Gerhard J. Rekel – Lina Morgenstern (Buch)

Kindergärten, Suppen- bzw. Volksküchen, wohltätige Vereine, Krankenpflegeschulen, Bücher, Sozial- und Frauenaktivismus … Dinge, von denen nur eines davon auf die Beine zu stellen einen Menschen schon mehr als genug fordern würde.

Lina Morgenstern gelang es, dies alles zu bewerkstelligen; obendrein noch dazu in einer Zeit, die es Frauen und Menschen jüdischen Glaubens besonders schwer machte.

Gerhard J. Rekel hat in „Lina Morgenstern – Die Geschichte einer Rebellin“ sich dieser mehr als unglaublichen Frau angenommen und ihre Geschichte niedergeschrieben.

Er erzählt von ihrer Kindheit und Jugend und den frühen Anzeichen, die Lina Morgensterns Willen und Durchsetzungsvermögen ankündigten. Sei es der Wunsch nach Bildung oder die Liebe zu einem Mann, der von ihrer Familie zunächst abgelehnt wurde – Lina bewies schon früh, dass sie sich nicht so leicht von ihrem Weg abbringen lassen würde.

Im Jugendalter gründete sie ihre erste gemeinnützige Organisation, die sogenannten Pfennigvereine. Nach der Heirat mit ihrem geliebten Theodor folgten die Suppenküchen, die es ärmeren Mitmenschen ermöglichte, an warme Mahlzeiten zu gelangen. Sie schrieb Bücher, verlegte eine Zeitung, eröffnete Schulen.

Nach Ende des Deutsch-Französischen Krieges versorgten sie und ihre Unterstützerinnen die teils schwerverletzten Soldaten, um die sich der Staat selbst nicht mehr kümmern wollte. Dass sie dabei aufgrund ihrer humanistischen Überzeugung keinen Unterschied zwischen deutschen und französischen Soldaten machte, brachte ihr viel Unverständnis und Gegenwind ein, denen sie sich tapfer entgegenstellte.

Auch ihr unermüdlicher Einsatz für die Frauenbewegung verschonte sie nicht vor misogynen und antisemitischen Anfeindungen, die teilweise heftigsten Rufmord überschritten.

Bewundernswert, wie es Lina Morgenstern gelang, sich dagegen zu behaupten und die Absurditäten ihrer Zeit zu entlarven. Sei es die Borniertheit des Staates, der ihren Soldatenkrankenlager medizinische Unterstützung verweigerte, ihr dann aber vorwarf, über unzureichende Kenntnisse der Medizin zu verfügen. Oder die üblichen gesellschaftlichen Konventionen, die Frauenrollen trotz unumstößlicher Gegenbeweise unbeirrt auf Kinder, Küche, Kirche reduzierten.

„Wenn fast fünf Millionen Frauen in Deutschland unverheiratet durchs Leben gehen“, beklagte Lina, „klingt es wie Hohn, wenn es heißt, die Frau sei von der Natur nur zur Gattin und Mutter bestimmt.“
Seite 154

All dies erzählt Gerhard J. Rekel auf äußerst ansprechende, spannende und lebhafte Weise. Schon von der ersten Seite an ist der Leser ganz gefangen von der faszinierenden Geschichte Linas. Die Erzählstruktur verknüpft biografische und historische Aspekte mit Romanelementen; der Schreibstil ist angenehm flüssig und macht die Biografie zu einem kurzweiligen Lesevergnügen. Die Kapitel sind lesefreundlich übersichtlich und zu Beginn eines jeden mit einem passenden Vers versehen. Das auch äußerlich ästhetisch gestaltete Buch wartet zudem mit großartig vielfältigen Extras auf, wie zum Beispiel eine Übersicht der bekanntesten Rezepte Linas.

Wer sich für eine faszinierende Geschichte über eine wirklich ungewöhnliche Frau interessiert, wird mit Rekels Buch voll auf seine Kosten kommen. Es ist eine Geschichte über Tapferkeit und Tatendrang; inspirierend für alle, die sich kaum vorstellen können, dass ihre kleinen Taten etwas bewegen können.

Und es ist ein wichtiges Werk gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit, welches gerade in der heutigen Zeit bedeutender denn je ist.

„Nicht Klassen- und Rassenhass, nicht Intoleranz religiösen und politischen Gesinnungen gegenüber werden der Menschheit eine glückliche und würdige Zukunft bringen, sondern die Gerechtigkeit und die nie ermüdende Nächstenliebe.“

Autor: Gerhard J. Rekel

Titel: Lina Morgenstern – Die Geschichte einer Rebellin

Verlag: Kremayr & Scheriau

Erschienen: 05/2025

Einband: Hardcover

Seiten: 264

ISBN: 978-3-218-01466-3

Sonstige Informationen:

Produktseite 

Erwerbsmöglichkeiten

Wertung: 15/15 dpt

Cover: © Kremayr & Scheriau

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