Einige Zeit ist am Gardasee vergangen, seitdem Marescialla Bianca Rossi den letzten großen Mordfall geklärt hat und vor allem ihr Ex-Freund Tiziano eingesperrt wurde. Gemeinsam mit ihrem neuen Lebenspartner Amedeo lebt sie nun in Malcesine, wo auch Bianca mittlerweile Leiterin der Carabinieri-Station ist. Aufgrund der Inhaftierung kann sie ein einigermaßen ruhiges Leben führen und will daher mit ihrer Freundin Eva Mori einen Opernabend in Saló genießen.

“Ein Aperol in Moll” bringt die Gardasee-Trilogie rund um die toughe Marescialla Rossi zum Abschluss und die Südtiroler Autorin Heidi Troi liefert abermals ab und lässt ihre Romanfigur nochmals sämtliche Höhen und Tiefen erleben. Während des bereits erwähnten Opernbesuchs lernt Bianca einen weiteren Teil der Großfamilie Mori kennen, insbesondere die drei Töchter ihres Onkels Leandro Pavone, welcher dramatisch auf der Seebühne am Ende des Stücks stirbt. Ganz Shakespeare-like befand sich im Kelch mit Wein Gift und es gibt einige Verdächtige mit passenden Motiven, aber auch stimmigen Alibis. Als wäre das schon nicht schlimm genug, muss sich Bianca wieder einmal mit Macho-Kollegen einer anderen Dienststelle herumärgern und seit neuestem auch mit einer neuen, jungen Kollegin in Malcesine selbst. Immer wieder gerät Rossi nun ins Grübeln, ob sie nun zum “alten Eisen” gehöre und möglicherweise von ihren jüngeren Kollegen aufs Abstellgleis gestellt wird.
Doch ganz das Gegenteil ist der Fall, schließlich versuchen sowohl Amadeo als die Kollegen vor Ort sie zu schützen, schließlich wurde ihr Ex vorzeitig wegen guter Führung entlassen. Bianca ist erstmals erbost ob dieser Bevormundung und weiters, da sie davon überzeugt ist, dass Tiziano alle an der Nase herumführt und schon bald einen Racheakt an ihr und Amadeo, ihren Lebensretter, verüben wird.
Wie schon von ihren Freundinnen mehrmals angesprochen, möge Bianca doch am besten irgendwo ein neues Leben beginnen und vor ihrem Peiniger flüchten. Berechtigterweise fragt sie sich natürlich, warum immer das Opfer flüchten und sich verstecken muss. Zu zahnlos erscheint hier das System zum Opferschutz.
Bianca und ihr Team versuchen nun überregional den Fall zu klären, da sowohl Mord als auch Selbstmord des Opernstars in Frage kommen und gleichzeitig wird die Bedrohung durch Tiziano immer realistischer und greifbarer.
Familiendrama samt dunklem Geheimnis, Generationenkonflikt, Geschlechterungerechtigkeit und psychische Gewalt durch Angst vorm Ex-Partner. Dieses Mal bleibt wenig Zeit für die schönen und pittoresken Szenen am Gardasee. Troi hält den Spannungsbogen konstant hoch und lässt die Lesenden vor allem um Biancas Schicksal mitfiebern. Werden alle drei Bände zusammen betrachtet, ergibt sich eine konstanter roter Faden um die Handlung rund um Tiziano, welche sich stetig steigert. Stalking und die reale Gefahr von Femiziden werden klar angesprochen und sollten keinesfalls als “alter Wein in neuen Schläuchen” abgetan werden. Wie brisant diese Thematik ist, habe ich in den vorherigen Rezensionen im Infoblock verlinkt.
Ebenso darf abermals die wunderbare Aufmachung der Print-Ausgabe mit Farbschnitt erwähnt werden. Ergänzt wird dieses unter anderem mit einer Karte des Gardasees und den üblichen Fußnoten als Erklärung der italienischen Ausdrücke und Redewendungen.
Fazit: “Ein Aperol in Moll” ist das spannungsgeladene Finale der Gardaseereihe von Heidi Troi und verlangt von Marescialla Bianca Rossi nochmals alles ab. Heidi Troi bietet eine spannende Geschichte am malerischen Gardasee mit bereits liebgewonnen Charakteren und einem fulminanten Finale.
- Autor: Heidi Troi
- Titel: Ein Aperol in Moll
- Teil/Band der Reihe: Band 3 von 3
- Verlag: Autaria
- Erschienen: 2026
- Einband: Softcover
- Seiten: 340
- ISBN: 978-3-8234-0019-6
- Sonstige Informationen:

Wertung: 12/15 dpt







