Maria Bach Kreutzmann (Hg) – Bestiarium Groenlandicum – Die mythischen Wesen Grönlands (Buch)

Eine einzigartige Sammlung von Wesen aus der Mythologie Grönlands

Maria Bach Kreutzmann (Hg) - Bestiarium Groenlandicum – Die mythischen Wesen Grönlands (Buch) Cover © Inuit Verlag
Cover © Inuit Verlag

Grönland – eine riesige eisbedeckte Insel zwischen Nord-Alaska und Island, die unfreiwillig Schlagzeilen macht, weil der derzeitige US-Präsident Anspruch auf das Land erhebt. Grönland war einst eine Kolonie Dänemarks und gehört noch immer zum Königreich, ist allerdings seit 2009 autonom regiert. Viele Grönländer wären gern vollständig unabhängig.

Die USA behaupten an Grönland ein strategisches Interesse zu haben. In Wahrheit dürfte sie die Gier nach Bodenschätzen dazu treiben, ihren ohnehin schon großen Einfluss stärken zu wollen. Der von Menschen gemachte Klimawandel lässt den Eisschild schmelzen und verdrängt das polare Klima, was den Abbau von kritischen Rohstoffen vereinfacht.

Um die geopolitische Bedeutung Grönlands geht es in „Bestiarium Groenlandicum – Die mythischen Wesen Grönlands “ nicht. Vielmehr bietet dieses Kompendium einen faszinierenden Einblick in die Mythologie der Inuit, der indigenen Bevölkerung auf der Insel. Die Herausgeberin Maria Bach Kreutzmann stellt zunächst ihre Forschung vor und ordnet die Entwicklung dieser Mythologie ein. Es sind Geschichten, Geister und Wesen, die einer harten Lebensrealität der Thule (Vorfahren der Inuit) und einer auf Schamanismus beruhenden Kultur und Religion entsprungen sind. Kälte und Tod, aber auch Überlebenswille und Gemeinschaft prägen die Inuit-Mythologie und bringen unzählige, faszinierende Geschöpfe aus der Geister- und Tierwelt Grönlands hervor. Insgesamt 65 dieser Wesen stellt dieses Kompendium vor, wie zum Beispiel:

Wesen in tierischer Gestalt

Wir lernen Amaroq kennen, den Riesenwolf und des Menschen ärgster Konkurrent auf der Jagd nach Rentieren. Fühlt er sich gepeinigt, vermag er Seelen zu stehlen

Der Eqalussuaq  ist ein Haifisch, oder vielmehr ein Geist in der Gestalt eines Grönlandhais. Man erzählt sich, dass er einst Kinder vor dem Hungertod bewahrte. 

Immap Nanua , der Meeresbär, überragt die Fjorde und lässt jedes Boot kentern. Eine Begegnung mit ihm endet meist tödlich. Doch ein Waisenjunge konnte ihn überlisten.

Wesen in menschlicher Gestalt

Der Gestaltwechsler Inorrooq mag nach der Häutung den Menschen ähneln und verbleibt doch der Rabe oder das Schneehuhn, als das er zur Welt kam. Man erzählt sich eine Geschichte von zwei Frauen, die sich begegneten und wieder trennten, als der Gestaltwandler davonflog.

Malina, die Sonne, trennte sich nach einer Liebesnacht mit ihrem Bruder eine Brust ab und stieg zum Himmel auf, um fortan den Tag zu erleuchten. Ihr Bruder wurde zum Mond und stellt ihr nach, sobald der Tag endet.

Die Qivittut (Bergläufer) waren einst Menschen, die ihre Heimat verließen. Nun streifen sie in den Bergen oder am Eisschild  umher, gekleidet mit Pflanzen, Wurzeln und Lederriemen. Sie können magische Kräfte erlangen und mit Tieren sprechen. Man erzählt sich, dass ein Familienzwist mit der Tante seiner Liebsten einen Mann dazu brachte, ein Qivittoq zu werden.

