Wolfgang Franßen – Einer sollte ihm mal sagen, dass er tot ist (Buch)

Wie lautete noch mal der Auftrag?

Trésor und sein Freund Pépé sollen für ihren Chef Cassel in Montpellier einen Auftragsmord verüben. Stattdessen landen sie in einer Bar in Biarritz, nachdem sie sich zuvor von Gigi, Trésors Frau, deren Peugeot ausgeliehen haben. Sie haben einiges zu diskutieren, vor allem die Fragen, wen sie eigentlich ermorden sollen und ob sie dies schon getan haben? Womöglich liegt die Leiche ja im Kofferraum, doch als sie die Bar verlassen ist das Auto weg. Gestohlen oder haben sie nur im falschen Parkhaus nachgesehen?

Am nächsten Morgen liest Trésor im Hotel die Tageszeitung, in der vom Tod der Surferin Lilou Morgan berichtet wird. Dass diese selber von einem Felsen an der Küste stürzte hält er für ausgeschlossen. Ein Jahr zuvor wurde der Industrielle Trenet ermordet, Lilous Bruder als dessen Mörder angeklagt. Da liegt es nahe, dass die beiden Fälle zusammenhängen könnten. Nur wie?

Während der demente Trésor langsam erahnt, dass ihn sein Partner gelinkt hat und ihm einen Mord anhängen will, beauftragt Cassel seinen besten Mann damit, die beiden „Idioten“ zurück nach Paris zu holen. Allerdings mischt hier auch Raymond mit, den Cassel einst aus der Hauptstadt verjagte und in dessen Auftrag Pépé tätig war. Schon bald sterben weitere Menschen, darunter Pépé selbst, und Trésor wird klar, dass er kämpfen muss. Mit zahlreichen Feinden und seinem Gedächtnis.

Schwarzer Humor trifft auf knallige Action

Man darf diesen rund 230 Seiten schlanken Roman nicht unterschätzen, denn er erzählt eine vielschichtige Story über einen dementen Auftragskiller, in der sich die Ereignisse nur so überschlagen. Cassel und Raymond schicken ihre Männer los und richten dabei das eine oder andere Blutbad an. Oftmals mittendrin, der gesuchte Trésor, der zwar nicht immer weiß, in welchem Hotel er gerade abgestiegen ist, gleichwohl aber seinen Instinkt zu überleben und zu morden beibehalten hat. In schnell wechselnden Sequenzen breitet Wolfgang Franßen eine turbulente Geschichte aus, bei der man im Falle einer Verfilmung fast zwangsläufig an Tarantino als Regisseur denken muss. „Pulp Fiction“ dürfte den Autor zumindest beeinflusst haben.

Wenn einer wie er mit zwei, drei Morden das gesamte Jahr absicherte, in guten Jahren mit einem vierten, fünften eine Anzahlung auf ein Haus leistete, warum schufteten dann alle vierzig Jahre für einen Händedruck und ein bisschen Rente?

Das vorstehende Zitat ist der Auftakt von „Einer sollte ihm mal sagen, dass er tot ist“. Er könnte in die Sammlung der besten ersten Romansätze aller Zeiten eingehen. Der Plot ist flüssig und mit reichlich schwarzem Humor erzählt, wobei man angesichts der oft wechselnden Geschehnisse und Handlungsorte genau lesen sollte. Nicht zuletzt, weil Trésor gerne Dinge durcheinander bringt. Aber auch allgemein ist hohe Konzentration gefragt, da mitunter plötzlich neue Personen die Szenerie betreten, die man zunächst kaum einzuordnen vermag. Nach und nach wird jedoch klar, was es mit den eingangs erwähnten Morden an Trenet und Lilou auf sich hat und welche Rolle dabei Pépé spielte. Es geht, im positiven Sinne, chaotisch drunter und drüber, nur selten wird Trésor eine Pause gegönnt. Dann gibt es Rückblicke in die Vergangenheit, als das Gehirn noch funktionierte. Der Roman spielt durchgehend in Frankreich, ist aber als Urlaubslektüre respektive Reisekrimi, man denke beispielsweise an die Krimis von Jean-Luc Bannalec (Jörg Bong), kaum geeignet. Wer gerne schräge, gewaltreiche Stories – „Pulp“ im besten Sinne – mag, findet hier eines der außergewöhnlichsten Krimihighlights des Jahres.

  • Autor: Wolfgang Franßen
  • Titel: Einer sollte ihm mal sagen, dass er tot ist
  • Verlag: ars vivendi
  • Umfang: 234 Seiten
  • Einband: Taschenbuch
  • Erschienen: Juli 2026
  • ISBN:   978-3-7472-0832-8
  • Produktseite

Wertung: 12/15 dpt

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