Der Literaturpodcast „Autorinnen im Porträt“ rückt in jeder Episode eine Schriftstellerin in den Fokus. Dabei schauen wir auf das Leben der Autorin und auf ihr Werk. Wer wir sind? Mariann Gáborfi und Sarah Teicher aus Leipzig. Wir sind auch Redakteurinnen bei Booknerds.de und haben deshalb beschlossen, zu dem im März 2022 gegründeten Podcast eine begleitende Kolumne zu schreiben. (Alle Folgen der Kolumne im Überblick.)
Mareike Fallwickl zählt zu den wichtigsten Stimmen der aktuellen Literaturlandschaft. Schonungslos hält sie der zeitgenössischen Gesellschaft den Spiegel vor, ohne dabei den Humor zu verlieren. Aber Achtung: Als Österreicherin ist dieser mitunter sehr schwarz – ich bin ein großer Fan. 🙂
Im Mai war Mareike Fallwickl unsere „Autorin im Porträt“. Mariann und ich sprachen diesmal im Podcast gleich über drei Bücher, die ich euch wirklich nur ans Herz legen kann! „Die Wut, die bleibt“ sowie „Und alle so still“ hatte ich zum Zeitpunkt der Aufzeichnung gelesen, Mariann stellte uns „Dunkelgrün fast schwarz“ vor. Gestern habe ich auch das fertig gelesen und mit einem tiefen Seufzer zugeklappt und zur Seite gelegt: Das ganze Wochenende hat mich dieser Roman gefesselt, so spannend! Und wieder ganz anders als die beiden anderen Bücher! Aber der Reihe nach …
„Dunkelgrün fast schwarz“ wird als literarisches Debüt der Autorin gefeiert – tatsächlich ist es aber ihr zweites Buch. Darin geht es um Moritz und seine Freundschaft zu Raffael. Johanna ist seine erste große Liebe und schon bald sind die drei Jugendlichen unzertrennlich. Aber der gutmütige und sensible Moritz versteht erst Jahre später, welcher Film da eigentlich vor seinen Augen ablief … Fallwickl erschafft hier Figuren, deren Persönlichkeiten unter die Haut gehen. Moritz, der alle Menschen mit Farb-Aura wahrnimmt, Raffael, dessen wahres Wesen Gänsehaut erzeugt und Johanna, deren Ausmaß der Selbstsabotage beim Lesen nach Luft schnappen lässt … Psychologisch fesselnd, klug und einfach nur spannend.
In dem Roman „Die Wut, die bleibt“ (2022) thematisiert Mareike Fallwickl folgende Fragen: Was passiert mit einer mehrköpfigen Familie, wenn die Mutter eines Tages vom Balkon springt? Das ist kein Spoiler, denn so beginnt das Buch. Wer kümmert sich um die Kinder? Wie geht die beste Freundin damit um und warum verdammt noch mal geht der Vater einfach weiter arbeiten? Und wie konnte es überhaupt so weit kommen? Völlig ohne Pathos wird hier ein Szenario gezeichnet, das die Gefahr in sich birgt, sich mehr und mehr zu radikalisieren …
„Und alle so still“ wiederum geht noch einige Schritte weiter und lässt sich als Dystopie lesen. Fallwickl geht hier wieder etwas mehr aus dem Alltagston zurück ins Literarische. Auch hier gibt es wieder viele Gänsehautmomente: Was würde passieren, wenn sich im Hier und Jetzt einfach alle Frauen dazu entschieden, ihre Arbeit niederzulegen? Inspiriert wurde der Plot vom sogenannten Frauenstreik auf Island, bei dem sich 1975 tatsächlich 90 % (!) der Frauen beteiligten. Sichtbarkeit durch Verschwinden. Weigerung durch stillen, gewaltfreien Protest, durch simples Aufhören. Und was daraufhin alles aus den Fugen gerät, imaginiert Fallwickl vortrefflich.
Nach der Aufzeichnung des Podcasts fand ich total spannend, mich mit anderen darüber auszutauschen und besonders, die Perspektiven von Männern auf die Bücher einzufangen! Zu „Die Wut, die bleibt“, sagte ein Buchblogger zu mir: „Ich habe mich beim Lesen als Mann total unwohl gefühlt. Das war mir zu krass. Da lässt sie ja wirklich kein gutes Haar an Männern!“ Da musste ich ein bisschen lachen. Geht es denn nicht immer noch viel zu oft nur um die männliche Perspektive? Und ist es nicht super, wenn das Buch eine Diskussionsgrundlage bietet? Provokation schafft das. Der Blogger wiederum war Fan von „Dunkelgrün fast schwarz“ – Mareike Fallwickl kann eben auch anders. Und diese Vielseitigkeit ist es für mich, die diese Autorin so beeindruckend macht: Kluge Gedanken, manchmal radikal-provokant, manchmal still und subtil, aber immer feministisch. Immer ist das Ziel: Schaut auf euch, kümmert euch umeinander und schafft eine Welt, in der alle gemeinsam leben können. Und dieser Gedanke trägt so viel Optimismus in sich, dass es sich lohnt, alle Bücher von Mareike Fallwickl uneingeschränkt weiterzuempfehlen – gerade weil diese so ganz vielseitig und unterschiedlich um die Ecke kommen.
Welche Bücher habt ihr von Mareike Fallwickl gelesen? Was hat euch am besten gefallen? Schreibt es gern in die Kommentare unter diesem Beitrag. Zu welcher Autorin wünscht ihr euch eine Podcastfolge?
Mariann und ich freuen uns auch immer über euer Feedback auf Instagram oder Facebook. Dort findet ihr auch Rätsel zu den Autorinnen, Reels und Einblicke in das Leben eurer Lieblingspodcasterinnen. 😉
Viele Grüße und bis zum nächsten Mal
eure Sarah











