Auf der Flucht vor der Mafia

Elio Russo gilt als Verräter, denn er sagte gegen die ‘Ndrangetha aus. Siebenundzwanzig Verhaftungen, nur den Boss der Bosse verriet er nie. Jetzt soll er ins Zeugenschutzprogramm, wird zuvor „beerdigt“ und unter dem neuem Namen Marko Steiner entlassen. Bis es soweit ist, liest er ein Buch, dass ihm sein Zellennachbar geschenkt hat, um die deutsche Sprache zu lernen. Darin geht es um den Trauerredner Franz Escher, der in seiner Wohnung wegen eines Wackelkontaktes auf den Elektriker wartet.
Franz Escher wartet auf den Elektriker und liest derweil ein Buch, in dem es um den Mafia-Kronzeugen Elio Russo geht. Dabei tauchen Elio/Marko und Escher abwechselnd und lesender Weise in die Geschichte des jeweils anderen ein. Dann kommt es zu dem Besuch des Elektrikers, der tödlich endet. Daran ist Escher keineswegs unschuldig, doch wie soll er sich jetzt korrekt verhalten? Einige Zeit später will die inzwischen vierzehnjährige Ala, Markos Tochter, im Rahmen eines Schulprojektes zum Thema Familienstammbaum endlich mehr über ihren Vater erfahren. Sie ahnt nicht, was dies auslöst, denn die ‘Ndrangetha vergisst nie.
Großartiger, irrer Plot
Mit seinen neun Simon-Brenner-Krimis wurde Wolf Hass bekannt. Aber auch seine weiteren Romane sind inzwischen Kult, kein Wunder bei Titeln wie „Das Wetter vor 15 Jahren“ oder „Verteidigung der Missionarsstellung“. Zahlreiche Literaturpreise konnte Haas gewinnen, mit dem vorliegenden Roman „Wackelkontakt“ erreichte er eine Platzierung in der Krimibestenliste von Deutschlandfunk Kultur.
„In den nächsten Tagen konnte er sich nicht auf der Straße blicken lassen. Er musste abwarten. Um nicht verrückt zu werden, griff er nach seinem Buch und las dort weiter, wo er vor einigen Tagen stehengeblieben war.“
Wie in der zitierten Stelle oder in ähnlicher Form, wechseln die Szenarien. Beide Handlungsstränge laufen parallel und dennoch unaufhaltsam aufeinander zu. Escher, der ein Puzzle-Freak ist und sich auf diese Weise seine Welt zusammenbastelt, kennt das Prinzip. Allein, er versteht nicht, was da wirklich passiert. Aber was ist schon real? „Wie wirklich ist die Wirklichkeit?“ fragte schon Paul Watzlawick in seinem erstmals 1976 erschienenen Weltbestseller.
„Wer rastet, der rostet. Ich raste. Ich raste aus. Nachdem er gerastet hatte, raste er los.“
So liest es sich, wenn Elio/Marko die deutsche Sprache erlernt. Witzig sind auch die zahlreichen Dialoge, sprachlich ein Hochgenuss ist der Roman ohnehin. Dass es sich dabei um einen Krimi handeln könnte, erfährt man aus dem Eingangsszenario, in dem aus Elio später Marko wird. Danach gerät es ein wenig in Vergessenheit, denn man reibt sich wie Escher verwundert die Augen und fragt sich, was hier denn los ist? Erst im Schlussdrittel kommt der Krimiplot wieder verstärkt zum Vorschein.
Er kam aber nur in die Warteschleife. Wenn Sie dies wollen, drücken Sie die eins, wenn Sie das wollen, drücken Sie die zwei. Wenn Sie etwas anderes wollen, drücken Sie drei.
„Wenn Sie sich erschießen wollen, drücken Sie den Abzug einer Pistole“, murmelte er, während er eine der Tasten drückte.
„Wackelkontakt“ ist ein kurzweiliges Lesevergnügen, wobei auf den weiteren Inhalt an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden darf. Man muss und sollte es selber erleben.
- Autor: Wolf Haas
- Titel: Wackelkontakt
- Verlag: Penguin
- Umfang: 240 Seiten
- Einband: Taschenbuch
- Erschienen: Juli 2026
- ISBN: 978-3-328-11339-3
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Wertung: 12/15 dpt