Sassuma Arnaa gilt als die Mutter des Meeres, die mit abgeschlagenen Händen auf dem Meeresgrund über maritime Lebewesen wacht. Brechen Menschen Tabus, sinken diese als Schmutz auf die Mutter. Sie setzt dann die Beutetiere fest und lässt die Menschen hungern. Heute gilt sie als Symbol für die Verschmutzung der Meere und der Klimaerwärmung.

Hilfsgeister der Schamanen

Der Hilfsgeist Equngasoq kommt in einem schillernden Funkenregen daher und wäre hübsch anzusehen – wenn er nicht so einen schiefen Mund hätte. Schiefmaul ist freundlich, solange man ihn nicht auf seinen Makel anspricht. Er sagt dem Schamanen (angakkuq) die Zukunft voraus.

Qarlimaatsoq ist der Tote, schwarz, vertrocknet und schaurig anzusehen. Und zu hören, denn bei Vollmond schreit er aus dem Grab. Steigt er aus dem Grab hervor, sieht er wie ein Nordlicht aus. Auch der Tote ist ein begehrter Hilfsgeist der angakkut (Schamanen).

Die Zeichnung vom Herrn der Hilfsgeister Toornaarsuk erinnert an einen Yogi mit vier Armen und einem Dolch in einer Hand. Sein Äußeres ist allerdings unbestimmt und unterscheidet sich. Er ist stark, ein guter Schwimmer und wird in besonders schwierigen Situationen angerufen.

Mythologie in Wort und Bild

So einzigartig, wie die mythologischen Geschöpfe beschrieben werden, so faszinierend sind auch die Zeichnungen und Bilder, die sie darstellen. Ob im Manga- oder Anime Stil, mit leuchtenden Farben, naiv oder überzeichnet, allein abgebildet oder in die Landschaft eingebettet; jedes Bild ist einzigartig und authentisch. Keines der Wesen ist ausschließlich gut oder böse, sondern so facettenreich wie das Leben. Die Lebensweise der Inuit mag von ultraharten klimatischen Bedingungen geprägt sein. Ihre Fantasie und Kreativität, mit der sie diese Wesen und Welten erschaffen haben, ist dafür umso reicher, üppiger und gehaltvoller. Mit Liebe zum Detail näherten sich die Herausgeberin, ihr Rechercheteam und die Künstler:innen der Mythologie Grönlands, folgten den Erzählungen zu ihren Ursprüngen und in verschiedene Landesteile. Texte und Bilder respektieren und reflektieren den Charakter der Wesen und Geister und die sie umgebende Atmosphäre.

Gerade jetzt, wo ein Spotlight kapitalistischer Gier auf die arktische Insel fällt, ist es wichtig, die Reichhaltigkeit und Substanz der Kultur Grönlands sichtbar zu machen und dem Rest der Welt zu offenbaren. Der Inuit Verlag hat das Kompendium „Bestiarium Groenlandicum – Die mythischen Wesen Grönlands “ deutschsprachigen Lesenden zugänglich gemacht und uns damit eine weitgehend unbekannte Welt eröffnet. Eine Welt voller Fantasie in der Kulturgeschichte Grönlands, die wir wertschätzen und erhalten möchten.  

  • Herausgeberin: Maria Bach Kreutzmann
  • Titel: Bestiarium Groenlandicum – Die mythischen Wesen Grönlands
  • Übersetzung: Miranda Nicholas Zaar und André Wilkening
  • Verlag: Inuit Verlag
  • Erschienen: 03/2026
  • Einband: Hardcover
  • Seiten: 160
  • ISBN: 978-3-69096-012-0
  • Sonstige Informationen:
  • Produktseite beim Verlag
  • Autor: Autorenname
  • Titel: Titel des Buchs
  • Teil/Band der Reihe: (natürlich nur, falls nötig) X von Y
  • Originaltitel: (bei fremdsprachigen Titeln, sonst entfernen)
  • Übersetzer: (bei fremdsprachigen Titeln, sonst entfernen)
  • Verlag: Verlagsname
  • Erschienen: JJJJ oder MM/JJJJ
  • Einband: Art des Einbands
  • Seiten: XXX
  • ISBN: bitte mit Trennstrichen
  • Sprache: (bei nicht-deutschen Büchern, sonst weglassen)
  • Sonstige Informationen:
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Wertung: 13/15 dpt

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