Amüsanter, sprachlich virtuos erzählter Krimi

Es ist Winter in Nürnberg und für Kommissar Friedo Behütuns kommt es knüppeldick. Er trinkt und raucht nicht mehr, macht dafür kleinere Läufe und hat dementsprechend schlechte Laune, was sich in einer gewissen Gereiztheit spiegelt. Zudem ist es Winter, kalt und dunkel, der Kollege Peter Jaczek im Vaterschaftsurlaub und plötzlich hat er gleich mehrere Leichen am Hals. In Erlenstegen liegt eine Frau nackt im Schnee, während in Kronburg ein Landwirt in einem Fahrsilo für Maissilage gefunden wird. Eine genauere Untersuchung des Silos fördert eine weitere Leiche zu Tage und dann wäre da noch der ungelöste Mordfall eines Unternehmensberaters, der vor rund drei Monaten an Loch 13 mit drei Golfbällen mittels einer Zwille erschossen wurde.
„Wasser aus Plastikflaschen, wie pervers war das denn. Sondern Giftstoffe ab und sind unverrottbar. Aber das ist der Fortschritt, dachte Behütuns. Kein Mensch macht sich da Gedanken. Was neu ist, ist gut, auf jeden Fall besser als das Alte, so sehen das die Menschen und so handeln sie. Aber denken?“
Vier Tote für Behütuns und seinen Kollegen Peter Dick und Peter Abend. Immerhin erhalten sie Unterstützung von Cela Paulsen aus Bremen, die im Rahmen eines Austauschprogramms für drei Monate helfen soll. Trotzdem viel zu viel Arbeit, zumal noch der Landpolizist Dagobert Kugler auf der Matte steht, dem ein tödlicher Verkehrsunfall verdächtig nicht nach einem Unfall aussieht. Weitere Tote wird es geben, Spuren erschließen sich erst einmal nicht und so kommt der Fall erst im Frühjahr des nächsten Jahres ein wenig voran. Behütuns hadert derweil mit der undurchsichtigen Gemengelage sowie seinen meist verworrenen Gedankengängen. Ob der Genuss einer Stadtwurst helfen kann?
Dritter Fall der Friedo-Behütuns-Reihe
Nach „Schafkopf“ und „Dunkles“ geht es mit „Leergut“ in den dritten Fall der Friedo-Behütuns-Reihe, die aus insgesamt zehn Bänden besteht. Zuletzt wechselte Krimiautor Tommie Goerz („Meier“, „Frenzel“) das Genre und glänzte mit seinen literarischen Werken „Im Tal“ und „Im Schnee“.
„Ich kann daran nichts ändern, aber ich muss es nicht fördern, nicht unterstützen. Also gehe ich da nicht hin. Ich tue etwas, indem ich etwas lasse. Mehr kann ich nicht tun.“
Doch zurück zu Behütuns, der mal wieder Opfer seiner eigenen geistigen Verstrickungen wird, denn seine skurril anmutenden Reflexionen beherrschen weite Teile des Romans. Sprachlich virtuos und höchst amüsant, wie sich der Protagonist meist selber im Weg steht und über Gott und die Welt lästert, dabei stets flankiert von seinen frotzelnden Kollegen. Markus Söder und Dieter Hoeneß, vielmehr dessen Würste, sowie Franz Josef Strauß, sie alle bekommen ihr Fett weg, zudem gibt es eine volle Breitseite gegen den Kapitalismus und dessen Jünger. Die Opfer sind überwiegend Leute mit Geld, zumeist Unternehmensberater oder Unternehmer, die nicht selten ihren Reichtum zur Schau stellen respektive damit protzen. Da platzt selbst dem Kollegen Peter Dick wiederholt der Kragen, der jedoch auf dem Golfplatz plötzlich leiser wird, da dort überwiegend normale Autos auf dem Parkplatz stehen.
„15. September. Professor Altenfurth wird ermordet.“
„Am Loch 13 auf dem Golfplatz bei Gräfenberg.“
„Das Loch ist doch völlig egal. Oder meinst du, das hat etwas zu bedeuten?“
„Keine Ahnung, wir wissen ja nichts.“
Und der Krimi? „Ich lese ja gerne Krimis, auch abstruse – aber die Geschichte … die als Krimi – wenn ich mir das vorstell … unvorstellbar scheiße“, so das Fazit eines Polizisten aus der vorletzten Romanseite. Ganz so arg ist es nun wieder nicht, aber die Story ist schon haarsträubend und lebt vom bissigen Humor des Autors. Drei Leichen an einem Tag, aber für die vier Ermittler einschließlich Cela gibt es keine weitere Unterstützung? Es handelt sich mitunter um bekannte Unternehmer, da dürfte man wohl schon eine große Mordkommission erwarten. Auch in Franken, selbst in Nürnberg. Sei’s drum, die Friedo-Behütuns-Reihe ist ein unterhaltsames Erlebnis, Fans von Kluftinger und Co. greifen hier bedenkenlos zu.
- Autor: Tommie Goerz
- Titel: Leergut
- Verlag: ars vivendi
- Umfang: 429 Seiten
- Einband: Taschenbuch
- Erschienen: Oktober 2020
- ISBN: 978-3-86913-100-9
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Wertung: 11/15 dpt







