Andreas Eschbach – Kelwitts Stern (Hörbuch, gelesen von Sascha Rotermund)

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Andreas Eschbach - Kelwitts Stern (Audio)Auf Jombuur, einem weit entfernten Planeten, ist es Usus, dass jeder neugeborene Jombuuraner einen Stern geschenkt bekommt. Einige Zeit später, sobald die Bewohner ein gewisses Alter erreicht haben, dürfen sie im Zuge der Orakelfahrt ebenjenen Stern besuchen. Kelwitts Geschenk ist eine bestimmte Sonne in der Milchstraße – nämlich unsere. So macht er sich mit seinem allwissenden Schulterspangencomputer auf den Weg in Richtung des hiesigen Sonnensystems.

Die Orakelfahrt verläuft allerdings nicht so glatt wie geplant, denn der junge, nicht allzu vorsichtige Kelwitt kracht kurz vor dem Millennium durch das Dach einer Scheune, mitten in der Einöde, irgendwo in der Pampa der Schwäbischen Alb. Dabei nimmt auch der Frachtbehälter seines Raumschiffs Schaden, und Samen einer auf Jombuur zum Vegetationssystem gehörenden Pflanze landen auf dem Erdboden. Ob diese dort gedeihen können? Derweil irrt der delphinähnliche, blauhäutige Außerirdische unbeholfen umher und wird bald von der Familie Mattek aufgenommen – was er erlebt, irritiert und erstaunt ihn zugleich – was hinsichtlich der Erdenbewohner wohl auf Gegenseitigkeit beruht.

Die Familie kümmert sich liebevoll um die eigenartige Kreatur und versucht, ihren Verbleib geheimzuhalten, und Kelwitt selbst sieht sich herausgefordert, sich auf diesem Planeten zu akklimatisieren. Doch so ganz unbemerkt scheint seine Landung nicht vonstatten gegangen zu sein, was so manchen Außenstehenden stutzig werden lässt.

Andreas Eschbach ist wohl so etwas wie der David Bowie der Literatur, denn ihm gelingt es stets, seine Leser zu überraschen und sich gleichermaßen seine Unverkennbarkeit zu bewahren, ganz gleich, wie dick der Backkatalog noch werden mag. Dennoch: Im Laufe des Hörgenusses fragt man sich oftmals ernsthaft, ob der Autor solcher Werke wie „Die Haarteppichknüpfer“, „Quest“, „Herr aller Dinge“, „Eine Billion Dollar“, „Der Letzte seiner Art“ und der „*Out“-Trilogie seinen Stopftabak nicht versehentlich in das Teeei und den Tee dafür in seine Drehfilter gefüllt hat, denn der Science-Fiction-Roman birgt überraschend viel Humor in sich und lässt den Hörer mehrmals auflachen. Das fängt bei diversen Namen an, geht mit viel Situationskomik und Absurditäten weiter und wird mit herrlicher Provinznaivität fortgeführt.

Hinzu kommt ein gewisser Niedlichkeitsfaktor. Nicht selten muss man, wie bereits sehr häufig über „Kelwitts Stern“ zu lesen ist, an „E.T.“ denken, doch hinsichtlich friedlicher Besucher aus dem All bleibt ohnehin nicht allzu viel Spielraum für Autoren, sodass man Eschbach beileibe keine mangelnde Kreativität vorwerfen kann. Zu langweilig wäre es gewesen, alles großkotzig aufzubauschen und mit militärischen Mitteln den bösen Eindringling zu erledigen. Sicher, manche Erdlinge drehen regelrecht am Rad, doch auf Action und Effekthascherei wird in diesem Roman gänzlich verzichtet. Stattdessen ist diese in Hörbuchform vier CDs lange Geschichte eine wunderbar warmherzige, unhysterische, linear verlaufende Story, welche trotz so mancher unvermeidbar aufkommender Vorahnung packend und spannend bleibt.

Einmal mehr durfte als Sprecher Sascha Rotermund im Tonstudio am Pult Platz nehmen. Seine Qualitäten beweist er gemeinhin als Synchronsprecher (Dr. Robert Chase in „Dr. House“ und Sam Hanna in „Navy CIS: L.A.“ dürften die bekanntesten sein), und dass die Kombination Eschbach und Rotermund eine der besten generell ist, bewiesen schon „Die Haarteppichknüpfer“ und „Quest“ – und die ebenfalls von ihm eingelesenen, dem Rezensenten allerdings noch nicht bekannten „Eine Trillion Dollar“ und „Solarstation“ dürften qualitativ wohl auch kaum von minderem Wert sein. Durch die warme, wandlungsfähige, jederzeit seriöse Stimme wirkt „Kelwitts Stern“ jederzeit lebendig, man hängt regelrecht an Rotermunds Lippen, zumal der – zum Zeitpunkt der Rezension – Enddreißiger problemlos in der Lage zu sein scheint, sich auf jede Art von Roman einzustellen.

Die hervorragende Produktion tut ihr Übriges, das Hörbuch in die erste Liga zu katapultieren. Und wie für das Label typisch, wurden die einzelnen Tracks sinnvoll eingeteilt, sodass nach einer Unterbrechung ein flüssiges Hören ohne lästiges Suchen möglich ist. So ist auch in technischer Hinsicht absolut nichts zu beanstanden.

Cover © Lübbe Audio

  • Autor: Andreas Eschbach
  • Titel: Kelwitts Stern
  • Verlag: Lübbe Audio
  • Erschienen: 09/2012
  • Sprecher: Sascha Rotermund
  • Spielzeit: 294 Minuten auf 4 CDs
  • ISBN: 978-3-7857-4661-5
  • Sonstige Informationen:
    Bearbeitete Fassung

Wertung: 13/15 dpt

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Über den Autor

Chris Popp

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Chris‘ Nerd-Schreibtisch

1974 in Mannheim geboren, in Heidelberg aufgewachsen, lebt nach 16 Jahren in der nordhessischen Provinz vor Kassel seit 2017 in Berlin. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Booknerd, Hörbuchnerd, Computernerd, Filmnerd, Seriennerd, Kaffeenerd, Foodnerd, Königsbergerklopsenerd. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.
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von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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