienstleistern, die rechte Politik und KI-Trash fördern, ist es nur verständlich, dass immer mehr Menschen zurück zu Kassetten, Walkman, iPods und DVD-Spieler wechseln. Geschweige das ganze Geld für Streaming-Abos, mit dem man ganze Alben und Filme hätte mehrmals kaufen könnte…
Etwas passiert gerade im Internet: Nicht erst seit gestern ploppen Anleitungen zum Brennen von CDs in Feeds auf, sind Walkmans auf eBay schneller abgegriffen und Liebesbriefe an physische Medien veröffentlicht – 2026 wird das Jahr des Analogen.
Zum Jahreswechsel wollen sich sogar “Newtros” (kurz für “New but Retro”) gemeinsam versammeln, um Smartphones hinter sich zu lassen und “alte” Technologien mit einem zeitgemäßen Lifestyle zu verbinden. Neben dem Protest gegen KI, die unsere Daten zur Weiterverarbeitung verwendet, oder gegen den eigenen digitalen und ökologischen Fußabdruck, geht es aber auch um die Nostalgie, die mit der Verwendung von CD-Spielern und Camcordern aufkommt.
Dabei spricht ganz viel für physische Medien:
- Du besitzt die CD, DVD, Kassette, Datei oder was auch immer und kannst sie so auch unabhängig von Internetzugang auf unterschiedliche Geräte ziehen – egal ob Handy, PC, auf eine neue CD oder vielleicht die neuen iPods ganz ohne Apple-Garantie (hust geplante Obsoleszenz hust).
- Du unterstützt keinen KI-Trash, der dir generierten Content in deine Verläufe spült und dabei unmittelbar die Arbeit und Kreativität von Menschen klaut, die du eigentlich unterstützen und wertschätzen möchtest.
- Du unterstützt Künstler*innen direkter als über Abo-Modelle (wie zum Beispiel Spotify, die nicht mal einen Cent bei tausend Streams zahlen) und hast dazu noch etwas Physisches als Erinnerung.
- Es macht richtig Spaß selbst gemischte Mixtapes zu erstellen, zu dekorieren und sie zu tauschen oder zu verschenken.
- Physische Medien zu verwenden sieht richtig chic aus.
- Du konsumierst Content bewusster, wenn du ihn dir genauer aussuchen musst.
- Deine Zeit am Handy um zu doomscrollen wird weniger, weil du nicht mehr das Handy für alles benutzen musst.
- Für Streaming oder die Nutzung rein digitaler Angebote braucht es riesige Datencenter, die viel Strom und Platz benötigen – die Belastung für die Umwelt ist enorm.
Natürlich gibt es auch valide Gegenargumente:
- Durch Streamingangebote hast du Zugang zu viel mehr Content als ein Mensch jemals konsumieren könnte für wenig Geld.
- Du brauchst keine Extrageräte neben Handy und PC.
- Es ist einfach, neue Künstler*innen zu entdecken.
Analoge Medien sind gekommen und zeigen, wie jeder Trend oder jede Bewegung, was Menschen gerade fehlt: Dazu gehört der selbstgemachte Touch, wenn man ein von Künstler*innen zusammengestelltes Album hört, der Austausch mit den Leuten im Platten- und CD-Geschäft oder das Ritualhafte, eine Kassette in den Spieler einzuschieben. Es ist etwas anderes, einen Walkman in der Tasche zu haben, statt Musik aus einer automatisch generierten Playlist, als Hintergrundrauschen abspielen zu lassen.
Der Wechsel zum Analogen ist dabei gar nicht so schwer und muss nicht so radikal sein, wie manche Newtrons es vorhaben. Nachdem ich mit der Plattform Spotify, deren Umgang mit Künster*innen und KI sowie die Förderung von KI-Waffen mehr als unzufrieden war, bin ich zu einem anderen Anbieter gewechselt (Qobuz – ein europäischer Streamingdienst, über den auch Musik gekauft werden kann). Der Wunsch Musik besitzen und sie bewusster konsumieren zu können wurde dabei so groß, dass ich mir einen Walkman auf eBay besorgte und jetzt sogar ein kleines Täschchen für ihn nähe. Schnell schenkte mir ein Freund eine selbstgebrannte CD, die ich seitdem auf und ab höre. Anders als der distanzierte Konsum von Medien über Apps und Internetseiten habe ich so etwas in der Hand, dass durch die Hände anderer Menschen gegangen ist und das fühlt sich toll an.
Deswegen: Nutzt die Weihnachtszeit, um bei eurer Familie nach alten Geräten zu suchen und probiert es mal aus! Geheimtipp: Wer eine Büchereikarte hat, kommt sogar kostenlos an CDs und DVDs.







